Wahl des US-Präsidenten
Politisierte US-Sportler gratulieren Biden und Harris

Der US-Sport ist in den letzten Jahren politisch geworden wie selten zuvor. Aktive protestierten gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit. Nun reagieren viele erleichtert auf den Ausgang der US-Wahl.

Sonntag, 08.11.2020, 11:10 Uhr aktualisiert: 08.11.2020, 11:12 Uhr
Gratulierte Joe Biden zum Wahlsieg: Basketball-Star LeBron James.
Gratulierte Joe Biden zum Wahlsieg: Basketball-Star LeBron James. Foto: Kevin C. Cox

Berlin (dpa) - US-Sportler haben überwiegend positiv auf die Wahl von Joe Biden zum neuen Präsidenten der USA reagiert. In den sozialen Medien würdigten sie zudem vor allem die designierte Vizepräsidentin Kamala Harris, die erste Frau und Schwarze in diesem Amt.

Basketball-Superstar LeBron James von Meister Los Angeles Lakers postete eine Fotomontage: Auf dem Bild ist er noch im Trikot der Cleveland Cavaliers bei einem berühmten Block gegen Andre Iguodala im entscheidenden Spiel der Finalserie 2016 gegen die Golden State Warriors zu sehen. Anstelle seines Kopfes ist der des neu gewählten US-Präsidenten Joe Biden zu sehen, anstelle von Iguodalas Kopf der des abgewählten Donald Trump.

Viele weitere US-Sportler teilten dieses Bild: Denn James' Fotomontage gilt als Symbolbild - die Wahl Bidens zum neuen Präsidenten der USA ist für sie eine ähnliche Erlösung wie es für James und die Stadt Cleveland die erste Meisterschaft in einer der großen US-Sportligen nach 52 Jahren war.

Der 35-jährige James steht dabei stellvertretend für die zunehmende Politisierung des US-Sports. James hatte mit seiner Initiative «More than a vote» (Mehr als eine Stimme) vor allen Afroamerikaner aufgefordert zu wählen. Überhaupt setzten sich aktive und ehemalige Sportler im Vorfeld für eine hohe Beteiligung bei der aufgeheizten Wahl zwischen Amtsinhaber Trump und seinem Herausforderer Biden ein.

Während Trump öffentlich von einigen Golf-Stars wie Jack Nicklaus oder Football-Legende Brett Favre unterstützt wurde und als Favorit der meisten Teambesitzer galt, hatte Biden vor allen die Aktiven der von Afroamerikanern geprägten Basketball-Ligen NBA und WNBA sowie der Football-Liga NFL hinter sich.

Die protestierten in der abgelaufenen Saison immer wieder gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit, gedachten der bei Polizeieinsätzen ums Leben gekommenen Afroamerikaner George Floyd und Breonna Taylor mit zahlreichen Botschaften und Schweigeminuten. Ende August lösten die Milwaukee Bucks einen kurzzeitigen Boykott in den großen Sportligen aus, nachdem der Afroamerikaner Jacob Blake von Polizisten erschossen worden war.

Nun stellten viele Clubs ihre Hallen rund um die Wahl zur Verfügung, als Wahllokal oder anderweitig. Hauptsache, Menschen konnten ihre Stimmen abgeben. Dass vor allem die Stimmen der schwarzen Bevölkerung Biden zum Wahlsieg verhalfen, hob Weltfußballerin Megan Rapinoe hervor, die schrieb: «Thank you Black Women» (Danke, schwarze Frauen). Rapinoe stellte auch die designierte Vizepräsidentin Kamala Harris in den Mittelpunkt, die erste Frau und Schwarze in diesem Amt. «Ich kann nicht unterschätzen, wie historisch und unglaublich das für @KamalaHarris ist und für schwarze Frauen und südasiatische Frauen und für Amerika. Lasst uns niemals zurückblicken», schrieb die 35-jährige Olympiasiegerin und Weltmeisterin. Kamala Harris ist die Tochter eines Jamaikaners und einer Inderin.

Auch Tennis-Legende Martina Navratilova oder Schwimm-Olympiasiegerin Katie Ledecky würdigten Harris. Ledecky verband mit der Wahl auch Wünsche für die Zukunft. «Herzlichen Glückwunsch an den gewählten Präsidenten @JoeBiden und die gewählte Vizepräsidentin @KamalaHarris. Lasst uns als ein Team USA vorankommen und gemeinsam wunderbare Dinge erreichen, einander respektieren und gesund sein.»

Noch nicht zu Wort gemeldet hat sich Colin Kaepernick. Der ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers gilt als Ikone des modernen politischen US-Sports. Der mittlerweile 33-Jährige protestierte bereits vor vier Jahren gegen Rassismus und Polizeigewalt, indem er bei Spielen nicht zur Nationalhymne aufstand, sondern kniete. Danach fand Kaepernick bis heute keinen Job mehr in der NFL. Im Sommer, auf dem Höhepunkt der landesweiten «Black Lives Matter»-Proteste gab sogar NFL-Chef Roger Goodell zu: «Ich wünschte, wir hätten früher auf ihn gehört.»

© dpa-infocom, dpa:201108-99-254931/3

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