Olympische Spiele in Rio de Janeiro
Reiter holen erste Medaillen - Handballer auf Kurs

Rio de Janeiro -

Schlag auf Schlag: Kurz nach der ersten Medaille (Silber) für Deutschland durch die Vielseitigkeitsreiter um Ingrid Klimke hat am Dienstag Michael Jung die erste Goldmedaille für das deutsche Team in Rio de Janeiro geholt. Auch von den Tennis-Damen und den Handballern gibt es erste gute Nachrichten. 

Dienstag, 09.08.2016, 18:18 Uhr aktualisiert: 09.08.2016, 22:31 Uhr
Michael Jung war mit Sam das beste deutsche Gespann.
Michael Jung war mit Sam das beste deutsche Gespann. Foto: Friso Gentsch

Rio de Janeiro (dpa) - Deutschland hat bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die langersehnte erste Medaille auf dem Konto. Die Vielseitigkeitsreiter um Michael Jung und Ingrid Klimke holten sich am Dienstag im Team-Wettbewerb Silber hinter Olympiasieger Frankreich, Bronze ging an Australien. Wenig später gewann Vielseitigkeitsreiter Michael Jung die erste Goldmedaille für das deutsche Team. Mit seinem Pferd Sam wiederholte er seinen Triumph von den Olympischen Spielen vor vier Jahren in London.

Mit der Silbermedaille in der Mannschaftswertung gab es für die Warendorfer Reiterin Julia Krajewski doch noch ein Happy End: Sie war nach einem unglücklichen Auftritt am Montag beim Geländeritt ausgeschieden . Ein Pferdesport-Kommentator der ARD hatte die 27-Jährige daraufhin unter anderem als «Angsthasen» bezeichnet. Für die Olympia-Debütantin waren die letzten Tage deshalb eine Achterbahnfahrt.

Gute Nachrichten gab es auch von Deutschlands Handballern, die nach dem 32:29 gegen Polen auf dem besten Weg in Richtung Viertelfinale sind. Das hat Tennisspielerin Laura Siegemund nach ihrem 6:4, 6:3 gegen die Belgierin Kirsten Flipkens 6:4, 6:3 bereits erreicht.

Dabei war auch der Dienstag erneut mit schlechten Nachrichten aus dem deutschen Lager gestartet. Der leichte Männer-Vierer verpasste als drittes deutsches Boot die Qualifikation für das olympische Regatta-Finale. Jonathan Koch, Lars Wichert, Tobias Franzmann und Schlagmann Lucas Schäfer kamen in ihrem Halbfinale auf dem letzten Platz ins Ziel. Im B-Finale geht es nun nur noch um Rang sieben. Zuvor waren auf der Lagoa Rodrigo de Freitas in Rio bereits die beiden Doppelzweier ausgeschieden. Marie-Catherine Arnold und Mareike Adams wurden Fünfte, Marcel Hacker und Stephan Krüger kamen auf Rang vier.

Auch für die deutschen Judokas geht es in Rio ernüchternd weiter. Die frühere Europameisterin Martyna Trajdos verlor in der Klasse bis 63 Kilogramm ebenso gleich ihren ersten Kampf wie Sven Maresch in der Kategorie bis 81 Kilogramm. Die zuvor als Medaillenkandidatin gehandelte Trajdos unterlag der Brasilianerin Mariana Silva, Maresch musste sich Sergiu Toma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten geschlagen geben. In seiner Gewichtsklasse hatte Ole Bischof 2008 in Peking die bislang letzte Gold-Medaille für die deutschen Judokas gewonnen.

Noch am Dienstagmorgen (Ortszeit) hatte der Chef de Mission die deutschen Athleten gegen die erste Kritik am Abschneiden in Schutz genommen. «Wir gewinnen bei Olympia gemeinsam, wir verlieren gemeinsam», sagte Michael Vesper am Dienstag im Deutschen Haus von Rio. Unter den 423 Athleten gebe es zahlreiche junge Sportler, die zum ersten Mal bei den Spielen antreten.

«Jeder, der selbst Sport getrieben hat, weiß, dass man vor allem die Jungen im Team unterstützt, auch wenn es mal nicht so gut läuft», meinte Vesper. «Auf keinen Fall darf man sie verächtlich machen, sondern gerade sie verdienen Respekt für ihre Leistungen, die sie überhaupt nach Rio gebracht haben.»

Reitsport-Kommentator nennt Warendorfer Reiterin Krajewski "Angsthasen"

Zu Wort meldete sich am Dienstag auch ARD-Teamchef Gerd Gottlob, der sich für einen seiner Reitsport-Kommentatoren entschuldigte. «Die Wortwahl war völlig unangemessen», sagte Gottlob der Deutschen Presse-Agentur über Kommentare von Carsten Sostmeier. «Ich kann mich dafür im Namen der ARD nur entschuldigen», ergänzte er. «Ich verspreche, dass das nicht wieder passieren wird.» Zu möglichen Konsequenzen für Sostmeier wollte Gottlob sich nicht äußern. 

14 Dinge, die Sie über Ingrid Klimke wissen müssen

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  • Kein Aprilscherz: Ingrid Klimke wurde am 1. April 1968 in Münster geboren.

    Foto: Jim Hollander
  • Nach 2000 (Sydney), 2004 (Athen), 2008 (Peking/Hongkong) und 2012 (London) sind die Spiele in Rio ihre fünften.

    Foto: Fazry Ismail
  • Die 48-Jährige ist die Tochter des 1999 verstorbenen Dr. Reiner Klimke, der bis heute der siegreichste Dressurreiter der Welt und einer der erfolgreichsten Sommer-Olympioniken ist.

    Foto: Friso Gentsch
  • 2014/15 gewann sie als erste Deutsche die Gesamtwertung der FEI Classics.

    Foto: Jim Hollander
  • 2012 wurde Klimke das Silberne Lorbeerblatt verliehen, die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland.

    Foto: Michael Kappeler
  • Im Anschluss an ihre Schulzeit machte sie eine Lehre zur Bankkauffrau und begann dann noch ein Lehramtsstudium - um sich dann aber ganz der professionellen Reiterei zu widmen. Mit Erfolg, wie unzählige nationale und internationale Triumphe beweisen.

    Foto: Fazry Ismail
  • Beim K+K-Cup 2012 erhielt Ingrid Klimke den Titel des Reitmeisters - als zweite Frau überhaupt. Die Auszeichnung ist eine der höchsten in der deutschen Reiterei.

    Foto: Friso Gentsch
  • Die Münsteranerin hat mit Stallmanagerin Carmen Thiemann ein der besten ihres Faches in ihrer Crew. 2013 erhielt Thiemann vom Weltreiterverband den „Best Groom Award“.

    Foto: Friso Gentsch
  • Naturgemäß kletterte Ingrid Klimke schon als kleines Mädchen in den Sattel. „Ich konnte eher reiten als laufen“, sagt sie daher oft scherzhaft.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Vielseitigkeitsreiterin. Nicht nur in dem hippologischen Dreikampf ist sie Weltklasse, auch in der Dressur siegte sie schon in Prüfungen auf Grand-Prix-Niveau. Dazu gewann sie ebenso im Springparcours Goldene Schleifen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Als waschechte Münsteranerin versucht sie, sich jeden Mittwochvormittag freizuschaufeln, um auf den Markt zu gehen.

    Foto: Friso Gentsch
  • Ingrid Klimke ist die Mutter zwei Töchter, die Greta und Philippa heißen. Mit Greta saß eine der beiden bereits in der Pony-Vielseitigkeit erfolgreich im Sattel.

    Foto: Jim Hollander
  • Ingrid Klimke ist zweifache Olympiasiegerin mit der deutschen Equipe (2008/2012). Eine olympische Einzelmedaille aber fehlt ihr noch.

    Foto: Uwe Anspach
  • Ingrid Klimke stand vor den Olympischen Spielen als eine von fünf Athleten zur Wahl, bei der Eröffnungsfeier die deutsche Fahne ins Stadion zu tragen. Am Ende machte Tischtennis-Star Timo Boll das Rennen. Klimke wäre die erste Frau gewesen, die die Disziplin Reiten als Fahnenträgerin vertreten hätte.

    Foto: Michael Kappeler
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