Coronavirus-Auswirkungen
Unsichtbarer Feind im Formel-1-Team Haas

Kennen Sie Gene Haas? Der US-Amerikaner ist mit der Produktion von Werkzeugmaschinen steinreich geworden. In der Formel 1 gehört ihm ein eigener Rennstall - der aber eher hinterherfährt. In Melbourne rückt das Team in den Fokus. Das hat mit dem Coronavirus zu tun.

Donnerstag, 12.03.2020, 10:32 Uhr aktualisiert: 12.03.2020, 10:36 Uhr
Beim Team Haas gibt es weitere Coronavirus-Verdachtsfälle.
Beim Team Haas gibt es weitere Coronavirus-Verdachtsfälle. Foto: Joan Monfort

Melbourne (dpa) - Ein schwarzes Absperrband trennt Guenther Steiner von den Journalisten. In Zeiten der Coronavirus-Krise versucht die Formel 1 auf Distanz zu gehen. Das gilt auch für den Teamchef des kleinen US-Rennstalls Haas.

Der Südtiroler nimmt in der Debatte im Fahrerlager von Melbourne eine prominente Rolle ein, denn gleich vier seiner Mitarbeiter zählen zu den Verdachtsfällen. So viele wie bei keinem anderen Formel-1-Team. «Es ist etwas, was wir ernst nehmen müssen. Wir nehmen es sehr ernst», versicherte Steiner.

Besonders viel Aufmerksamkeit genießt das Team in der Regel nicht. Dafür fährt die Truppe des Werkzeugmaschinenproduzenten Gene Haas einfach viel zu oft hinterher. In der vergangenen Saison wurden die US-Amerikaner mit nur 28 Punkten Vorletzter in der Konstrukteurs-WM. Auch ihre fünfte Saison in der Königsklasse des Motorsports wird ein Hinterherfahren. Das kann getrost als Gewissheit betrachtet werden.

Am anderen Ende der Welt aber rückt Haas in den Vordergrund. Mitarbeiter haben Symptome gezeigt, die auf eine Infektion mit Sars-CoV-2 hindeuten könnten. Das Virus, dieser unsichtbare Feind, kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen. Daher wurden die betroffenen vier Angestellten, ein Ingenieur und drei Mechaniker, vorsichtshalber isoliert.

«Wenn jemand etwas hat, bitten wir ihn, es uns zu sagen, um so sicher wie möglich zu sein und nichts zu verbergen», sagte Steiner. «Das wäre eine verkehrte Sache, wenn sich das Virus verbreiten würde, weil man ihm keine Aufmerksamkeit schenkt.» Diskussionen mit anderen Teams über eine mögliche Rennabsage des ersten Saisonrennens gibt es Steiner zufolge nicht.

Die Zukunft ist bei Haas ohnehin ein allgegenwärtiges Thema. Schließlich ist nicht sicher, ob der Rennstall weitermacht. «Ich warte mal ab, wie sich die Dinge vom Start weg entwickeln», sagte Teambesitzer Haas. «Sollten wir ein weiteres schlechtes Jahr haben, wäre es nicht so vorteilhaft zu bleiben.»

Haas hat sich ein Fünf-Jahres-Ziel gesetzt - spätestens dann muss Bilanz unter das millionenschwere Engagement gezogen werden. «Man muss es dann bewerten. Das nochmal fünf Jahre zu machen, das wäre schon ein starkes Bekenntnis.»

Das desaströse Jahr 2019 hat Haas als «echten Erziehungsprozess» bewertet. «Ich habe Vertrauen, dass wir daraus gelernt haben», meinte er bei der Vorstellung des neuen VF-20, mit dem Kevin Magnussen und Romain Grosjean deutlich mehr Punkte als im vergangenen Jahr holen sollen. Am Besten ähnlich viele wie 2018, als Haas WM-Fünfter wurde.

Für den 67-jährigen Eigner aus Ohio, dem ehemaligen industriellen Herzstück von Nordamerika, soll sich sein Investment auszahlen. Die Werbeeffekte für sein Kerngeschäft seien nicht so schlecht, meinte Haas. Das Geschäftsmodell der Formel 1 begünstige aber kleine Teams bestimmt nicht. «70 Prozent der Prämien gehen an die besten drei Rennställe und 30 Prozent an die anderen sieben. Das ist kein gutes ökonomisches Modell», bemerkte Haas.

Ab 2021 greift in der Formel 1 ein neuer Grundlagenvertrag, darin ist unter anderem auch eine Kostenobergrenze von 175 Millionen US-Dollar (157 Millionen Euro) pro Saison und Team verankert. Aber das ist auch für Haas vorerst nur Zukunftsmusik.

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