Flensburg siegt
Meister- und Abstiegsfrage: Bundesliga vor Herzschlagfinale

Titelverteidiger Flensburg geht mit zwei Punkten Vorsprung vor Verfolger Kiel ins Finale der Handball-Bundesliga. Auch die Abstiegsfrage wird erst am letzten Spieltag geklärt.

Donnerstag, 30.05.2019, 11:46 Uhr aktualisiert: 30.05.2019, 11:48 Uhr
Bester Werfer beim Flensburger Sieg gegen Berlin: Hampus Wanne.
Bester Werfer beim Flensburger Sieg gegen Berlin: Hampus Wanne. Foto: Axel Heimken

Frankfurt/Main (dpa) - Die Fans der SG Flensburg-Handewitt sangen schon «Die Nummer eins im Land sind wir» und skandierten immer wieder «Deutscher Handball-Meister».

Doch Trainer, Spieler und Funktionäre des Bundesliga-Tabellenführers wollten nach dem souveränen 26:18 gegen die Füchse Berlin noch keine voreiligen Gratulationen zur Titelverteidigung annehmen. «Meister sind wir erst, wenn wir auch die letzte Hürde beim Bergischen HC überspringen», warnte SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Zweifel ließ aber auch er nicht aufkommen: «Jetzt sind wir an der Stelle, von der wir geträumt haben, und wir wollen auch den letzten Schritt machen.»

Bei zwei Punkten Vorsprung vor Rekordmeister THW Kiel reicht den Flensburgern am Pfingstsonntag schon ein Remis beim Aufsteiger BHC zum dritten Meistertitel der Vereinsgeschichte nach 2004 und 2018. Erfolgstrainer Maik Machulla sieht dem Saisonfinale nicht nur wegen der glänzenden Ausgangsposition gelassen entgegen. «Es fühlt sich entspannter an als voriges Jahr, wo wir ganz anders unter Strom waren. Wir waren in dieser Saison immer der Gejagte. Die Mannschaft hat eine mental reife Leistung abgeliefert, auf die ich wahnsinnig stolz bin», sagte der 42-Jährige.

Nach einem freien Wochenende beginnt am Montag die Vorbereitung auf den Showdown im Fernduell mit dem THW Kiel, der seine Aufgabe mit dem 34:26 beim TBV Lemgo Lippe ebenfalls mühelos bewältigte und zumindest über die deutlich bessere Tordifferenz verfügt. «Die Wahrscheinlichkeit, noch Meister zu werden, ist sehr gering. Trotzdem bleibt ein Fünkchen Hoffnung», sagte Kreisläufer Hendrik Pekeler.

Da die Kieler ihren 21. Meistertitel zum Abschied von Erfolgstrainer Alfred Gislason auch mit einem Sieg gegen die TSV Hannover-Burgdorf nicht mehr aus eigener Kraft erringen können, stellten sie dem Bergischen HC schon mal eine Extra-Prämie für die benötigte Schützenhilfe in Aussicht. «Wenn der BHC Flensburg schlägt, überschreiben wir ihnen die komplette Mannschaftskasse», sagte THW-Torwart Andreas Wolff grinsend.

Flensburg lässt sich durch solche Nebengeräusche nicht nervös machen. «Der Gewinn der Meisterschaft im vergangenen Jahr hat uns gelassener gemacht», sagte Rückraumspieler Holger Glandorf. «Jetzt geht es darum, viel zu regenerieren, sich auf den BHC vorzubereiten und dort alles in die Waagschale zu werfen.»

Spannung ist aber nicht nur oben garantiert, sondern auch tief unten im Tabellenkeller, wo dem Bundesliga-Dino VfL Gummersbach nach einem 22:26 gegen Frisch Auf Göppingen der erste Abstieg seit der Liga-Gründung vor 53 Jahren droht. Der zwölfmalige Meister und elfmalige Europacup-Gewinner muss nun das Abstiegsendspiel beim punktgleichen Tabellenvorletzten SG BBM Bietigheim gewinnen, um den Klassenerhalt aus eigener Kraft zu schaffen.

Dank der besseren Tordifferenz gegenüber Bietigheim könnte dem VfL auch ein Remis reichen, wenn die einen Punkt hinter dem Duo liegenden Eulen Ludwigshafen ihr letztes Saisonspiel gegen GWD Minden nicht gewinnen. Das Schlusslicht erhielt sich mit dem fast schon sensationellen 29:26 bei den Rhein-Neckar Löwen seine Mini-Chance auf die Rettung und crashte ein wenig die emotionale Abschiedsparty von Löwen-Trainer Nikolaj Jacobsen.

Der gerührte Weltmeister-Coach aus Dänemark wurde nach fünf erfolgreichen Jahren mit zwei Meisterschaften, einem Pokal-Triumph und drei Supercupsiegen von Fans und Spielern würdig verabschiedet. «Wir verneigen uns nicht nur vor einem sensationellen Trainer, sondern auch vor einem sensationellen Menschen», sagte Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann.

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