Cooler Tabellenführer
BVB kontert die Bayern-Attacken: Fangen nicht an zu zittern

Die Freude bei Borussia Dortmund war groß und verständlich. Der Sieg bei den zuvor daheim ungeschlagenen Leipzigern tat dem Herbstmeister besonders gut. Bayerns erster Angriff ging ins Leere.

Sonntag, 20.01.2019, 12:22 Uhr aktualisiert: 20.01.2019, 12:26 Uhr
Das 1:0 in Leipzig sichert dem Herbstmeister das Sechs-Punkte-Polster auf die Bayern.
Das 1:0 in Leipzig sichert dem Herbstmeister das Sechs-Punkte-Polster auf die Bayern. Foto: Hendrik Schmidt

Leipzig (dpa) - Auf die Frage nach den verschärften Attacken des FC Bayern huschte Michael Zorc ein leicht süffisantes Grinsen durchs Gesicht.

«Wir fangen da nicht an zu zittern», betonte der Sportdirektor von Borussia Dortmund: «Wir orientieren uns nicht permanent an Bayern, wir definieren uns nicht darüber.» Die Einschüchterungstaktik der Münchner mit Sieg und Kampfansage zeigte zum Rückrunden-Start der Fußball-Bundesliga beim BVB keine Wirkung.

Der Sechs-Punkte-Vorsprung der Westfalen auf den Rekordmeister bleibt bestehen. Neun Punkte sind es weiterhin auch auf die Borussia aus Mönchengladbach, die kurz zuvor mit ihrem Duselsieg in Leverkusen ebenfalls ein wenig Druck gemacht hatte. Doch Dortmund blieb cool. «Wenn sie so weitermachen, glaube ich schon, dass sie schwer aufzuhalten sind», attestierte RB Leipzigs Kapitän Kevin Kampl nach der 0:1-Niederlage gegen den Tabellenführer.

Vorher hatte kein Bundesligist in dieser Saison in Leipzig gewonnen. Der BVB habe «eine brutale Qualität», meinte der frühere Dortmunder Kampl. Selbst den Ausfall des verletzten Marco Reus, der alle 17 Hinrundenspiele von Beginn an bestritten und dabei elf Tore erzielt hatte, kompensierte die Mannschaft von Lucien Favre. «Es ist gut für uns zu sehen, dass es auch ohne Marco geht», sagte der überragende Gäste-Torwart Roman Bürki.

Den Reus-Rückschlag hatten die Dortmunder schon am Freitag im Training hinnehmen müssen. Und am gleichen Abend hatten die Bayern ziemlich überzeugend mit 3:1 bei 1899 Hoffenheim gewonnen, die Münchner Bosse verabschiedeten sich bester Laune und voller Hoffnung in ein «schönes Wochenende». «Wir haben den Druck aufgebaut. Die Bundesliga wird langsam wieder interessant», hatte Bayern-Trainer Niko Kovac getönt: «Wir sind bereit für die Verfolgungsjagd.»

Dortmund ist es auch. Reus sah von der Bank aus mit einer leichten Bänderdehnung zu, wie seine Mannschaftskollegen die Leipziger vor allem in den ersten 20 bis 25 Minuten völlig im Griff hatten und hochverdient durch das Tor des furiosen Antreibers Axel Witsel (19. Minute) in Führung gingen. Auch die stark dezimierte Abwehr, in der gleich vier Innenverteidiger nicht zur Verfügung standen, ließ zunächst kaum etwas zu. Julian Weigl überzeugte wieder als Aushilfsmanndecker.

Die Erwartungen der betont selbstbewussten Bayern, dass die Borussen Nerven zeigen würden, erfüllten sich nicht. Auch, weil Dortmund genau das hatte, was man auch braucht, um nach 34 Spieltagen noch auf dem ersten Platz zu stehen: Glück.

«In zwei, drei Situationen war es am Limit», kommentierte Favre die Szenen, in denen die Leipziger dem Ausgleich gehörig nahe waren. «Wenn mir jemand gesagt hätte, dass wir so viele Torchancen gegen Dortmund kriegen, hätte ich es nicht geglaubt», meinte RB-Coach Ralf Rangnick. «Brandgefährlich» sei es gewesen, konstatierte Favre noch einmal. Die Borussen-Freude nach dem Abpfiff der Partie in der Red Bull Arena sagte dann auch einiges über die Erleichterung über den geglückten und auch etwas glücklichen Auftakt aus.

Gegen RB sei nicht alles perfekt gewesen, meinte Keeper Bürki. «Schlussendlich haben wir wieder gewonnen. Das macht uns stolz, das freut uns. So wollen wir auch in den nächsten Wochen auftreten.» Es war auch ein Verdienst des 28 Jahre alten Schweizers, dass der BVB mit einem Sieg in die zweite Saisonhälfte startete, das Privatduell gegen RB-Angreifer Timo Werner entschied er klar für sich. «Der Mannschaft ist geholfen, wenn ich die Bälle halte», meinte Bürki.

Der Mannschaft wird aber auch geholfen sein im Fernduell mit den Münchnern und eventuell auch noch den Gladbachern, wenn Reus und die anderen Verletzten schnell wieder mit dabei sind. Nach Angaben von Zorc im ZDF-«Sportstudio» wird Kapitän Reus maximal zwei Wochen fehlen. Dass es für Verteidiger Ömer Toprak bis zum Heimspiel am kommenden Samstag gegen Hannover 96 reicht, ist fraglich. «Es wird schwer, ich kann es nicht sagen», meinte Favre.

Ein Sieg gegen die stark abstiegsbedrohten Niedersachsen wird auch so Pflicht sein, um den gelungenen Start nicht nachdrücklich zu trüben. Das gilt gleichermaßen für die Bayern, die am Sonntag den ebenfalls gefährdeten VfB Stuttgart empfangen, und die Gladbacher, die am Samstag Gastgeber gegen den FC Augsburg sind, der auch um den Ligaverbleib bangen muss. Zittern sollen auch künftig die anderen, der BVB will weiter eiskalt bleiben.

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