BBL
Stolz, aber chancenlos: Bitteres Geisterturnier der Merlins

Die Merlins aus Crailsheim können einem schon ein bisschen leid tun. Ihre überragende Saison wurde von der Corona-Krise gestoppt. Von dem Kader, der die Liga durcheinandergewirbelt hat, ist nicht mehr viel übrig. Und doch weiß das Team zu begeistern. Wenn auch erfolglos.

Donnerstag, 11.06.2020, 10:16 Uhr aktualisiert: 11.06.2020, 17:46 Uhr
Muss mit Crailsheim die Heimreise aus München antreten: Merlins-Coach Tuomas Iisalo.
Muss mit Crailsheim die Heimreise aus München antreten: Merlins-Coach Tuomas Iisalo. Foto: Matthias Balk

München (dpa) - Es ist gerade einmal drei Monate her, da feierten die Hakro Merlins Crailsheim in ihrer Arena Hohenlohe eine riesengroße Basketball-Party.

91:82 gegen Alba Berlin hieß es am 8. März für die Merlins, fünfter Erfolg in Serie, Platz drei in der Tabelle - die Crailsheimer waren das Team der Stunde und begeisterten mit ihrem Power-Basketball die ganze Liga. Ein Vierteljahr später spielen die Merlins immer noch herzerfrischenden Basketball - allein eine Chance haben sie damit nach der Corona-Pause beim Meisterturnier der Bundesliga nicht mehr.

Denn das Gesicht des Überraschungsteams der Saison hat sich komplett gewandelt. Vor dem dreiwöchigen Event in München ohne Zuschauer und mit Hotel-Quarantäne hatten in Jan Span, Quincy Ford und Aaron Jones bereits drei Leistungsträger das Weite gesucht. In München wurde der Aderlass durch Verletzungen nun noch größer. Auch Jeremy Morgan, Javontae Hawkins und DeWayne Russell stehen derzeit nicht zur Verfügung.

«Ich glaube, wir hätten viel Potenzial gehabt. Von daher ist es schon ein bisschen traurig», sagte der Sportliche Leiter Ingo Enskat. Doch auch wenn die Merlins ihre ersten drei Gruppenspiele alle verloren haben und mit ihrem Rumpfkader auch am Sonntag gegen Oldenburg ohne Chance sein dürften, ist die Stimmung im Team weiter gut. «Die Spieler lachen zusammen, haben Spaß und das ist enorm wichtig. Das zeigt, dass wir immer noch ein starkes Teamgefüge haben», lobte Trainer Tuomas Iisalo.

Die Merlins haben einen der kleinsten Etats der Liga. Umso höher ist ihre Leistung in der Vor-Corona-Saison zu bewerten. Und es ist daher auch nicht selbstverständlich, dass der Club zu den zehn Vereinen gehört, die in München ihren Meister unter strengen Hygiene-Regeln ausspielen.

Doch so wie es für die Verantwortlichen klar war, in München dabei zu sein, so selbstverständlich ist es für sie auch, dass sie das Turnier aller Probleme zum Trotz nun vernünftig zu Ende bringen. «Wir müssen davon weg kommen, diese beiden komplett unterschiedlichen Teams zu vergleichen und die alte Erwartungshaltung auf die neue Mannschaft zu übertragen. Wir haben jetzt eine sehr junge Mannschaft, mit vielen deutschen Talenten», sagte Enskat.

Und die schafft es, allen Widrigkeiten zum Trotz sich weiter in die Herzen der Basketball-Fans zu spielen. «Großen Respekt für die Merlins, sie haben ihr Herz auf dem Parkett gelassen», lobte Ulms Trainer Jaka Lakovic. Die vier mitgereisten Sponsoren honorierten die couragierte Leistung beim 80:92 mit einigen lauten Sprechchören - und so gab es zumindest eine Mini-Party mit den Merlins im sonst fast menschenleeren Audi Dome.

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