Herren-DTB-Chef
Boris Becker: Fachkundiger TV-Analyst und Ratgeber

Trainer von Alexander Zverev will Boris Becker nicht werden. Seine Rolle im deutschen Tennis hat der 52-Jährige trotzdem gefunden.

Dienstag, 28.01.2020, 11:42 Uhr aktualisiert: 28.01.2020, 11:45 Uhr
Bei den Australian Open vor allem als TV-Experte im Einsatz: Boris Becker (l).
Bei den Australian Open vor allem als TV-Experte im Einsatz: Boris Becker (l). Foto: Frank Molter

Melbourne (dpa) - Abseits der Mikrofone reden Boris Becker und Alexander Zverev in Melbourne nicht viel miteinander.

Es ist nicht so, dass Becker als bislang letzter deutscher Australian-Open-Sieger den 22-Jährigen ständig in der Umkleidekabine aufsucht und ihn mit Tipps überhäuft. Zwar ist Becker auch als Herren-Chef des Deutschen Tennis Bundes beim Grand-Slam-Turnier Down Under und damit als Ratgeber für die deutschen Tennisprofis. Auch wegen der Vorgeschichte beim ATP Cup aber ist der Austausch zwischen Becker und Zverev vor dessen Viertelfinale gegen den Schweizer Stan Wawrinka am Mittwoch (nicht vor 04.30 Uhr MEZ/Eurosport) offenbar gering.

Er sehe ihn meistens nur bei den Interviews mit Eurosport, erzählte Zverev. «Wir haben nicht riesen-viel Kontakt gehabt nach dem ATP Cup. Ich denke, er ist ein bisschen immer noch enttäuscht von mir.»

Aus der Kommentatoren-Rolle verfolgt Becker die Wandlung des jungen Hamburgers weg vom Totalausfall, der er noch vor drei Wochen bei der Premiere des Nationen-Wettbewerbs gewesen ist. In Brisbane hatte die Tennis-Ikone in der Verantwortung für das deutsche Team neben ihm auf dem Platz gesessen, als Zverev verunsichert und spielerisch desaströs aus der kurzen Pause auf die Tour zurückkehrte. Dass Becker beim ATP Cup die Rolle des Teamkapitäns übernimmt, war Zverevs Wunsch.

«Er ist irgendwo in einem dunklen Zimmer gefangen und sucht den Lichtschalter», hatte der Melbourne-Sieger von 1991 und 1996 in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» nach dem Turnier Zverev kritisiert. «Er muss es erkennen, dass er auf der falschen Straße ist.» In der Rolle bei Eurosport stimmte Becker schnell mildere Töne an.

Auch in Melbourne bekräftigte Becker noch einmal, nicht neuer Trainer von Zverev werden zu wollen. Zwar hatte er in den drei Jahren an der Seite des Topspielers Novak Djokovic bewiesen, dass er als Coach im modernen Tennis mitreden kann. Doch inzwischen füllt er lieber seine Rolle bei Eurosport, der BBC und im Deutschen Tennis Bund (DTB) aus.

Mit Tamtam war Becker 2017 als Head of Men's Tennis vorgestellt worden. Es sei ihm «eine Herzensangelegenheit», dem deutschen Tennis zu helfen, betonte Becker. Die Sympathiewerte des Wahl-Londoners, der auch mit seiner finanziellen Situation in die Schlagzeilen geraten war, stiegen in der öffentlichen Wahrnehmung wieder an. Ehrenamtlich nimmt er den Posten wahr, Reisekosten werden erstattet.

Als Herren-Chef und Pendant zu Barbara Rittner bei den Damen arbeitet Becker mit dem Nachwuchs, aber eben in erster Linie auch als Berater der deutschen Profis. In dieser Rolle soll auch er dafür sorgen, dass Zverev, den er schon seit dessen frühester Kindheit kennt, das Versprechen auf erneut glanzvolle Zeiten im deutschen Herren-Tennis erfüllt. Beim Davis-Cup-Team steht er Teamkapitän Michael Kohlmann zur Seite, schlägt dort an guten Tagen, an denen es sein malader Körper zulässt, aus dem Stand auch mal ein paar Bälle.

So ist er - im Gegensatz zu seiner früheren Weggefährtin Steffi Graf, die sich in Las Vegas zurückgezogen hat - als Herrenchef im DTB und als TV-Experte omnipräsent. Im Melbourne Park richten sich die Blicke auch auf ihn, wenn er beim Essen mit dem schwedischen Altmeister Mats Wilander sitzt. Gewohnt fachkundig analysiert Becker Zverevs Aufschlag-Quote, interviewt seinen früheren Rivalen Thomas Muster, redet über «böses Blut» zwischen Rafael Nadal und Nick Kyrgios.

Und er beweist Humor. Als es darum ging, dass Zverev für jeden Sieg 10.000 australische Dollar für die Betroffenen der Buschbrände spendet und sagte, er lege nicht viel Wert auf Geld, entgegnete Becker: «Da haben wir was gemeinsam.»

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