Bayer Leverkusen
Inter als Hürde zum Finale - Bosz: «Alles ist möglich»

Auf dem Weg ins Europa-League-Finale in Köln muss Bayer Leverkusen am 10. August zunächst Inter Mailand schlagen. Bayer-Coach Bosz betrachtet das Conte-Team als ganz starken Gegner. Vor seinem möglichen Wechsel nach England kommt Havertz eine Schlüsselrolle zu.

Sonntag, 09.08.2020, 17:13 Uhr aktualisiert: 09.08.2020, 17:16 Uhr
Leverkusens Trainer Peter Bosz ist sich sicher: «Kai ist konzentriert».
Leverkusens Trainer Peter Bosz ist sich sicher: «Kai ist konzentriert». Foto: Marius Becker

Düsseldorf (dpa) - Das Vorgeplänkel ist vorbei, mit dem Start der Europa-League-Endrunde in Nordrhein-Westfalen sind Fehltritte nicht mehr erlaubt. Coronabedingt gibt es in der verkürzten Turnierform von nun an nur noch Endspiele.

«Es ist hopp oder top. Wir schauen, dass wir in den Flow kommen, um vielleicht etwas Großes zu gewinnen», sagte Bayer Leverkusens Kapitän Lars Bender vor dem K.o.-Duell im Viertelfinale mit Inter Mailand am 10. August (21.00 Uhr/RTL und DAZN) in Düsseldorf.

Bayers Blick geht Richtung Finale, das am 21. August ausgerechnet auf der anderen Rheinseite im Stadion des Rivalen 1. FC Köln stattfindet. Doch diese Kröte würde man schlucken. Denn der bislang einzige internationale Titel - im Vorgänger-Wettbewerb UEFA-Cup - gelang 1988 und liegt mehr als 32 Jahre zurück. Zwei Siege nur noch - und der Traum vom Finale daheim wäre realisiert.

Bayer-Trainer Peter Bosz geht furchtlos in die Partie ohne Rückhalt durch die Zuschauer: «Wir fürchten keinen Gegner, aber wir haben Respekt für jeden Kontrahenten. Inter hat eine sehr gute und erfahrene Mannschaft. Aber sie hat natürlich auch Schwächen. Hoffentlich können wir Montag sehen, was das bedeutet», sagte der 56 Jahre alte Coach in der virtuellen Abschluss-Pressekonferenz am Sonntag. «Wir haben auch eine gute Mannschaft, dürfen uns aber nicht zu viele Fehler erlauben. Sonst wir es schwer.»

Eine Schlüsselrolle beim nach dem Aus von Wolfsburg und Frankfurt einzig verbliebenen Bundesliga-Team kommt Kai Havertz vor seinem möglichen Wechsel nach England zum FC Chelsea zu. Bayer-Coach Peter Bosz ist sich sicher, dass die andauernden Transferspekulationen den international begehrtesten deutschen Fußball-Nationalspieler in seinem Engagement und Leistungsvermögen nicht hemmen. «Kai ist konzentriert und sehr motiviert, er will Fußball spielen und mit uns etwas erreichen. Die Chance haben wir», sagte Bosz im Interview der «Bild am Sonntag» über den 21 Jahre alten Star der Werkself.

Havertz ließ sich bisher durch Berichte und Gerüchte nicht ablenken. Auch beim 1:0 im Achtefinal-Rückspiel gegen die Glasgow Rangers am vorigen Donnerstag in der BayArena zeigte er eine Klasse-Leistung, auch wenn er drei gute Torchancen ungenutzt ließ. Havertz kommt auch zu Gute, dass ihm seit Ausbruch der Corona-Pandemie wegen des Ausschlusses von Fans und dem spärlichen Medienkontakt großer Rummel erspart bleibt. Der Kreativspieler ist ohnehin niemand, der das Licht der Öffentlichkeit sucht. Stünde er nicht in Leverkusen unter Vertrag, wo das Medienaufkommen vergleichsweise überschaubar ist, sondern beim FC Bayern oder Borussia Dortmund, wäre der Wechselwirbel wohl ungleich größer.

Zudem zahlt es sich aus, dass Sportdirektor Simon Rolfes als auch Sport-Geschäftsführer Rudi Völler früh klarstellten, dass ein Wechsel von Havertz erst nach dem letzten Saisonspiel in Frage kommt. Gebetsmühlenartig wiederholt Völler dies und gibt Spekulationen für einen vorzeitigen Abgang von Havertz a la Timo Werner keinerlei Raum.

So zieht Havertz auch gegen Inter die Fäden. «Natürlich spielt Kai, das will er selbst ja auch. Ich bin da ein bisschen altmodisch: Für mich ist eine Saison erst dann vorbei, wenn alle Spiele absolviert sind. Vorher geht niemand weg», sagte Völler. Der 60-Jährige ist schon so lange im Geschäft, dass er bei der Wechsel-Frage entspannt bleibt und Unruhe im Team nicht zulässt. Die Sache sei «einigermaßen einfach», so Völler: «Er hat noch zwei Jahre Vertrag. Wenn jemand unsere Konditionen akzeptiert, ist das okay, sonst bleibt er noch ein Jahr und wir sind glücklich. Es wird nicht einfach, aber für so einen Künstler gibt es keinen Covid-Rabatt.» Im Raum steht eine Ablöse von rund 100 Millionen Euro.

Bosz kann sich ganz auf seine Traineraufgabe konzentrieren. Inter sei ein dicker Brocken, meinte der Niederländer, der Ajax Amsterdam vor drei Jahren ins Europa-League-Finale geführt hatte. «Wer Zweiter in Italien wird, kann nicht ganz so schlecht sein. Inter ist sicher einer der Turnier-Favoriten», sagte der 56-Jährige. «Aber natürlich wollen wir weiterkommen. Es ist ein K.o.-Spiel, alles ist möglich», sagte Bosz, der nur den gesperrten Charles Aránguiz ersetzen muss. Gelingt der Halbfinal-Einzug, trifft die Werkself eine Woche später in Düsseldorf auf den Sieger der Partie Schachtjor Donezk - FC Basel, die am Dienstag in Gelsenkirchen ausgetragen wird.

Auch Kevin Volland hat sich intensiv mit dem Team von Antonio Conte beschäftigt, das die Spanier aus Getafe mit 2:0 schlug. «Das ist schon eine bärenstarke Mannschaft», urteilt der Stürmer, aber: «Wir sind auch keine schlechte Truppe und haben das Potenzial, gegen einen solchen Gegner weiterzukommen.»

Voraussichtliche Aufstellungen:

Inter Mailand: Handanovič - Godín, De Vrij, Bastoni - D'Ambrosio, Barella, Brozović, Gagliardini, Young - Lukaku, Lautaro Martínez

Bayer Leverkusen: Hrádecký - L. Bender, Tapsoba, S. Bender, Sinkgraven - Demirbay, Palacios - Wirtz, Havertz, Diaby - Volland

Schiedsrichter: Carlos del Cerro Grande (Spanien)

© dpa-infocom, dpa:200809-99-97256/5

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