Europa League
Bitterer K.o. für Borussia Dortmund - 3:4 gegen FC Liverpool

Liverpool -

Welch ein denkwürdiges Spiel an der Anfield Road! Lange Zeit sieht der BVB wie der sichere Sieger aus, ehe Liverpool mit einer Aufholjagd noch zurückkommt. Klopp feiert seinen größten Sieg mit Liverpool.

Freitag, 15.04.2016, 00:00 Uhr aktualisiert: 15.04.2016, 07:22 Uhr
Europa League : Bitterer K.o. für Borussia Dortmund - 3:4 gegen FC Liverpool
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Jürgen Klopp klatschte seine Helden von der Anfield Road ab, die Liverpooler Fans sangen inbrünstig die Kult-Hymne «You'll never walk alone». Die Spieler von Borussia Dortmund standen dagegen frustriert auf dem Rasen und konnten es kaum fassen.

In einer denkwürdigen Nacht ist der BVB vom FC  Liverpool und Ex-Trainer Klopp aus allen Träumen gerissen worden. Trotz einer 2:0- und 3:1-Führung kassierte die Elf von Trainer Thomas Tuchel noch eine 3:4 (2:0)-Niederlage bei den Reds und verpasste damit das Halbfinale der Europa League . Klopp darf dagegen weiter auf seinen ersten Titelgewinn mit dem englischen Traditionsverein in seiner Premieren-Saison hoffen.

Europa League - Viertelfinal-Rückspiel: FC Liverpool - Borussia Dortmund

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  • Trotz 2:0- und 3:1-Führung verspielte der BVB beim FC Liverpool den Einzug in das Europa-League-Halbfinale und unterlag dem Team des Ex-BVB-Trainer Jürgen Klopp mit 3:4.

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  • Der FC Liverpool wahrte mit dem Einzug in das Halbfinale die Chance auf den Titelgewinn und damit auf die aus finanziellen Gründen immens wichtige Qualifikation für die Champions League.

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  • Für BVB-Kapitän Mats Hummels war das Aus in der Europa League ein „herber Rückschlag“.

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  • Die Liverpooler Profis erwiesen sich als "Mentalitätsmonster" - sie drehten mit unbändigem Einsatz die Partie.

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  • „Es war eine wundervolle Nacht“, schwärmte Klopp, der nach dem Spiel seine Ex-Spieler tröstete, „so etwas passiert selten. Aber wenn es passiert, vergisst du es nie.“

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  • Nur vier Tage nach der beim 2:2 im Revierderby auf Schalke wohl endgültig verspielten Meisterschaft musste der BVB den zweiten Titel abschreiben.

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  • Jürgen Klopp ist für seinen Nachfolger Thomas Tuchel fast schon ein Angstgegner. Zwölfmal trafen die beiden Fußball-Lehrer bisher aufeinander. Nur einmal konnte sich Tuchel über einen Sieg freuen.

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  • Die Spieler des FC Liverpool bescherten ihrem neuen Trainer Jürgen Klopp den größten Triumph seit seinem Start an der Merseyside im Oktober.

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  • In den englischen Medien wurde Liverpools Coach Jürgen Klopp gefeiert: „Der Tag, an dem Jürgen Klopp seine Reise von Gelb zu Rot beendete“, schrieb das englische Boulevardblatt „Sun“.

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  • Im Folgenden weitere Impressionen vom Viertelfinal-Rückspiel:

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  • Europa League-Rückspiel: FC Liverpool - Borussia Dortmund Foto: dpa
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  • Europa League-Rückspiel: FC Liverpool - Borussia Dortmund Foto: dpa

«Das war große Leidenschaft gegen einen bärenstarken Gegner», sagte Klopp und lobte seine Mannschaft: «Wir haben das von Anfang an ganz gut gemacht - am Ende hatten wir das bessere Ende für uns.» In der Halbzeitpause hat er seinen Jungs ein paar Spielszenen gezeigt und das Team angespornt: «Wir wollen und müssen Charakter zeigen!»

Klopps Dortmunder Nachfolger Thomas Tuchel war dagegen restlos enttäuscht. «Wir sind sehr leer. Es fühlt sich an, so wie es ist. Wir standen vor einem großen Ziel, vor einem Meilenstein. Wir haben es aber nicht geschafft. Wir müssen fair zugeben, dass wir nach dem 3:1 nicht mehr damit klargekommen sind, wie Liverpool mit großem Risiko gespielt hat», sagte Tuchel und Nationalspieler Marco Reus haderte: «Das ist extrem bitter und schwer in Worte zu fassen. Wir haben gut angefangen und zwei Tore vorgelegt. Wir dürfen hier keine vier Tore in der zweiten Halbzeit kassieren. Wir müssen uns selbst hinterfragen, wie man so ein Spiel noch aus der Hand geben kann.»

Der deutsche Nationalspieler Emre Can war dagegen auf Liverpooler völlig aufgelöst. «So einen Abend erlebt man nicht oft. Ich bin einfach nur stolz, Teil dieser Mannschaft zu sein. Fans, Trainer, Spieler - jeder von uns hat noch daran geglaubt.»

Jürgen Klopps Rückkehr nach Dortmund

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  • Pressekonferenz im Signal Iduna Park in Dortmund: Dieses Mal als Gästetrainer auf dem Podium: Jürgen Klopp (r.)

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  • Der Rummel um Jürgen Klopp erreicht neue Dimensionen. Vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League gegen Liverpool dreht sich fast alles um die Rückkehr des ehemaligen BVB-Trainers nach Dortmund.

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  • Liverpools Trainer Jürgen Klopp (2.v.r.) leitet am 6. April 2016 im Signal Iduna Park in Dortmund das Training seiner Mannschaft.

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  • Der Rummel um den einstigen BVB-Coach, der seit Oktober 2015 sein Glück beim englischen Traditionsclub versucht, drängt selbst in Dortmund das nur drei Tage später anstehende prestigeträchtige Revierderby auf Schalke vollends in den Hintergrund.

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  • Liverpools Trainer Jürgen Klopp wird am 6. April 2016 im Signal Iduna Park in Dortmund von Fans empfangen.

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  • Jürgen Klopp hält große Stücke auf die Arbeit seines Dortmunder Nachfolgers Thomas Tuchel. „Die Mannschaft hat eine coole Entwicklung genommen. Sie kann sogar noch die Meisterschaft, den DFB-Pokal und die Europa League gewinnen. Aber dabei wollen wir auch ein Wörtchen mitreden“, sagte der einstige BVB-Trainer vor dem Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League am Donnerstag im Signal Iduna Park.

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  • Keine Überraschung: Groß war das Medieninteresse an der Pressekonferenz mit Dortmunds ehemaligem Coach.

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  • Wie groß die Wertschätzung für ihn in der Revierstadt noch immer ist, bekam Jürgen Klopp schon auf der Pressekonferenz zu spüren, als ihm ein Präsentkorb mit kleinen Aufmerksamkeiten angeboten wurde.

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  • „Er hat uns ja einen Verhaltenskodex mitgegeben. Es wäre schön, wenn alle, die ich nicht begrüßen darf, ein Schild um den Hals tragen“ - Jürgen Klopps Reaktion auf die Aufforderung von BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke an die Dortmunder Fans, sich nicht vom einstigen Borussen-Coach einlullen zu lassen.

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  • Auf die vielen Fragen nach seinem Gefühlsleben antwortete Jürgen Klopp in gewohnt lockerer Manier: „Ich bin an einem Ort, an dem ich eine wunderschöne Zeit hatte. Besser hier als in Nordkorea. Aber bei einem Tor von Borussia Dortmund werde ich sicher nicht jubeln.“

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  • Schon auf dem Weg vom Flughafen ins Stadion empfing ihn ein über eine Stadtautobahn-Brücke gespanntes Spruchband der Stadt Dortmund - allerdings mit einer süffisanten Kampfansage: „Lieber Jürgen Klopp, zuhause auf‘m Platz sind Auswärtsniederlagen am besten zu ertragen.“

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Dejan Lovren (90.+1) krönte in einem völlig verrückten Spiel mit seinem Treffer in der Nachspielzeit die Liverpooler Aufholjagd. Zuvor hatten Henrich Mchitarjan (5.), Pierre-Emerick Aubameyang (9.) und Marco Reus (57.) vor 45 000 Zuschauern den BVB bereits mit 2:0 und 3:1 in Führung gebracht, doch Liverpool kam durch Divock Origi (48.), Coutinho (66.), Mamadou Sakho (78.) noch zurück. Damit kassierte der BVB im 19. Pflichtspiel im Jahr 2016 die erste Niederlage. Zugleich bleiben deutsche Mannschaften an der Merseyside weiter ohne Sieg. Wer im Halbfinale (28. April und 5. Mai) Gegner von Liverpool ist, entscheidet sich bei der Auslosung in Nyon am folgenden Tag.

«Borussia Dortmund kann überall auf der Welt zwei Tore schießen», hatte Klopp noch vor dem emotionalen Duell mit seiner «alten Liebe» gewarnt. Dass er bereits nach neun Minuten auf schmerzliche Weise bestätigt wird, hätte der Coach aber wohl kaum für möglich gehalten.

Doch sein Ex-Club übernahm von Beginn an die Initiative, kombinierte schnell und mit hoher Präzision nach vorne. Die Belohnung folgte schon in der fünften Minute: Nach einem Liverpooler Ballverlust ging es ganz schnell. Über Shinji Kagawa und Gonzalo Castro gelangte der Ball zu Aubameyang, der aus kurzer Entfernung an Keeper Simon Mignolet scheiterte, den Abpraller drückte aber Mchitarjan über die Linie.

Und es ging weiter nur in eine Richtung, Liverpool wirkte in der Anfangsphase geradezu geschockt. Das nutzte der BVB eiskalt aus. Nach einer starken Balleroberung ließ Reus mehrere Liverpooler Spieler stehen und setzte mit einem Traumpass Aubameyang in Szene, der aus halbrechter Position zum 2:0 traf. Klopp registrierte den Nackenschlag mit versteinerter Miene, während neben ihm Tuchel Luftsprünge fabrizierte. Beide Trainer mussten sich eine Coaching-Zone teilen.

Tuchels Taktik mit einer offensiven Ausrichtung war voll aufgegangen. Nachdem er seine Stars beim Revierderby noch geschont hatte, veränderte er seine Elf auf acht Positionen. Mit Kagawa und Castro wählte er die offensivere Variante, für den nach einer Fußprellung genesenen Ilkay Gündogan reichte es wie auf Schalke (2:2) zunächst nur für die Bank.

Europa League - Viertelfinal-Hinspiel: Borussia Dortmund - FC Liverpool

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  • Trainer Jürgen Klopp kommt ins Stadion.

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  • Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (r.) und Liverpools Trainer Jürgen Klopp begrüßen sich vor Spielbeginn.

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  • Ein weiblicher Fußballfan hält einen Fanschal von Liverpools Trainer Jürgen Klopp hoch.

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  • BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (l.) begrüßt Liverpools Trainer Jürgen Klopp.

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  • Liverpools Trainer Jürgen Klopp (l) spricht zu seinem Spieler Emre Can.

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  • Ein weiblicher Fußballfan hält ein Plakat mit der Aufschrift "Welcome Home Kloppo" hoch.

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  • Dortmunds Gonzalo Castro (r.) und Liverpools Emre Can kämpfen um den Ball.

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  • Dortmunds Trainer Thomas Tuchel in Aktion.

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  • Dortmunds Marco Reus (l.) und Liverpools Mamadou Sakho kämpfen um den Ball.

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  • Zweikampf zwischen Dortmunds Lukasz Piszczek (r.) und Liverpools Divock Origi.

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  • Liverpools Divock Origi (l.) jubelt mit seinem Teamkollegen Emre Can (r) über den Treffer zum 0:1.

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  • Liverpools Trainer Jürgen Klopp jubelt über das Tor zum 0:1.

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  • Dortmunds Sokratis (r.) und Liverpools Divock Origi kämpfen um den Ball.

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  • Zweikampf zwischen Dortmunds Mats Hummels (r.) und Liverpools Divock Origi.

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  • Liverpools Trainer Jürgen Klopp (l.) im Gespräch mit dem vierten Schiedsrichter.

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  • Vorbereitung eines Freistoßes: Dortmunds Marco Reus (M.) bespricht sich mit seinen Teamkollegen Nuri Sahin (2.v.r.), Gonzalo Castro (2.v.l.) und Marcel Schmelzer (r.).

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  • Dortmunds Marco Reus (M.) beim Freistoß.

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  • Der Ausgleich: Dortmunds Mats Hummels jubelt über das Tor zum 1:1.

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  • Dortmunds Pierre-Emerick Aubameyang (r.) und Liverpools Dejan Lovren (M.) und Torwart Simon Mignolet kämpfen um den Ball.

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  • Dortmunds Trainer Thomas Tuchel (r.) gestikuliert neben Spieler Erik Durm.

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Die Reds gaben sich nach der Horror-Viertelstunde aber keineswegs auf und meldeten sich zurück. Im Abschluss haperte es jedoch. Divock Origi (17. und 25.) sowie Alberto Moreno mit einem Volleyschuss (18.) und der Ex-Hoffenheimer Roberto Firmino per Kopf (27.) vergaben gute Chancen.

Es entwickelte sich ein hochklassiges Spiel mit packenden Szenen und vielen Torchancen. Auch die Dortmunder blieben bei ihren Kontern stets gefährlich, allein Aubameyang hatten noch im ersten Durchgang drei große Chancen (26., 31. und 36.).

Schon Minuten vor dem Wiederanpfiff zur zweiten Halbzeit schickte Klopp seine Mannschaft zurück aufs Feld. Und seine Spieler waren gleich hellwach. Nach Zuspiel von Emre Can war Origi frei durch und sorgte für den so dringend benötigten Anschlusstreffer. Doch die Hoffnung währte keine zehn Minuten. Mats Hummels bediente mit einem genialen Pass Reus, der den Zwei-Tore-Abstand wiederherstellte. Liverpool gab sich aber auch da nicht geschlagen und machte es dank der Treffer von Coutinho und Sakho wieder spannend. Es entwickelte sich eine irre Schlussphase, in der Lovren in der Nachspielzeit das goldene Tor glückte.

Bevor aber der Showdown begonnen hatte herrschte an der Anfield Road andächtige Stille. Vor der Partie gab es eine Schweigeminute für die 96 Opfer der Hillsborough-Tragödie in Sheffield, die sich am 15. April zum 27. Mal jährt.

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