Basketball: 2. Bundesliga Pro B
Die WWU Baskets verlieren Krimi in Bochum – stehen aber im Playoff-Halbfinale

Münster -

Mehr Basketball geht kaum: Bis zur buchstäblich letzten Sekunde stand das letzte Gruppenspiel der zweiten Playoff-Phase zwischen den VfL SparkassenStars Bochum und den WWU Baskets Münster auf Messers Schneide, ehe ein Last-Second-Shot zum 95:92 für die Entscheidung sorgte. Beide Teams stehen aber im Halbfinale und sehen sich am kommenden Wochenende zum Aufstiegsduell wieder.

Samstag, 01.05.2021, 21:52 Uhr aktualisiert: 01.05.2021, 22:03 Uhr
Eines von vielen packenden Duellen: Jasper Günther entwischt Elijah Allen, muss aber noch an Miquel Servera vorbei. Am Ende verliert Münsters Spielmacher mit seinem Team 92:95 in Bochum, steht aber dennoch im Playoff-Halbfinale.
Eines von vielen packenden Duellen: Jasper Günther entwischt Elijah Allen, muss aber noch an Miquel Servera vorbei. Am Ende verliert Münsters Spielmacher mit seinem Team 92:95 in Bochum, steht aber dennoch im Playoff-Halbfinale. Foto: Jürgen Peperhowe

Tief im Westen, wie sie in Bochum immer so schön singen, ging es fulminant zur Sache: Einen bisweilen spektakulären Abtausch in der 2. Basketball-Bundesliga Pro B lieferten sich die NRW-Rivalen VfL SparkassenStars Bochum und die WWU Baskets Münster. Mit zwei Siegern am Ende, denn die 92:95 (42:46)-Niederlage durften sich die Baskets erlauben. Hinter Bochum als Sieger dieser Playoffgruppe ist Münster Zweiter, weil Hanau gegen Bayern Münchens Zweite siegte. Das erste Halbfinale zwischen dem VfL und den Baskets steigt Freitag in Berg Fidel, das Rückspiel Sonntag im Revier. Darauf kann man sich nur freuen.

Das Duell des Nordmeisters Bochum mit seinem Herausforderer im Aufstiegsrennen begann, was es vorher versprochen hatte: Hochklassig, hochprozentig, hochspannend – und in den ersten Minuten mit einem leichten Vorteil für die Baskets, die mit der Empfehlung von fünf Playoff-Siegen in Serie in die Rundsporthalle gereist waren. Jan König versenkte einen Dreier zum 7:2 und war der Mann der Anfangsphase. Acht Punkte erzielte der Kapitän bis zum 14:9, nach dem Dunking von Marck Coffin nach einem Anspiel Malcolm Delpeches stand es gar 16:9 (6.).

Joos zum 20:20

Ein starker Beginn der Gäste, den aber der VfL mit all seiner Klasse und Qualität zu nehmen wusste. Marius Behr glich 81 Sekunden vor dem Viertelende erstmals seit dem 2:2 wieder aus (18:18), Bochums Johannes Joos sorgte dann für das 20:20 nach den ersten zehn Zeigerumdrehungen.

Es war intensiv und packend, es ging richtig zur Sache in den Zweikämpfen, Playoff-Basketball in reinster Form, man merkte, dass nichts weniger als der Halbfinal-Einzug und damit die Aufstiegschance auf dem Spiel stand. Es waren die Baskets, die zunächst weiter vorne waren. Jasper Günther stellte erst auf 33:30, dann Momente später auf 35:33. Es war die letzte Führung in Halbzeit eins, nun drehte Bochum auf – und damit den Spielstand. Auch weil Münster sich ein, zwei Turnover und Fouls zu viel erlaubte. Niklas Bilski brachte den VfL nach 17:59 Minuten erstmals in Front (36:35), nach einem Foul beim Defensivrebound von Delpeche – es war das dritte von Münsters Center – stellte Joos erstmals auf fünf vor für Bochum (42:37). Und Joos war es auch, der mit der Sirene den ersten Durchgang beendete.

Münsters schwacher Wiedereinstieg

Alles war offen, noch war nicht abzusehen, in welche Richtung das Pendel ausschlagen würde. Einen vermeintlich klareren Blick verschaffte die Anfangsphase nach Wiederbeginn. Bochum begann ungemein dynamisch, verteidigte aggressiv und zwang Münster so zu Fehlern. Coffin etwa verlor gleich zweimal den Ball, und da auf der Gegenseite der Gastgeber traf und traf, musste Kappenstein beim 47:57 eine Auszeit nehmen, um dem VfL-Zwischenspurt den Schwung zu nehmen. Allein es klappte nicht: Die Baskets waren offensiv in diesen Momenten ideenlos und leisteten sich weiter Ballverluste – diesmal doppelt von Delpeche. So war es schwer, ja unmöglich, den VfL zu stoppen. 49:63, zweite Auszeit als letzter Rettungsanker, um die Partie nicht vorzeitig zu verlieren (25.).

Trainer Philipp Kappenstein zum Spiel

„Ich bin erst einmal stolz, dass wir unter den besten vier Teams der Pro B stehen. Wir haben uns grandios zurückgekämpft und mussten am Ende einen umstrittenen Pfiff hinnehmen. Heute haben die großen Spieler Akzente gesetzt. Wir haben uns leider zu viele Turnover geleistet, waren aber dennoch bis zum Schluss dran. Wir können in den beiden nächsten Spielen gegen Bochum noch einen Schritt zulegen.“

...

Und die Baskets schafften in der Tat den Turnaround, weil sie in der hitzigen Phase den kühleren Kopf hatten als der VfL. Erst erlaubte sich Marius Behr ein unsportliches Foul, dann ließ Noah Dickerson ein weiteres folgen – und wenig später kassierte auch Bochums Coach Felix Banobre ein Technische Foul. Münster nahm die Gaben zumindest teilweise an, robbte sich bis zum Viertelende auf 68:77 an.

Was ging da noch? Trotz des direkten Korberfolgs von Joos zur Elf-Punkte-Führung eine Menge. Angeführt von Günther kämpfte sich Münster zurück, machte Zähler um Zähler gut – auch nach Allens Dreier zum 76:84. Aufbauspieler Günther und Center Delpeche mit je vier Punkten – und schon war der Gast 3:13 Minuten vor dem Ende beim 86:87 dran. Bochum wackelte, hatte nun seine Schwächephase. Wahnsinn, was dieses Basketball-Spiel zu bieten hatte.

Und das war noch nicht alles: Delpeche sorgte nach langer Zeit mal wieder für einen Führungswechsel (88:87), ehe er 21 Sekunden vor dem Schluss nach einem Offensivfoul mit seinem fünften Vergehen Feierabend hatte – ein harter, vielleicht zu harter Pfiff beim Stand von 92:92. Bochum spielte die Uhr herunter, zockte bis zur buchstäblich letzten Sekunde und hatte mit Allen den coolsten Zocker. 0,9 Sekunden vor dem Schluss landete sein Dreier in der Reuse. Münster war geschlagen, weil Jan Königs letzter Versuch vom Ring wieder abprallte. Bitter. Aber in der kommenden Woche gibt es direkt die Chance zur Revanche. Im Halbfinale sehen sich die beiden Rivalen wieder, spielen dann den Aufsteiger aus. Es wird heiß werden. Das ist sicher.

Punkte: Günther (24), J. König (16/2), Coffin (15), Delpeche (12), Weß (7/2), Hänig (6), Touray (4), Grühn (3/1), Baues, Pahnke (je 2), Reuter (1)

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7945517?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686210%2F2686263%2F
Nachrichten-Ticker