Eiskunstlauf
Schwerer Neubeginn nach Traumpaar Savchenko/Massot bei EM

Bei den Europameisterschaften in Minsk beginnt für den deutschen Eiskunstlauf eine neue Zeitrechnung. Ohne die Paarlauf-Olympiasieger Savchenko/Massot wären Plätze unter den ersten Zehn schon ein erster Erfolg bei den am Mittwoch beginnenden europäischen Titelkämpfen.

Montag, 21.01.2019, 10:32 Uhr aktualisiert: 21.01.2019, 10:38 Uhr
Gold-Paar: Bruno Massot (l) und Aljona Savchenko.
Gold-Paar: Bruno Massot (l) und Aljona Savchenko. Foto: Frank Rumpenhorst

Minsk (dpa) - Für den deutschen Eiskunstlauf beginnt bei den Europameisterschaften in Minsk eine neue und schwere Ära.

«An Medaillen können wir nicht denken», sagte Udo Dönsdorf als Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union vor dem Beginn der EM am Mittwoch. «Wenn wir ein solides Ergebnis erreichen, können wir aber eine gute Basis für die nächsten Saisons vor den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking schaffen.»

Viele Jahre hat Aljona Savchenko mit ihren Paarlauf-Partnern Robin Szolkowy (2003-2014) und Bruno Massot für Glanz gesorgt. Insgesamt holten sie sechs WM- und vier EM-Titel, bevor sich Savchenko mit Massot den Traum von Olympia-Gold 2018 in Pyeongchang erfüllte. «Wir werden diese Erfolge nicht mehr erzielen und müssen einen Haken an diese Einmaligkeit machen», ergänzte Dönsdorf. «So etwas können wir in kurzer Zeit nicht reproduzieren.» Und dass Savchenko/Massot nach der als Wettkampfpause deklarierten Auszeit, in der sie Gold bei Eisshows versilbern, für Olympia 2022 zurückkehren, ist wenig wahrscheinlich.

Deshalb hofft die DEU in Minsk, zumindest mit Top-Ten-Plätzen bei Herren, Damen und im Paarlauf einen ordentlichen Neuanfang zu schaffen. 2018 bei der EM ist das nur Nicole Schott aus Oberstdorf (10. Platz) und Annika Hocke/Ruben Blommaert (8.) gelungen. Die Berliner Paarläufer mussten aber ihre Reise zur EM stornieren und den Start absagen, weil der gebürtige Belgier an einer Grippe erkrankt ist.

Die viermalige deutsche Meisterin Schott hat in Nathalie Weinzierl in Weißrussland eine Konkurrentin, die ihr den einzigen Startplatz für die WM im März in Saitama/Japan wegschnappen könnte. «Ich will mich für die WM qualifizieren. Da werden Nicole und ich uns nichts schenken», sagte die 24 Jahre alte Mannheimerin, die bei der EM 2014 schon Achte geworden war.

Um sich in Europas Schlittschuh-Hierarchie weiter nach oben zu kämpfen, hat sich Weinzierl mitten in dieser Saison von Trainer Peter Sczypa getrennt und arbeitet nun mit Anett Pötzsch, der Olympiasiegerin von 1980, zusammen. «Manchmal ist so ein Tapeten- und Kurswechsel notwendig, wenn man merkt, dass es nicht vorangeht», sagte Dönsdorf.

Der Berliner Paul Fentz will bei den Herren einen Sprung nach vorne machen, was eine sichere Landung des vierfachen Toeloops voraussetzt. Bei den deutschen Meisterschaften kurz vor Weihnachten in Stuttgart hat er das nicht geschafft. «Bei der EM wäre das fatal», sagte er. Der 26 Jahre alte nationale Champion weiß, wovon er redet: Vor einem Jahr stürzte er in der EM-Kür beim Vierfachen und erreichte nur Rang 16. In den ersten Tagen des neuen Jahres hat er den Toeloop nach einigem Tüfteln mit vierfacher Rotation wieder gestanden und Zuversicht gewonnen: «Mein persönliches Ziel wäre bei der EM Platz sechs.»

Nach der Absage von Hocke/Blommaert müssen die ebenfalls aus Berlin stammenden Minerva-Fabienne Hase/Nolan Seegert zunächst allein zeigen, wie viel Potenzial der deutsche Paarlauf hat. «Was mit Aljona und Bruno geklappt hat, können wir nicht alles nachmachen», sagte Bundestrainer Alexander König. Dennoch sei es nicht ausgeschlossen, bis zu den nächsten Winterspielen ein Topduo mit Medaillenchancen zu haben. «Der Optimismus ist da, aber es wird schwierig», betonte er.

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