1:5 in Stuttgart
Doll ratlos nach Generalabrechnung - 96-Suche nach Hoffnung

Wie soll Hannover 96 jetzt noch der Klassenverbleib gelingen? Das wusste auch Trainer Thomas Doll erst mal nicht. Der Coach wütete nach dem 1:5 in Stuttgart - und sucht seit Wochen nach Lösungen. Es wird nun darauf ankommen, dass er sie schnellstmöglich findet.

Montag, 04.03.2019, 11:52 Uhr aktualisiert: 04.03.2019, 11:54 Uhr
Hannovers Trainer Thomas Doll geht nach der 1:5-Pleite in Stuttgart über das Spielfeld.
Hannovers Trainer Thomas Doll geht nach der 1:5-Pleite in Stuttgart über das Spielfeld. Foto: Sebastian Gollnow

Stuttgart (dpa) - Immerhin die Worte fehlten Thomas Doll nicht. «Angsthasenfußball», «Grottenkick», «Wahnsinn»: Der Trainer von Hannover 96 sparte bei der gnadenlosen Generalabrechnung mit seinen Spielern nicht an ernüchternden Feststellungen.

Aber was nach dem 1:5-Debakel beim VfB Stuttgart jetzt noch Hoffnung auf den Klassenerhalt machen soll, das wusste selbst der redselige Doll erst mal nicht. Angehen will er die scheinbar unmögliche Mission aber trotz aller Verzweiflung. «Wenn ich das Gefühl hätte, nicht nah an der Mannschaft zu sein, wäre ich der Erste, der hier seine Tasche packt und sagt: "Komm, macht's ohne mich."», sagte der 52-Jährige.

Doll macht also weiter. Seine Mannschaft dagegen habe mit dem desolaten Auftritt beim VfB den «Rücktritt aus der Bundesliga» eingereicht, schrieb der «Kicker». Tatsächlich ist die Bilanz unter Doll niederschmetternd. Erst fünf Spiele hat der Nachfolger des beurlaubten André Breitenreiter als Trainer von Hannover 96 erlebt. Vier davon gingen verloren, 14 Gegentreffer kassierten die Niedersachsen in dieser Zeit, lediglich drei eigene Tore gelangen. In seiner Bundesliga-Historie war Hannover angesichts von 14 Punkten nach 24 Spielen nie schlechter. «Ich habe mir das ganz anders vorgestellt. Auch meine Rückkehr in die Bundesliga», schimpfte Doll.

Dabei ist die Enttäuschung über den Zustand seiner Mannschaft nicht mal neu. Seit Wochen fordert er öffentlich, dass seine Mannschaft «ein anderes Gesicht» zeigen müsse. Er äußerte die Hoffnung, «den Bock umzustoßen» oder redete davon, dass seine Mannschaft «alles raushauen» müsse. Zudem ärgerte er sich nicht nur einmal darüber, dass sein Team «nicht in die Zweikämpfe» gekommen sei. Nur geändert hat sich seitdem nichts. Mannschaft und Trainer betonen zwar die gute Trainingsarbeit unter der Woche sowie Dolls Eifer - in der Tabelle hat 96 aber nun fünf Punkte Rückstand auf den VfB auf dem Relegationsrang und sogar sieben auf den ersten Nicht-Abstiegsplatz.

Und jetzt? Für diesen Montag setzte Doll eine besondere Videoanalyse auf das Programm. Gemeinsam mit seinen Spielern und dem Trainerteam wollte er sich zusammensetzen, um nochmal die komplette erste Halbzeit der Partie in Stuttgart anzuschauen. Was seine Spieler dort zu sehen bekommen sollten, ist ernüchternd: Körpersprache, Einstellung, Abwehrverhalten oder Offensivbemühungen - das alles hätte schlechter nicht sein können. Wenn sich diese Dinge am Sonntag (18.00 Uhr/Sky) gegen Europapokal-Anwärter Bayer 04 Leverkusen nicht deutlich verbessern, könnte es auch für Doll ungemütlich werden. «Wir haben die nötige Qualität», meinte Mittelfeldspieler Marvin Bakalorz.

Nachgewiesen hat diese aber lediglich der VfB, dem es die Gäste aber auch sehr leicht gemacht hatten. «Wir hatten einen schwachen Gegner heute, das muss man so sehen», gab Kapitän Christian Gentner zu. Seinem Trainer dürfte das vorerst egal sein. Anders als Doll kann Markus Weinzierl nämlich nun erst mal durchatmen. Eine Pleite im richtungsweisenden Duell mit den Niedersachsen hätte den 44-Jährigen angesichts von zuvor acht sieglosen Spielen wohl den Job gekostet. Stattdessen träumen der Coach und seine Spieler nun sogar von einer Überraschung am nächsten Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Spitzenreiter Borussia Dortmund.

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