FIFA-Council
«Nicht glaubwürdig»: Platini-Attacke gegen Infantino

Mit einer wohl platzierten Generalabrechnung greift Ex-UEFA-Chef Michel Platini seinen ehemals engsten Mitarbeiter Gianni Infantino an. Eine bestimmte Kritik kommt für den FIFA-Präsidenten vor der erwarteten Wiederwahl in Paris dabei zur Unzeit.

Montag, 03.06.2019, 16:40 Uhr aktualisiert: 03.06.2019, 16:42 Uhr
An der Wiederwahl des 49 Jahre alten Schweizers Gianni Infantino gibt kaum Zweifel.
An der Wiederwahl des 49 Jahre alten Schweizers Gianni Infantino gibt kaum Zweifel. Foto: Luisa González

Paris (dpa) - Kurz bevor Gianni Infantino die Sitzung der Mächtigen des Weltfußballs im herrschaftlichen Pariser Hôtel Salomon de Rothschild eröffnete, erhielt der FIFA-Präsident die Nachricht über die verbale Attacke seines ehemals engsten Weggefährten.

Mit scharfen Worten griff der ehemalige UEFA-Präsident Michel Platini seinen früheren Generalsekretär an und sprach ihm vor dessen erwarteter Wiederwahl in einer Generalabrechnung die Fähigkeit für das Amt als Weltverbandschef ab.

«Für mich ist er nicht glaubwürdig als FIFA-Präsident, und er hat auch nicht die Legitimität, um den Fußball zu repräsentieren», zürnte der derzeit gesperrte Platini in Paris in einer zweistündigen Gesprächsrunde mit europäischen Zeitungen. «Nur weil du Kugeln (bei Auslosungen) gezogen hast, kannst du nicht die FIFA repräsentieren.»

In dieser Rolle als Zeremonienmeister bei Losziehungen für Europameisterschaften und die Champions sowie Europe League wurde Infantino dereinst der Fußball-Öffentlichkeit bekannt. Und für viel mehr als Auftritte in der zweiten Reihe hätte es aus Sicht von Platini für den Italo-Schweizer in dessen Funktionärskarriere nicht reichen sollen.

In seiner früheren UEFA-Funktion sei Infantino ein guter Jurist gewesen, spöttelte der 63 Jahre alte Franzose. «Aber wie kann jemand, der zehn Jahre lang ständig über die FIFA abgekotzt hat, sich selbst als FIFA-Präsident wiederfinden? Ich war überrascht, dass er als Präsident kandidiert», sagte Platini. Zudem glaube Infantino nicht an den Frauenfußball und lache darüber. Eine Schelte zur Unzeit - kurz vor Beginn der Frauen-WM am 7. Juni in der Pariser Hauptstadt.

Dies ließ Infantino über Vertrauensleute vor Beginn der Sitzung des FIFA-Councils am Montag als lachhaft abtun. Auch wird der Frontalangriff dem 49-Jährigen nicht die erneute Kür zum FIFA-Chef beim Kongress aller Mitgliedsverbände im Messegelände Porte de Versailles am Mittwoch kosten - dafür fehlt alleine schon ein Gegenkandidat. Doch zumindest wird sich Infantino, der sich am Montag nicht selbst äußern wollte, spätestens nach seiner Wahl mit der Kritik Platinis öffentlich auseinandersetzen müssen.

Aus dem früheren Weltklassespieler spricht auch gekränkte Eitelkeit. Wäre es 2015 nicht zur Sperre wegen einer Zahlung von zwei Millionen Schweizer Franken durch den Ex-Weltverbandschef Joseph Blatter gekommen, hätte voraussichtlich Platini selbst und nicht seine frühere rechte Hand den wichtigsten Funktionärsposten im Weltfußball übernommen. Platinis Sperre wurde später auf vier Jahre reduziert und läuft im Oktober ab. Auch hier sieht sich der Franzose als Opfer Infantinos: «Er hätte meine Suspendierung aufheben können», klagte Platini.

So begann die Kongresswahl für Infantino mit reichlich Misstönen. Und auch aus dem Lager des ebenfalls noch gesperrten Blatter wurde noch eine Wortmeldung erwartet. Die Rache der alten Männer des Weltfußballs dürfte erst begonnen haben.

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