Handball-Bundesliga
103. Derby: THW Kiel gegen Flensburg schon unter Druck

Das 103. Duell zwischen den beiden Handball-Großmächten aus dem Norden ist in Corona-Zeiten ein ganz besonderes. Nur 2400 Zuschauer dürfen die Partie in der Halle verfolgen. Die Gastgeber stehen nach der Pleite in Wetzlar mehr unter Druck als der große Rivale.

Freitag, 16.10.2020, 10:40 Uhr aktualisiert: 16.10.2020, 10:42 Uhr
Zum 103. Mal treffen THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt im Derby aufeinander.
Zum 103. Mal treffen THW Kiel und die SG Flensburg-Handewitt im Derby aufeinander. Foto: Federico Gambarini

Kiel/Flensburg (dpa) - Rückblick auf den 12. September 2019: In der Kieler Arena verfolgen 10.285 Zuschauer das Schleswig-Holstein-Derby zwischen Handball-Rekordmeister THW Kiel und dem großen Nordrivalen SG Flensburg-Handewitt (28:24).

Doch das ist Vergangenheit, die Gegenwart sieht anders aus: Nach Monaten der Corona-Pandemie werden am Sonntag (13.40 Uhr/Sky und N3) lediglich 2400 Zuschauer den wohl größten deutschen Handball-Klassiker erleben.

«Die aktuelle Situation tut uns weh, aber bis vor kurzem war noch gar nicht absehbar, dass überhaupt vor Fans gespielt werden kann», sagt THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi froh darüber, dass es überhaupt Unterstützung von den Rängen gibt. Szilagyis SG-Pendant Dierk Schmäschke sieht das genau so: «Wir müssen froh sein, solange wie möglich vor Fans spielen zu können. Das ist besser als Geisterspiele.» Dass nur Kieler Fans in der Arena sein werden, bedauert der Flensburger Geschäftsführer, der diesen vermeintlichen Nachteil aber klaglos akzeptiert.

Sportlich steht der THW mehr unter Druck. Nach drei Partien haben die Kieler schon die erste Pleite kassiert, wobei das 22:31 bei der HSG Wetzlar am Samstag eine herbe Pleite für die erfolgsverwöhnten «Zebras» war. «Das haben wir angesprochen und gründlich analysiert», meinte Szilagyi in der Hoffnung auf Besserung.

Die Flensburger dagegen stehen mit 6:0 Zählern noch makellos da. Dass Kiel zu einer Reaktion fähig ist, wurde schon bewiesen. Nach der 27:35-Heimniederlage in der Champions League gegen den HBC Nantes aus Frankreich bezwangen sie die SG nur wenige Tage später im deutschen Supercup mit 28:24.

Während Flensburg am Donnerstag noch die Königsklassen-Partie bei Vardar Skopje (26:31) bestreiten musste, hatte Kiel spielfrei, da das Match gegen Motor Saporoschje wegen 14 Corona-Fällen bei den Ukrainern abgesagt wurde. Szilagyi: «Einerseits ist es gut, dass wir uns auch angesichts unserer Verletztensituation eine Woche lang in Ruhe auf das Derby vorbereiten können. Andererseits fehlt natürlich der gewohnte Rhythmus. Dazu muss das Spiel ja irgendwann nachgeholt werden, dann wird es uns belasten. Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir Mittwoch gespielt hätten.» Schmäschke hob dagegen die Strapazen des 24-Stunden-Trips in der Königsklasse hervor: «Eine Reise unter diesen Umständen nach Nordmazedonien wünscht man sich auch nicht.»

Personell sind beide Teams schon zu diesem frühen Saisonzeitpunkt arg gebeutelt: Beim THW stehen Torhüter Niklas Landin (Meniskusoperation) sowie Nikola Bilyk (Kreuzbandriss) und Sander Sagosen (Muskelfaserriss) auf der Verletztenliste, wobei beim dänischen Keeper Landin und beim norwegischen Rückraumspieler Sagosen eine kleine Hoffnung auf einen Einsatz besteht. Bei der SG fehlen Johannes Golla (Mittelfußbruch), Jacob Heinl (Innenbandriss) und Lasse Möller (Handverletzung). Aus Skopje kehrten Torhüter Torbjörn Bergerud sowie die Rückraumspieler Göran Sögard Johannessen und Mads Mensah Larsen mit Blessuren zurück.

Doch egal ob Virus, verletzte Asse oder fehlende Fans. Für Schmäschke steht fest: «Derby bleibt Derby.» Und Szilagyi ergänzt: «Eines steht sowieso fest: Unter 100 Prozent Einsatz, Kampf und Leidenschaft geht nichts, wenn man im Derby erfolgreich sein will. Das war schon vor Corona so, und das hat sich auch nicht geändert.»

© dpa-infocom, dpa:201016-99-966170/2

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