Notfall in Leverkusen
Bedrückende Stille: «Man merkt, wie unwichtig Fußball ist»

Bayer Leverkusen steht nach einem 3:1 gegen Union Berlin im Halbfinale des DFB-Pokals. Das Spiel wurde allerdings von einem medizinischen Notfall überlagert. Auf den die Fans beeindruckend reagierten.

Donnerstag, 05.03.2020, 12:36 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 12:38 Uhr
Ordner halten Decken hoch, um einen Notarzteinsatz abzuschirmen.
Ordner halten Decken hoch, um einen Notarzteinsatz abzuschirmen. Foto: Federico Gambarini

Leverkusen (dpa) - Es war ein starkes Zeichen in diesen unruhigen Fußball-Zeiten voller verhärteter Fronten. Die Fans von Bayer Leverkusen und Union Berlin schwiegen im Pokal-Viertelfinale eine halbe Stunde gemeinsam und erwiesen einem notärztlich versorgten Zuschauer Respekt.

Spieler und Offizielle waren zwar während des gesamten Spiels auf das Sportliche fokussiert, zeigten aber nach dem Schlusspfiff, dass ihnen deshalb längst nicht alles abseits des Feldes egal ist.

Auf die Frage, warum sich kein Spieler zur Halbzeit dafür interessierte, warum es zwischen der 15. und etwa 43. Minute bedrückend still im Stadion gewesen sei, antwortete Leverkusens Abwehrchef Sven Bender: «Wir hatten genug damit zu tun, unsere eigene Leistung zu besprechen.» Leverkusen, das am Ende durch ein 3:1 ins Halbfinale einzog, lag zu diesem Zeitpunkt noch mit 0:1 zurück.

Vielleicht war die fehlende Nachfrage angesichts der vor ihnen liegenden zweiten Halbzeit in einem engen K.o.-Spiel auch Selbstschutz der Spieler. Denn dass etwas Schlimmes passiert sein musste, war augenscheinlich. Der Zuschauer, der auf der Tribüne reanimiert wurde, befand sich am Abend nach Bayer-Angaben allerdings in einem stabilen Zustand. Er war ins Krankenhaus gebracht worden.

Seltsam vorgekommen war den Spielern die Stille natürlich schon. Es sei «ein bisschen schräg gewesen, in einem solch ruhigen Stadion Fußball zu spielen», sagte Sven Bender. Und Unions Abwehrspieler Marvin Friedrich erklärte: «Wir haben uns natürlich gewundert, was da passiert ist.»

Als die Spieler dann nach dem Schlusspfiff von dem Zwischenfall hörten, bewegte dies alle. «Wenn man so etwas hört, merkt man, wie unwichtig der Fußball ist», sagte Nationalspieler Kai Havertz. Deshalb hatten die Trainer, die ebenfalls erst nach Schlusspfiff informiert wurden, auch Verständnis für die eingestellte Unterstützung der Fans. «Es war seltsam für uns, weil wir nicht wussten, worum es geht», sagte Leverkusens Peter Bosz: «Aber das ist viel wichtiger als Fußball. Deshalb verstehen wir das natürlich.»

Sein Kollege Urs Fischer erklärte: «Die Fans haben damit gezeigt, dass es Wichtigeres gibt als Fußball. Gesundheit steht an erster Stelle. Deshalb kann ich das nachvollziehen.»

Sportlich ärgerte sich Unions Torhüter Rafał Gikiewicz über «drei Gegentore wie im Kindergarten» und die fatale Gelb-Rote Karte gegen Christopher Lenz (71.) beim Stande von 1:0: «Wenn ich Gelb habe, darf ich da nicht so hin. Bis zur Roten Karte hatte Bayer nix.»

Leverkusen darf derweil vom erlösenden ersten Titel seit dem Pokalsieg 1993 träumen. Dem FC Bayern München will die Werkself dabei im Halbfinale nicht zwingend aus dem Weg gehen. «Wenn man den Pokal holen will, geht das sowieso nur über die Bayern», sagte Sven Bender: «Irgendwann muss man sie schlagen. Deshalb ist mir egal, ob wir sie im Halbfinale bekommen.» Da könnte Bayer wenigstens Heimrecht haben. Das hatten sie allerdings auch 2018. Und verloren mit 2:6.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7311229?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686210%2F2686767%2F
Nachrichten-Ticker