Handball
Gislason-Debüt fällt aus: Corona legt den Handball lahm

Das Coronavirus verhindert das Debüt des neuen Handball-Bundestrainers Gislason. Welche weiteren Maßnahmen darauf noch folgen werden, ist auch für den erfahrenen Isländer ein Rätsel. Aktuell herrscht große Ratlosigkeit.

Donnerstag, 12.03.2020, 22:22 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 22:24 Uhr
Alfred Gislason spricht bei seiner Vorstellung als neuer Bundestrainer während einer Pressekonferenz.
Alfred Gislason spricht bei seiner Vorstellung als neuer Bundestrainer während einer Pressekonferenz. Foto: Julian Stratenschulte

Magdeburg (dpa) - Alfred Gislason lässt sich auch von einem Geisterspiel nicht aus der Ruhe bringen. Der neue Handball-Bundestrainer wird am Freitag (18.00 Uhr/ARD) ein ungewöhnliches Debüt vor leeren Rängen erleben.

Aber der 60-Jährige ist schon so lange dabei, dass er trotzdem ganz normal schläft. «Eigentlich fühlt es sich wie vor jedem Bundesliga-Spiel auch an, das hat sich nicht geändert», erzählte der ehemalige Erfolgscoach des THW Kiel vor der Partie gegen die Niederlande. «Dass es ohne Zuschauer stattfindet, ist sicher ungewöhnlich für alle.»

Ungewöhnlich ist auch, dass der Isländer auf Stammtorhüter Andreas Wolff verzichten muss. Wegen des Coronavirus verzichtet der Keeper des polnischen Spitzenclubs KS Vive Kielce auf das Testspiel, wie er Gislason am Donnerstagmorgen mitteilte. Wäre der 29-Jährige nach Magdeburg gekommen, wäre die anschließende Rückreise nach Polen für ihn laut DHB-Angaben mit einer 14-tägigen Quarantäne verbunden gewesen. Stattdessen werden Silvio Heinevetter und Johannes Bitter das Torhüter-Gespann bilden.

Noch ist unklar, welche weiteren Auswirkungen das sich ausbreitende Virus auf den Sport haben wird, aber dennoch blickt Gislason bereits voraus. Der Test gegen die Niederländer dient zur Vorbereitung auf das Olympia-Qualifikationsturnier vom 17. bis 19. April in Berlin. Dabei ist noch längst nicht klar, ob oder in welcher Form die Spiele gegen Schweden, Slowenien und Algerien in der Max-Schmeling-Halle ausgetragen werden können. «Das kann natürlich keiner ausblenden, ich kann aber auch keine Prognose abgeben. Wir hängen ein bisschen in der Luft», sagte Gislason. «Wir können uns nur auf den Sport konzentrieren. Auf nichts anderes haben wir Einfluss.»

Der Nachfolger von Christian Prokop hatte sein neues Team erst am Montag zum ersten Mal getroffen. Seitdem bereitet er sich in Aschersleben mit der Mannschaft auf sein Debüt vor. In der kurzen Zeit feilte er vor allem an taktischen Dingen wie dem Gegenstoßverhalten. Aber auch Gislason kam nicht daran vorbei, mit seinen Spielern zumindest kurz über die Auswirkungen des Coronavirus zu sprechen. Inwiefern dieses Thema die Profis abseits der Platte beschäftigt, weiß der Coach aber nicht.

«Ich kann nicht sagen, ob die Spieler auf ihren Zimmern liegen und Nachrichten gucken», sagte er. «Aber natürlich kommt keiner daran vorbei, diese Diskussionen mitzuerleben.» Dass bei der Partie Trainingsatmosphäre herrschen wird, sei schade und ungewöhnlich, aber nicht zu ändern. Genauso wenig wie die weiter bestehenden Personalprobleme auf der Spielmacherposition. Nach den verletzungsbedingten Absagen von Martin Strobel, Paul Drux und Marian Michalczik wird nun auch Philipp Weber wegen muskulärer Probleme beim Gislason-Debüt fehlen.

Dadurch wird der 19-jährige Juri Knorr von GWD Minden in seinem ersten Länderspiel mehr Spielanteile bekommen, als ursprünglich geplant war. «Eigentlich war er nur da, um reinzuschnuppern, um die Gruppe kennenzulernen», sagte Gislason. Aber dieser Plan ist nun genauso überfällig wie der ursprünglich angedachte Test vor voller Halle in Magdeburg. Den Kaufpreis bereits erworbener Tickets will der Deutsche Handballbund (DHB) abzüglich der Gebühren erstatten. «Die Situation ist für uns alle herausfordernd, aber wir müssen, um der ernsten Lage und unser aller Verantwortung für die Gesundheit gerecht zu werden, eine klare Linie ziehen», sagte DHB-Boss Mark Schober.

Selbst in seiner isländischen Heimat sei das Virus schon angekommen, erzählte Gislason am Donnerstag. Vermutlich durch aus Südtirol zurückgekehrte Ski-Urlauber. «Es gibt relativ viele Fälle gemessen an der Bevölkerung.» Und ein Ende scheint noch lange nicht in Sicht.

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