European League of Football
Football in Deutschland: Neue Liga und Kritik aus der NFL

Der Super Bowl findet dieses Jahr ohne deutsche Beteiligung statt. Die Football-Begeisterung kann das aber nicht bremsen. Wie ist aber die Lage des US-Sports in Deutschland? Eine Bestandsaufnahme zwischen Neuanfang und kritischen Worten.

Freitag, 05.02.2021, 04:00 Uhr aktualisiert: 05.02.2021, 04:02 Uhr
Commissioner einer neuen heimischen Football-Liga und TV-Experte: Patrick Esume.
Commissioner einer neuen heimischen Football-Liga und TV-Experte: Patrick Esume. Foto: Georg Wendt

Berlin (dpa) - Auch in der Corona-Saison hat die NFL wieder mehr deutsche Football-Fans als im Vorjahr vor die Bildschirme gezogen.

Wenn es in der Nacht zum 8. Februar beim Super Bowl zum Superstar-Duell von Tom Brady mit den Tampa Bay Buccaneers und Patrick Mahomes von Meister Kansas City Chiefs kommt, wird ein Millionenpublikum dabei sein. Aber hält die Entwicklung des US-Sports in Deutschland mit dem großen Interesse an der US-Liga mit? Ein Hamburger will ein neues europaweites Projekt an den Start bringen - und ein NFL-Profi übt deutliche Kritik an den bestehenden Strukturen.

EUROPA: Bis 2007 hatte die National Football League noch ihren eigenen Ableger. Zu Spielen von NFL-Europe-Teams wie Frankfurt Galaxy mit vornehmlich US-Profis kamen mehr als 30.000 Zuschauer. Nun soll es eine neue, unabhängige europäische Liga geben - als «total anderes Konstrukt», wie Commissioner Patrick Esume erklärt. «Die European League of Football ist eine heimische Liga, die mit europäischen Spielern spielt und ein paar Amerikaner hat, das Verhältnis ist komplett umgedreht.»

Beim geplanten Saisonstart im Sommer dieses Jahres sollen acht Teams dabei sein, sechs aus Deutschland, dazu jeweils eine Franchise aus Breslau und Barcelona. Perspektivisch strebt die EFL fünfstellige Zuschauerzahlen an. «Das mittelfristige Ziel ist, mit mehr als 20 Teams in mehr als zehn Ländern europaweit stattzufinden», sagt Esume, der zugleich TV-Experte bei «ran Football» ist. Die Idee für eine europaweite Liga hatte der frühere französische Nationaltrainer bereits vor drei Jahren. «Das Interesse beschränkte sich bislang auf die NFL, und dann kam College Football dazu. Ich habe mich gefragt: Warum in aller Welt kann der Sport bei uns nicht auf einer ähnlichen Bühne stattfinden?»

DEUTSCHLAND: Welche Auswirkungen die EFL auf die bislang größte deutsche Liga hat, die German Football League, wollen deren Organisatoren noch nicht bewerten. «Wir haben in Deutschland nur einen bestimmten Spielerpool, da muss man halt gucken, inwieweit die GFL dadurch betroffen ist», sagt Tom Aust, Direktor Kommunikation beim American Football Verband Deutschland. In der GFL fiel die komplette vergangene Saison wegen des Coronavirus aus. Im Juni soll es nun wieder losgehen. Auf die Mitgliederzahl, die zuletzt auf mehr als 70.000 gestiegen war, hatte die Pandemie nach Angaben des Verbands noch keinen großen Einfluss.

Für die Stuttgart Scorpions spielte Jakob Johnson selbst noch 2018 in der GFL. Inzwischen hat der 26-Jährige den Sprung zum sechsmaligen Champion New England Patriots in die NFL geschafft. Den Zustand seines Sports in Deutschland kritisiert er deutlich. «Ich denke, du hast hier die Vereine, du hast hier die Fans, du hast genügend Leute, die für Football gerne gutes Geld ausgeben. Aber bis jetzt wurden da einfach zu viele Chancen verschlafen», sagt der Fullback.

Aus seiner Sicht hapert es an der Nachwuchsförderung. So habe er zu seiner Zeit fast nicht an den Camps für die Jugendnationalmannschaft teilnehmen können, weil er nicht genug Geld hatte. «Wer auch immer es sein mag, der es zuerst hinkriegt, dass es Möglichkeiten gibt für deutsche Talente, mit Football einen guten Lebensunterhalt in Deutschland zu bestreiten, dass es Perspektiven und Möglichkeiten gibt, gesehen zu werden, der hat meine Unterstützung», sagt Johnson.

USA: Neben Johnson haben auch Equanimeous St. Brown (Green Bay Packers) und Mark Nzeocha (San Francisco 49ers) regelmäßige Einsätze in der NFL. Vielversprechende Talente gibt es einige, die es in die größte Liga der Welt schaffen wollen. «Ich glaube in den nächsten drei, vier, fünf Jahren kommen da so viele aus den Colleges hervor, dass ich hoffe, dass der ein oder andere Deutsche dabei sein wird und die Zahl weiter nach oben geht», sagt Experte Esume.

Einen deutschen Quarterback gab es allerdings bislang noch nie in der NFL. Chancen werden Alexander Honig zugerechnet, der zuletzt bei den renommierten TCU Horned Frogs in Texas einen College-Vertrag unterschrieben hat. «Dass er das physische Talent hat, darüber müssen wir nicht reden», sagt Esume. «Die Frage ist, was er daraus macht, wie er sich weiter entwickelt. Manchmal muss man auch Glück haben. Ich hoffe, dass er Starter wird, Spielzeit bekommt und vielleicht irgendwann auch mal sonntags in der NFL den Ball wirft.»

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