Basketball: 2. Bundesliga Pro B
WWU Baskets bleiben kämpferisch

Münster -

Die Trainingswoche der WWU Baskets begann mit Einzelgesprächen. Trainer Philipp Kappenstein hatte nach der dritten Saisonniederlage Redebedarf angemeldet – und es ging nicht um Schuldzuweisungen, sondern um Aufbauarbeit. Der Coach weiß um die aktuellen Schwächen seines Teams, aber vor allem um dessen Qualitäten, mit jetzt der Spitzenreiter zu spüren bekommen soll.

Dienstag, 17.11.2020, 18:04 Uhr
Klare Worte findet Baskets-Coach Philipp Kappenstein, der aber optimistisch bleibt.
Klare Worte findet Baskets-Coach Philipp Kappenstein, der aber optimistisch bleibt. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Stachel der Enttäuschung saß tief nach der 85:97-Niederlage bei den Itzehoe Eagles. Zum dritten Mal waren die WWU Baskets Münster mit leeren Händen von einer Dienstreise, die in der Nacht zu Sonntag um 2.30 Uhr vorbei war, zurückgekommen. Zum dritten Mal reichten 30 gute Minuten nicht aus. Die Euphorie nach der starken Vorbereitung, die intern wie extern eine hohe Erwartungshaltung und die Hoffnung auf den Sprung aus der 2. Bundesliga Pro B in die Zweitklassigkeit genährt hatte, ist zunächst etwas verflogen. Aber nach nur zwei Siegen aus fünf Partien steckt bei den Baskets keiner den Kopf in den Sand.

Keine Resignation

Am Montag nutzte Coach Philipp Kappenstein das Frühtraining, um auch in Einzelgesprächen die Stimmung auszuloten. Die Niederlage beim letztjährigen Nordstaffel-Meister Itzehoe drückte die Laune, von Resignation aber ist trotz der mäßigen Bilanz weit und breit keine Spur. „Keiner der Jungs sucht nach Ausreden, wir alle hinterfragen uns kritisch. Das Team ist dabei ex­trem gut beieinander“, sagt Kappenstein, der von einer „homogenen, intakten Truppe“ spricht. Dass der Start in die Spielzeit nicht wie gewünscht verlief, nagt natürlich am Selbstbewusstsein der Mannen um Kapitän Jan König, „so schlimm, wie es nach außen wirkt, ist es aber nicht“, erklärt der Coach.

Verschiedene Gründe

Die Erklärungen, warum es in Bernau (67:68 mit Ablauf der Zeit), beim Titelfavoriten Bochum (71:84) und zuletzt bei den Eagles nicht mit einem Erfolgserlebnis geklappt hat, hat der 41-Jährige herausgearbeitet – und in seiner Analyse verschiedene Gründe gefunden. Mal scheiterte die Mannschaft wie in Bernau an der fehlenden Konsequenz, mal leistete sich das Team wie in Bochum zu viele Turnovers (29), mal gerieten gerade die großen Spieler wie Malcolm Delpeche oder Kai Hänig früh und zum Teil unnötig in Foulprobleme. Dass zudem Leistungsträger wie Jan König, Delpeche, Neuzugang Thomas Reuter oder Stefan Weß noch nicht ihr Top-Niveau abgerufen haben, kommt erschwerend hinzu.

Jetzt kommt der Spitzenreiter

Alles Dinge, die das Gesamtgefüge belasteten und verhinderten, dass die Baskets in den gewünschten Rhythmus kommen. „Hatten wir eine Baustelle geschlossen, tat sich eine neue auf. Allerdings muss man auch sagen, dass wir auswärts bei drei Teams gespielt haben, die ich alle hoch einschätze. Das Programm war deftig. Da muss man eine Top-Leistung abrufen, das ist uns leider nur über 30 Minuten geglückt. Aber uns fehlt nicht viel, wir sind nah dran. Die Gewinner-Mentalität müssen wir uns erarbeiten, die entwickelt sich aus Schlüsselmomenten, die wir noch nicht hatten. Am Sonntag haben wir die nächste Chance, den Bock umzustoßen und den Tabellenführer zu stürzen“, sagt Kappenstein mit Blick auf das Gastspiel von Spitzenreiter ART Giants Düsseldorf am Berg Fidel.

Schwierige Gesamtsituation

Es sind aber nicht nur sportliche Aspekte, die in den Köpfen der Baskets-Spieler herumschwirren. Die Gesamtsituation während der Corona-Pandemie beschäftigt sie, geht nicht spurlos an ihnen vorüber. „Man fragt sich schon, ob es richtig ist, dass wir spielen. Gerade wenn man sieht, dass etwa in der Pro A Phoenix Hagen zum zweiten Mal in Quarantäne muss. Es ist insgesamt eine sehr sensible Gemengelage, die Jungs setzen sich jede Woche einem Risiko aus. Es gibt bei uns viele Leute im Team, die sich über die Situation Gedanken machen. Das darf man bei der Bewertung von Leistungen nie so völlig ausschließen“, erklärt Kappenstein. „Dennoch wissen wir, dass wir privilegiert sind. Wir wollen ja spielen und tun alles dafür, in dem wir uns auch abseits des Feldes höchst professionell verhalten. Wir wollen das Beste aus der Situation machen.“

Der erste Schritt wäre am Sonntag der dritte Heimerfolg gegen Düsseldorf, der die Handbremse lösen und Münster den Anstoß für eine mögliche Serie geben soll. Die Baskets unter Druck, aber nicht verzweifelt. „Wir haben in der Vergangenheit gezeigt, dass wir uns als Team entwickeln können. Wir haben weiter Vertrauen in das Team und haben eine gute Struktur. Ich bin mir sicher, dass wir konstanter und stabiler werden. Dafür arbeiten die Jungs hart“, sagt Kappenstein. Die ersten Früchte dieser Maloche wollen die Baskets am Sonntag ernten.

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