Taskforce Zukunft Profifußball
DFL-Chef Seifert: «Wollen nicht weitermachen wie bisher»

Wie sieht der Profifußball nach der Crona-Krise aus? Spitzenmanager Christian Seifert will eine Taskforce «Zukunft Profifußball» und hofft auf EU-Mithilfe, um die hohen Gehälter und Ablössummen zu begrenzen.

Dienstag, 28.04.2020, 18:58 Uhr aktualisiert: 28.04.2020, 19:02 Uhr
Will den Profifußball neu gestalten: Christian Seifert, Geschäftsführer der DFL GmbH.
Will den Profifußball neu gestalten: Christian Seifert, Geschäftsführer der DFL GmbH. Foto: Arne Dedert

Frankfurt/Main (dpa) - DFL-Boss Christian Seifert will den Profifußball nach der Corona-Krise neu gestalten und hofft auf eine Obergrenze bei Spielergehältern, Beraterhonoraren und Ablösesummen.

«In jeder Präsidiumssitzung war zuletzt das Thema: Was lernen wir aus dieser Krise, worüber müssen wir nachdenken? Die Liste wird mit jeder Sitzung länger», sagte der Geschäftsführer und Präsidiumssprecher der Deutschen Fußball Liga in einem Interview der «Frankfurter Allgemeine Zeitung». «Wir wollen nicht einfach nur irgendwie durch die Krise kommen und dann weitermachen wie bisher.»

Die DFL brauche jetzt nicht nur eine Taskforce «Sportmedizin», um überhaupt die Voraussetzungen zu schaffen, unter denen die 1. und 2. Bundesliga weiterspielen dürfe. «Wir brauchen jetzt auch eine Taskforce 'Zukunft Profifußball', die die Rahmenbedingungen definieren muss, unter denen wir künftig spielen wollen», sagte Seifert. Der 50-Jährige würde diese Taskforce gerne im Herbst einsetzen. Zuletzt hatten verschiedene Fan-Organisationen einen Wertewandel im Profigeschäft und einen «neuen Fußball» gefordert.

Wenn man jetzt den Mut und die Ausdauer habe, Veränderungen im Profifußball zu denken und auch über eine lange Strecke vorzunehmen, «dann kann aus dieser Krise auch etwas Positives entstehen», sagte Seifert und räumte ein: «Offensichtlich hat die Bundesliga durch Spielergehälter, Ablösesummen und auch einige Bilder, die sie selbst produziert hat, Stichwort «goldene Steaks», damit teilweise ein Bild von sich erzeugt, das ein Teil der Menschen nicht akzeptieren kann.» Auch er habe in der Bundesliga genügend Dinge gesehen, erlebt und gehört, «die mich nicht unbedingt begeistern».

Seifert hofft auch auf die Möglichkeit, dass eine Gehaltsobergrenze eingeführt wird. «Doch Tatsache ist, dass ein Salary Cap gegen europäisches Recht verstößt», sagte er. «Sollten neue Signale seitens der Politik gesendet werden, gebe ich Ihnen Brief und Siegel, dass UEFA-Präsident Aleksander Ceferin zur EU fährt und dort sagt: Lasst uns über Salary Caps, über die Begrenzungen von Ablösesummen und Beraterhonoraren sprechen. Und ich bin der Erste, der ihn begleitet.»

Wenn es möglich sei, Managergehälter zu deckeln, dann müsse es auch möglich sein, Gehälter von Beratern und Spielern zu deckeln. «Sicher ist auch, dass der Widerstand groß sein wird und auch Berater aus Deutschland sofort antreten würden, diesen Plan anzufechten», so Seifert. Er sei als Mitglied des sogenannten FIFA Professional Football Stakeholders Committee schon angeschrieben und mit einer persönlichen Klage bedroht worden, falls er in diesem Gremium für eine Begrenzung der Beraterhonorare stimmen würde - «unterzeichnet übrigens von sehr prominenten Spielerberatern».

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