Neustart der Saison
3. Liga bleibt gespalten - Mannheim beantragt Abstimmung

Die Angst vor Wettbewerbsverzerrung und die wirtschaftlichen Aspekte sind die Hauptargumente der kritischen Clubs hinsichtlich einer Fortsetzung der 3. Liga. Die Kritik am DFB wird lauter - auch aus der Politik. Doch der Verband wehrt sich.

Dienstag, 12.05.2020, 18:30 Uhr aktualisiert: 12.05.2020, 18:32 Uhr
Einige Drittligisten haben ihre Kritik an den Plänen des DFB erneuert.
Einige Drittligisten haben ihre Kritik an den Plänen des DFB erneuert. Foto: Bernd Thissen

Leipzig (dpa) - Der Streit um die Fortsetzung der 3. Liga gewinnt auch zwischen Fußball und Politik an Schärfe.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff erhob nach einem Telefonat mit DFB-Präsident Fritz Keller deutliche Vorwürfe gegen den Deutschen Fußball-Bund - aus der Frankfurter Verbandszentrale kam am frühen Dienstagabend umgehend eine vehemente Replik. «Hier wird ein unzutreffendes Bild gezeichnet», äußerte Generalsekretär Friedrich Curtius auf der DFB-Internetseite.

Haseloff hatte zuvor das Agieren des DFB im Streben um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs am 26. Mai kritisiert. Er empfinde es als unerträglich, dass der Verband in der Pandemielage Druck auf Politik und Vereine ausübe, sagte der CDU-Politiker. Eine Landesverordnung mit strengen Sportbeschränkungen sei erlassen worden, um Menschenleben zu schützen. Dass «mit dem Lizenzentzug gedroht wird für den Fall, dass man nicht mitspielt, das kann nicht die Spielregel in unserer Gesellschaft sein.»

Dass es solchen Druck gebe, wies der DFB zurück. Es sei nicht «mit Zulassungsentzug und Konsequenzen» für Vereine gedroht worden, die sich gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebs aussprächen, teilte Curtius mit und begründete den Versuch, die Spielzeit zu retten. «Die 3. Liga wäre bei einem freiwilligen Saisonabbruch in ihrer kompletten Struktur als Profiliga gefährdet und in Frage gestellt.»

Nach einem Beschluss des DFB-Präsidiums soll die 3. Liga - vorbehaltlich der politischen Zustimmung - eigentlich in der letzten Maiwoche wieder loslegen. In Sachsen-Anhalt sind allerdings sportliche Wettkämpfe und Training unter wettkampfähnlichen Bedingungen bis Ende Mai verboten. Damit können auch der 1. FC Magdeburg sowie der Hallescher FC mindestens bis zum 27. Mai nur in Kleingruppen von maximal fünf Sportlern trainieren.

Insgesamt bleibt die 3. Liga auch nach dem Signal des DFB zur Wiederaufnahme des Spielbetriebs tief gespalten. «Ich habe eine neue Abstimmung beantragt. Ich sehe es nicht ein, dass der DFB die Saison auf Basis eines veralteten Meinungsbildes, aber unter neuen Rahmenbedingungen, Stichwort neutraler Spielort, fortsetzen will», sagte Geschäftsführer Markus Kompp von Waldhof Mannheim.

Angesichts des neuen Rahmenterminplans, der vorsieht, elf Spieltage mit fünf englischen Wochen zu absolvieren, schlägt die SG Sonnenhof Großaspach Alarm. Einige Clubs seien bereits seit Wochen im kontaktlosen Training, die Entscheidungen der Behörden regional unterschiedlich. Das zeige, «dass ein fairer Wettbewerb schon jetzt nicht mehr möglich ist», heißt es auf der Homepage des Clubs.

Nach der Quarantäne für die Mannschaft des Zweitligisten Dynamo Dresden sieht auch Braunschweigs Sportdirektor Peter Vollmann die Fortsetzung der Saison kritisch. «Eine solche Mannschaft wird komplett zurückgeworfen, das ist ein Wettbewerbsnachteil, den man gar nicht mehr ausgleichen kann», sagte er der «Braunschweiger Zeitung».

Auch der wirtschaftliche Aspekt spielt für viele Clubs eine große Rolle in der Diskussion. «Wir stehen weiterhin vor wirtschaftlich für uns kaum lösbaren Aufgaben und es gibt nach wie vor viele offene Fragen. Ein einwöchiges Quarantäne-Trainingslager, ein eigener Mannschaftkoch, mehrere Mannschaftsbusse oder zusätzliche Kabinen und Sanitärräume erscheinen für die durch die Coronapandemie ohnehin finanziell angeschlagenen Vereine nicht vertretbar», sagte Malte Metzelder, Geschäftsführer Sport beim SC Preußen Münster.

Diese Meinung vertreten auch die ostdeutschen Traditionsvereine. Sie plädieren weiterhin für einen Abbruch. «Wir haben immer betont, dass wir die Saison sportlich und fair zu Ende spielen wollen. Aber aus unserer Sicht ist eine Fortsetzung im Moment aus vielen Gründen einfach nicht möglich», erklärte Zwickaus Sportdirektor Toni Wachsmuth. Es können keinen «sportlich fairen Wettbewerb» geben.

Der 1. FC Magdeburg drängt ebenfalls auf einen Abbruch. «Der DFB macht momentan viel Druck, will die Saison zu finanziellen Lasten vieler Vereine unbedingt fortsetzen. Wir sind weiterhin davon überzeugt, dass das der falsche Weg ist und dass die Drittliga-Saison abgebrochen werden sollte - aus gesundheitlichen und wirtschaftlichen Gründen», sagte Geschäftsführer Mario Kallnik der «Volksstimme» (Dienstag). Zudem monierte er das DFB-Vorhaben, neutrale Spielorte zuzulassen, sollten einige Stadien gesperrt sein. Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper schließt Geisterspiele in der MDCC-Arena wegen der Corona-Eindämmungsverordnung derzeit aus.

Klar für die Fortsetzung der Saison sind weiter die bayerischen Vereine. Auch der SV Meppen begrüßt die Entscheidung zur Fortsetzung. Nicht äußern zum neuen Abstimmungsantrag der Mannheimer wollten sich der KFC Uerdingen und der MSV Duisburg, Viktoria Köln ist neutral. Der 1. FC Kaiserslautern teilte lediglich mit: «Es geht nicht um eine Abstimmung. Wir halten es dennoch für sinnvoll, uns bezüglich der Umsetzung und Realisierbarkeit des Rahmenterminkalenders hinsichtlich denkbarer Verzögerungen im Hinblick auf den 30. Juni nochmals auszutauschen», so Sportdirektor Boris Notzon.

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