1. Internet-Meisterschaften
Schach geht immer: Über 1000 Blitz-Partien an einem Tag

Schach ist nicht matt. Online können die Denkriesen derzeit sogar ihre ersten Internet-Meisterschaften ausspielen. Doch für ein pfiffiges Dutzend stellt sich nun die Frage: Kann das Finale Anfang Mai wie geplant in Magdeburg überhaupt ausgetragen werden?

Montag, 30.03.2020, 11:41 Uhr
Präsident des Deutschen Schachbundes: Ullrich Krause.
Präsident des Deutschen Schachbundes: Ullrich Krause. Foto: Privat

Berlin (dpa) - Sport steht. Schach geht. Meisterschaft läuft. Mit weit über 1000 Blitz-Partien an einem einzigen Tag haben 180 Schachspieler die Zwischenrunde der deutschen Internet-Titelkämpfe absolviert - online am PC und im Eiltempo, jeder musste 13 Mal ran.

Da die Favoriten zum Teil auf die Zwischenstände geschmult und dann taktiert haben, war am Ende überraschend ein Außenseiter vorn: Ilja Schneider aus Hannover. Der 35-Jährige gehört nun zum glücklichen Dutzend, das am 9. Mai im Rahmen des Schachgipfels in Magdeburg den ersten deutschen Internet-Schachmeister ausspielen soll.

Soll. Denn noch steht die Austragung in einem Hotel der Landeshauptstadt Sachsen-Anhalts wegen der Corona-Krise in den Sternen. «Das ist in der Tat gerade eine kritische Situation, die diskutiert wird», sagte Turnierdirektor Frank Jäger der Deutschen Presse-Agentur. Falls das Finale wegen Corona verschoben werden muss, soll Plan B greifen. «Dafür findet sich dann im Online-Schach sicher auch eine andere Lösung», meinte der Leipziger. Ullrich Krause, Präsident des Deutschen Schachbunds, ist sich sicher: «Das kriegen wir hin!»

Auch Schneider ist da völlig entspannt. «Ich sehe das relativ locker: Wenn nicht am 9. Mai, dann findet das Finale eben zu einem anderen Zeitpunkt statt», sagte der deutsche Blitzschach-Meister von 2015 und 2018 der dpa. In der nationalen Langzeit-Rangliste ist Schneider, der beim Deutschen Roten Kreuz in der Flüchtlingshilfe tätig ist («Da haben wir gerade Corona-bedingt mehr Stress als sonst»), nur die Nummer 50. Und überhaupt: «Schach auf dem Brett und am PC sind zwei völlig unterschiedliche Welten - das ist wie Hochsprung und Weitsprung.»

Der Sieg in der Zwischenrunde am vergangenen Samstag und der Sprung ins Finale kamen für Schneider «komplett unerwartet». Aufgrund der besseren Feinwertung konnte er sogar die Nationalspieler und Großmeister Daniel Fridman, Georg Meier und Matthias Blübaum (alle 10,0 Punkte) hinter sich lassen. «Ich würde mich da eher wie Leicester City sehen», meinte Schneider lachend - der Mann vom Verein Lister Turm Hannover spielte damit dezent auf seine Außenseiterrolle an. «Die anderen sind jünger, schneller, besser.»

Sei's drum: Immerhin war «sein» Chef sogar schon in der Vorrunde ausgeschieden. Krause ist wohl der einzige Präsident eines deutschen Sportverbands, der in seiner Amtszeit jemals an einer nationalen Meisterschaft teilgenommen hat.

«Internet-Meisterschaften in Corona-Zeiten - das ist das Beste, was passieren konnte», meinte Schneider, «danach sehnen sich die Leute.» Er sei sicher, «dass Online-Schach jetzt einen großen Sprung nach vorne macht».

Eine Partie am Computer dauert zwischen 12 und 15 Minuten, das von Ex-Weltmeister Bobby Fischer (USA) eingeführte Blitz-Format gestattet jedem Spieler nur drei Minuten Bedenkzeit - plus zwei Sekunden pro Zug. Zum Finale müssen die zwölf Protagonisten aber nach Magdeburg kommen: Um Schummeleien auszuschließen, spielen sie in einem Raum an zwölf PCs. Ganz sicher ist heute schon: Der erste Internet-Meister des DSB wird wieder viele Blitz-Ideen haben müssen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7348936?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686210%2F2686268%2F
Nachrichten-Ticker