Triathlon-Bundestrainer
DTU-Coach Al-Sultan: «Nicht wegen Corona rausgeschmissen»

Faris Al-Sultan spricht gerne Klartext. Das hat er früher getan, das macht er heute. In der Corona-Krise positioniert er sich. Der Verband distanziert sich von dessen privater Meinung. Das vorzeitige Ende als Triathlon-Bundestrainer hat damit nichts zu tun, betonen alle.

Montag, 18.05.2020, 15:07 Uhr aktualisiert: 18.05.2020, 15:10 Uhr
Ist nicht mehr Triathlon-Bundestrainer: Ex-Iroman-Sieger Faris Al-Sultan.
Ist nicht mehr Triathlon-Bundestrainer: Ex-Iroman-Sieger Faris Al-Sultan. Foto: Gert Eggenberger

Frankfurt/Main (dpa) - Der Zeitpunkt ließ manche erstmal aufhorchen, die teils deftige Dauerkritik an den Maßnahmen und den Verhaltensregeln in der Corona-Krise hat Faris Al-Sultan aber nicht den Job gekostet.

«Die DTU entlässt niemanden, weil er seine freie Meinung äußert», sagte Al-Sultan der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist korrekt, dass ich nicht wegen Corona rausgeschmissen wurde.» Die Abläufe bestätigen das.

Am Montag gab die Deutsche Triathlon-Union bekannt, dass der Vertrag mit dem 42 Jahre alten ehemaligen Ironman-Weltmeister zum 30. September aufgelöst wird - als Bundestrainer. Mitten in der weiteren Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Tokio nach deren Verschiebung auf 2021. Und nicht einmal zwei Jahre, nachdem die DTU den Münchner als neuen Coach vorgestellt hatte.

Dazwischen liegen durchaus sportliche Erfolge: Im Sommer vergangenen Jahres holte die Mixed-Staffel WM-Silber in Hamburg. Damit war frühzeitig auch die Qualifikation für Olympia geschafft. «Noch vor anderthalb Jahren sah es nicht danach aus, dass wir die Qualifikation bereits so früh erreichen könnten», sagte damals DTU-Sportdirektor Jörg Bügner. In den Gesprächen nach der Verlegung der Spiele hätten beide Seiten aber festgestellt, «dass unsere Vorstellungen über die weitere Zusammenarbeit sehr unterschiedlich sind», erklärte Bügner in der Verbandsmitteilung über die Trennung.

Den entscheidenden Schritt machte allerdings nicht der Verband, sondern Al-Sultan. Er habe Bügner am 26. März informiert, dass er für eine neue Saison nicht mehr zur Verfügung stehe, bestätigte der Ex-Profi. «Dass es jetzt rauskommt, ist ein bisschen unglücklich.»

Denn in den vergangenen Wochen hatte der schon immer für klare Statements bekannt Bayer vor allem mit Tweets und auch einem Leserbrief, den er danach auf seiner Homepage veröffentlichte, Aufmerksamkeit erregt. Er kritisiert dabei unter anderem immer wieder auch das Vorgehen der deutschen Regierung und stellt Maßnahmen mal mehr, mal weniger deutlich infrage.

Die DTU hatte sich von den Äußerungen Al-Sultans, «die dieser auf seinem privaten Twitter-Account getätigt hat», bereits Mitte April distanziert. In einem Gespräch mit ihm habe man versucht, den Standpunkt der DTU in dieser Sache zu vermitteln und ihn für seine Rolle in der Öffentlichkeit zu sensibilisieren und die Verantwortung, die diese mit sich bringe, hatte es von der DTU geheißen.

Der Verband bestätigte erneut, dass die Trennung nichts mit den Äußerungen zu tun habe. Es sei keineswegs so, als sei alles furchtbar gewesen oder als wäre er gemobbt worden, erklärte Al-Sultan, der auch ansonsten in keiner Weise gegen den Verband nachtrat oder dergleichen.

Sorgen um seine Zukunft macht er sich nicht, nachdem die Zusammenarbeit mit Patrick Lange nach der WM auf Hawaii im vergangenen Jahr zu Ende gegangen war. Lange hatte dort gesundheitlich angeschlagen aufgegeben. Zuvor hatten beide 2017 und 2018 Langes Triumphe auf Big Island gefeiert. «Ich verabschiede mich in die Rente, es ist auch nicht das erste Mal», sagte Al-Sultan nun: «Ich bin 42, ich werde sicher irgendwelche anderen Aufgaben finden.»

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