Champions League
Barca gegen das «Monster»: Mit Messi aber «alles möglich»

In Barcelona träumen alle von einer Wiederholung des Champions-League-Triumphs von 2015. Damals schalteten die Katalanen die Bayern aus. Anders als damals fühlt sich der Club diesmal als Außenseiter, der gegen ein «Monster» antritt.

Sonntag, 09.08.2020, 13:56 Uhr aktualisiert: 09.08.2020, 14:45 Uhr
Lionel Messi bejubelt sein Tor zum 2:0 für den FC Barcelona gegen den SSC Neapel.
Lionel Messi bejubelt sein Tor zum 2:0 für den FC Barcelona gegen den SSC Neapel. Foto: Joan Monfort

Barcelona (dpa) - Nach dem mühsamen Einzug des FC Barcelona ins Viertelfinale der Champions League wird der kommende Gegner FC Bayern München am Fuß des Tibidabo als «Monster» empfunden.

In einer Karikatur der katalanischen Fachzeitung «Mundo Deportivo» wird das Team von Trainer Hansi Flick als riesiges, fies grinsendes Ungeheuer dargestellt, das hinter dem Rücken von Coach Quique Setién lauert. «Die Bayern machen Angst», schrieb die Fachzeitung «Sport». Der Jubel bei den eher pessimistischen Medien war entsprechend verhalten, was in Spanien sehr ungewöhnnlich ist. «Barça ist noch am Leben», titelte «La Vanguardia».

Die Bayern wurden in Katalonien als «Gigant», als «unersättlich», als «Siegesmaschine» bezeichnet. Und als schier unüberwindbares Hindernis im Stile eines «echten Mount Everest», wie «El Periódico» titelte. So viel Angst vor den Bayern hatte man in Barcelona noch nie. Für ein wenig Hoffnung sorgt nach dem nicht unbedingt überzeugenden 3:1-Sieg über den SSC Neapel und vor dem Start ins Lissabonner Endturnier nur Weltfußballer Lionel Messi.

Der Kollege von DFB-Nationaltorwart Marc-André ter Stegen zeigte gegen Neapel in der Tat, dass er auch mit 33 immer noch zu (fast) allem fähig ist. Bei seinem Tor zum 2:0 dribbelte er die halbe Abwehr der Gäste schwindelig und zirkelte den Ball im Fallen ins lange Eck. Schön war auch sein zweiter Treffer, der aber wegen eines umstrittenen Handspiels aberkannt wurde. Und vor dem Elfmeter-Tor durch Luis Suárez zum 3:0 noch in der ersten Halbzeit wurde der Mann aus Rosario von Kalidou Koulibaly im Strafraum von den Beinen geholt. «Mit diesem Messi ist aber alles möglich», schrieb «Sport». Dieser Satz wurde wie ein Mantra wiederholt.

Messi wurde - zum x-ten Mal in seiner Karriere - als «Gott» und als «Außerirdischer» gefeiert. Auf den Argentinier setzen auch die Kollegen um Luis Suárez. Der Stürmer aus Uruguay weiß zudem: «In einem einzigen Spiel kann alles passieren. Die Chancen stehen 50:50.» Aber reicht ein Messi, um die Bayern auszuschalten und den 7,5 Kilogramm schweren Henkelpott erstmals seit 2015 und zum sechsten Mal insgesamt zu holen?, fragt man sich in Barcelona.

Gegen den Tabellensiebten aus Italien hatte man nämlich in den ersten zehn Minuten und trotz des relativ bequemen Vorsprungs auch in der zweiten Hälfte enorme Schwierigkeiten. Selbst Ballbesitz, «Tiki-Taka», die traditionelle Stärke der Katalanen, klappte da gar nicht. «Barcelona ist nicht mehr das Team früherer Jahre, Pressing existiert nicht mehr», stellte Gäste-Trainer Gennaro Gattuso fest. Der französische Weltmeister Antoine Griezmann kam zu allem Übel auch gegen Neapel nicht aus dem Formtief heraus.

Es gab aber auch positive Nachrichten: Der Niederländer Frenkie de Jong, der nach der Corona-Pause wegen einer Verletzung acht von elf Liga-Spiele verpasst hatte, zog am Samstagabend im Mittelfeld wie zu besten Ajax-Zeiten die Fäden. Die Abwehr vor ter Stegen, oft ein Schwachpunkt der Katalanen, präsentierte sich in der Sturm- und Drangperiode der Süditaliener ziemlich sattelfest.

Vor allem das Innenduo Gerard Piqué-Clement Lenglet. Und gegen die Bayern stehen mehrere Joker zur Verfüng, die gegen Neapel nicht zum Einsatz kamen. Stürmer Ansu Fati (17), Mittelfeldmann Riqui Puig (20) und nach langer Verletzungspause auch Ousmane Dembélé. Schafft der Ex-Dortmunder gar gegen die Bayern endlich den Durchbruch bei Barça?

Auch wenn die Katalanen in der Liga zuletzt zum Teil sehr schwach waren und den spanischen Liga-Titel erstmals seit 2017 an den Erzrivalen Real Madrid abgaben: Zu unterschätzen ist das Team, das als einziges zum 13. Mal in Serie ins Viertelfinale der Königsklasse einzog, sicher nicht.

Der umstrittene Setién, der laut Medien nur deshalb noch seinen Job hat, weil der Markt keine Alternative bot, soll sich mit seinen Schützlingen vor dem letzten Liga-Spiel bei Alavés (5:0) ausgesprochen und Differenzen auch mit Messi bereinigt haben. Er gab sich am Samstag Mühe, die heimischen Journalisten davon zu überzeugen, dass es Grund zur Hoffnung gibt. «Die Bayern sind ein großartiges Team, aber wir sind es auch. Es wird für uns so schwer wie für die werden», sagte der Coach.

© dpa-infocom, dpa:200809-99-97217/4

 

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