EM im Januar
Prokops schweres Handball-Puzzle

Nach dem lockeren Abschluss in der EM-Qualifikation richtet sich der Blick der Handballer bereits auf das Turnier im Januar. Für den Bundestrainer beginnen nicht nur wegen der Rückkehr von Tobias Reichmann komplizierte Personalplanungen.

Montag, 17.06.2019, 12:15 Uhr aktualisiert: 17.06.2019, 12:18 Uhr
Tobias Reichmann zeigte gegen den Kosovo eine starke Leistung.
Tobias Reichmann zeigte gegen den Kosovo eine starke Leistung. Foto: Daniel Karmann

Nürnberg (dpa) - Tobias Reichmann hielt sich zurück. Nach seiner Rückkehr zu den deutschen Handballern stellte der Rechtsaußen keine Forderungen.

Dabei hätte der Europameister von 2016 etwa den Anspruch formulieren können, einen Platz im Kader für die nächste EM in knapp sieben Monaten zu bekommen. Stattdessen redete der 31-Jährige über «sehr, sehr viel Spaß», den er bei seinem Comeback verspürt habe.

Der Einsatz beim lockeren 28:17 zum Abschluss der EM-Qualifikation gegen das Kosovo war sein erster nach der überraschenden Ausbootung vor der Heim-WM im vergangenen Januar. Trotz einiger Unstimmigkeiten wegen eines anschließenden Urlaubstrips erhält Reichmann von Bundestrainer Christian Prokop eine neue Chance. Knapp sieben Monate bleiben ihm, sich einen Platz im Kader für die Europameisterschaft 2020 in Norwegen, Österreich und Schweden zu sichern.

Er habe «keine Ahnung», wie seine Chancen stehen, meinte er. «Bis dahin ist es noch sehr lange hin.» Dem Bundestrainer aber bleibt kaum Zeit mit seiner Mannschaft. Im Oktober kann er sein Team zu einem weiteren Lehrgang versammeln. Anschließend geht es erst am 2. Januar mit der unmittelbaren Vorbereitung auf die EM weiter, die eine Woche später beginnt. Mit dem makellosen Abschluss in der EM-Quali eröffnet sich für Prokop nicht nur wegen Reichmann ein Personalpuzzle, das zu brisanten Entscheidungen führen könnte. Denn die Breite des deutschen Kaders scheint auf den ersten Blick so groß wie lange nicht mehr.

«Wir haben viele, viele tolle Spieler», sagte Torwart Andreas Wolff. Prokop hatte etliche Stammkräfte gegen den Außenseiter geschont und stattdessen Jung-Nationalspielern wie Johannes Golla oder Timo Kastening in Abwesenheit von Kapitän Uwe Gensheimer und Co. eine Chance gegeben. Der Bundestrainer sprach davon, «dass viele Spieler nah dran sind an der aktuellen A-Nationalmannschaft». Wie groß der Umbruch tatsächlich ausfällt, ist unklar. Wolff und Rückraumspieler Kai Häfner waren zum Abschluss der EM-Qualifikation die Einzigen im Kader, die bei der Heim-WM zum Einsatz gekommen waren.

Der Kern seiner Mannschaft dürfte Bestand haben: Wolff im Tor, die beiden Abwehrchefs Hendrik Pekeler und Patrick Wiencek und der gewohnt treffsichere Weltklasse-Linksaußen Gensheimer bleiben die Stützen. Spannend sind derzeit vor allem zwei Personalien: Kehrt Rückraumstratege Martin Strobel nach seiner schweren Knieverletzung bei der Heim-WM nochmal zurück? Und bleibt Routinier Silvio Heinevetter hinter Wolff die Nummer zwei im deutschen Tor?

Gegen das Kosovo testete Prokop auf dieser Position den 21-jährigen Till Klimpke von der HSG Wetzlar. Zuvor hatte er auch schon den 24-jährigen Christopher Rudeck vom Bergischen HC zur Nationalmannschaft eingeladen. Bevor der 40-Jährige sich über die Zusammenstellung seiner Mannschaft weitere Gedanken macht, steht aber auch für ihn erst mal ein wenig Erholung an. Diese Woche schaut Prokop beim Tennisturnier in Halle vorbei, Anfang Juli verabschiedet er sich dann mit der Familie in den Urlaub.

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