Finale Eastern Conference
Unbekannte Stammkraft: Theis mit Titelchancen in der NBA

Shaquille O'Neal war begeistert von diesem Profi der Celtics mit dem starken Defensivverhalten und den vielen Tattoos auf den Armen - den Namen Daniel Theis kannte der Ex-Superstar aber nicht. Dabei ist Theis mit Boston ein Titelkandidat - auch wenn Spiel 1 verloren ging.

Mittwoch, 16.09.2020, 08:22 Uhr aktualisiert: 16.09.2020, 08:24 Uhr
Daniel Theis von den Boston Celtics (l) und Derrick Jones Jr. von den Miami Heat kämpfen um den Ball.
Daniel Theis von den Boston Celtics (l) und Derrick Jones Jr. von den Miami Heat kämpfen um den Ball. Foto: Mark J. Terrill

Orlando (dpa) - Daniel Theis macht sich gerade einen Namen in der stärksten Basketball-Liga der Welt - auch wenn er den Boston Celtics bei der Auftaktniederlage im Finale der Eastern Conference am Ende fehlte.

Nach eineinhalb Minuten in der Verlängerung musste Theis bei der 114:117-Niederlage gegen die Miami Heat wegen zu vieler Fouls vom Feld. Der vor allem für die Abwehrarbeit der Celtics wichtige Profi sah von der Bank aus, wie sein Gegenspieler Bam Adebayo einen scheinbar sicheren Dunk von Celtics-Profi Jayson Tatum Sekunden vor dem Ende blockte.

Theis gelangen gegen Miami in 35 Minuten vier Punkte, vier Rebounds und drei Assists - nun geht es mit Spiel zwei in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (01.00 MESZ) weiter.

Ex-Superstar Shaquille O'Neal kannte den deutschen Nationalspieler vor kurzem zwar noch nicht und selbst mit seinem Landsmann Dirk Nowitzki hatte Theis noch kein längeres Gespräch. Aber als Spieler mit der besten Defensiv-Bewertung aller NBA-Profis in den Playoffs und als Stammkraft einer Mannschaft in den Finals der Eastern Conference wächst die Aufmerksamkeit für den Center zwangsläufig. «Wir wollen alles gewinnen. Das ist immer noch unser Ziel», sagte der 28-Jährige in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

«Ich spiele für mich und mein Team und nicht für andere Leute. Er wird es aber vielleicht irgendwann merken, wenn wir weiter so spielen. Hoffentlich erinnert er sich nach der Saison und denkt: Hätte ich den Namen mal gewusst», sagte Theis über den Moment, als O'Neal ihn in seiner Funktion als TV-Experte für den Sender TNT nach Spiel fünf gegen Titelverteidiger Toronto Raptors zwar begeistert lobte, aber eben auch nicht kannte.

Dabei ist Theis in seiner dritten NBA-Saison seit dem Abschied von Brose Bamberg und vorausgehenden Stationen in Ulm und Braunschweig inzwischen ein elementar wichtiger Teil der Celtics. Je hundert Minuten Spielzeit mit ihm auf dem Feld kassiert das Team aus Boston in den Playoffs im Schnitt 100,1 Punkte gegen sich - kein anderer Profi ist besser, auf Rang zwei und drei folgen seine Teamkollegen Jaylen Brown (100,8) und Jayson Tatum (100,9) vor Superstar LeBron James von den Los Angeles Lakers auf Rang vier (101,3).

Die Entwicklung Theis' ist bemerkenswert und kam auch für die Celtics offenkundig in dieser Form unerwartet. Ursprünglich als Ersatzmann verpflichtet, unterschrieb er vor einem Jahr nach der ersten Saison einen neuen Zweijahresvertrag und bekommt für diese und die kommende Spielzeit fünf Millionen Dollar Jahresgehalt - verglichen mit anderen Startspielern und gemessen an seinem Wert für die Mannschaft ist Theis damit ein absolutes Schnäppchen in der Liga.

«Ich bin extrem glücklich und freue mich, dass der Coaching-Staff aber auch alle, mit denen ich auf dem Feld stehe, meine Arbeit auf dem Feld zu schätzen wissen. Da ist Wertschätzung für mich», sagte er. Theis spielt nicht nur meistens von Beginn an, Trainer Brad Stevens hat den gebürtigen Niedersachsen auch in den entscheidenden Minuten enger Partien am liebsten auf dem Feld und schont ihn deswegen zwischendurch, wenn er zu viele Fouls gesammelt hat.

Der Gewinner der Conference Finals im Osten trifft auf das beste Team des Westens und spielt um die Meisterschaft. Theis hat also als erster Deutscher seit Dirk Nowitzki beim Sieg mit den Mavericks 2011 realistische Chancen auf den NBA-Titel.

Den besten deutschen Basketballer der Geschichte kennt Theis dabei nur als Gegner. «Wir haben uns nie in der Nationalmannschaft getroffen und auch als wir gegen Dallas gespielt haben, hat man sich Hallo gesagt, aber leider nie wirklich kennengelernt», berichtete er davon, die Mavericks-Legende «leider nicht wirklich persönlich» zu kennen. «Ich weiß, vielleicht bin ich der nächste Deutsche, der in der NBA die Meisterschaft holt, vielleicht gibt das eine Verbindung dann.» Auch der ehemalige Lakers-Star O'Neal sollte spätestens dann mit dem Namen Daniel Theis etwas anfangen können.

Die Los Angeles Clippers haben nach der unerwartet deutlichen Niederlage gegen die Denver Nuggets dagegen keine Chance mehr auf den Titel und sind ausgeschieden. Das Team um Kawhi Leonard unterlag in Spiel sieben 89:104, verlor in der Serie damit trotz einer zwischenzeitliche 3:1-Führung noch 3:4 und muss weiter auf die erste Teilnahme in den Finals der Western Conference warten. Dort spielen nun die Nuggets gegen die Los Angeles Lakers um LeBron James um den Einzug in die Finalserie gegen entweder die Celtics oder die Heat.

Die Mannschaft aus Denver lag bereits in der Runde zuvor gegen die Utah Jazz 1:3 in Rückstand und ist nun das erste Team in der Geschichte der NBA, das in den gleichen Playoffs zweimal einen solchen Rückstand noch drehen konnte. Überragender Spieler war erneut Jamal Murray mit 40 Punkten.

© dpa-infocom, dpa:200916-99-579630/4

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