3. Spieltag
Kruse führt Union zum Rekordsieg - Mainz in der Krise

Mainz 05 rutscht immer tiefer in die Krise. Unter Interimscoach Jan-Moritz Lichte kassieren die Rheinhessen bei Union Berlin die nächste deftige Niederlage. Für die Eisernen geht der Trend nach oben. Maßgeblichen Anteil hat der endlich richtig fitte Max Kruse.

Freitag, 02.10.2020, 22:43 Uhr aktualisiert: 02.10.2020, 22:46 Uhr
Union-Stürmer Max Kruse (M.) feierte ein gelungenes Startelf-Debüt.
Union-Stürmer Max Kruse (M.) feierte ein gelungenes Startelf-Debüt. Foto: Andreas Gora

Berlin (dpa) - Die Eisernen klatschten sich freudestrahlend ab und schritten zur Ehrenrunde durch die Alte Försterei, die geschlagenen Profis des FSV Mainz 05 wollten nur noch schnell vom Platz.

Angetrieben vom glänzend aufgelegten Max Kruse hat der 1. FC Union Berlin die Krise der Rheinhessen beim Debüt von Übergangscoach Jan-Moritz Lichte massiv verschärft. Die Eisernen feierten beim 4:0 (1:0) den ersten Saisonsieg und ihren höchsten Erfolg in der Fußball-Bundesliga. Sie untermauerten dabei auch eindrucksvoll den zuletzt gezeigten spielerischen Aufwärtstrend.

«Wir haben sehr guten Fußball gespielt. Wir haben sehr gut in den Positionen gestanden, haben gemacht, was der Trainer gesagt hat, deswegen sind wir sehr zufrieden», sagte Kruse und gab zu: «Es war wieder ein geiles Gefühl, in der Bundesliga zu treffen.»

Kruse (13. Minute) bei seinem ersten Starteinsatz für Union, Marcus Ingvartsen (49.), Marvin Friedrich (63.) und der kurz zuvor eingewechselte Joel Pohjanpalo (64.) erzielten vor etwa 4500 euphorischen Zuschauern die Tore. Ein Viererpack war Union in der Bundesliga bislang noch nie gelungen. Die erschreckend harmlosen Mainzer kassierten die dritte Niederlage im dritten Spiel und müssen nach der nun anstehenden Länderspielpause dringend einen grundlegenden Neuanfang starten. Nach dem Spiel habe man das Gefühl, man müsse an allem arbeiten, sagte Lichte beim Sender DAZN. Die Situation der Mainzer bereits vor dem Spiel in Berlin dürfe keine Ausrede für so eine Niederlage sein.

Union-Trainer Urs Fischer hatte geblufft. Von Kruse in der Startelf war keine Rede gewesen. Mit der Nominierung sei seine Ansicht, dass er fit genug sei, belegt. «Jetzt gilt es, von Beginn an zu zeigen, wofür wir ihn verpflichtet haben», sagte der Schweizer kurz vor dem Anpfiff über den Ex-Nationalspieler. Und Kruse zeigte es. Den ersten sehenswerten Union-Angriff über Robert Andrich und Sheraldo Becker vollendete er per Kopfball zur Führung. Durch seine eiserne Tor-Premiere hat der 32-Jährige nun für sechs verschiedene Bundesliga-Clubs getroffen.

Doch Kruse zeigte sogar mehr. Als die Mainzer einmal schnell nach vorne stießen, sprintete der Mittelstürmer (20.) zurück in den eigenen Strafraum als hätte es die langwierige Knöchelblessur nie gegeben. Dieses Kollektivbewusstsein kommt an in Köpenick. Nach einem weiteren Union-Konter (27.) über Becker hätte Kruse fast vor der Pause noch nachgelegt. Auch Nico Schlotterbeck (30.) bot sich die Chance zum zweiten Tor.

Und Mainz? Lichte hatte das Team nach den Querelen und Turbulenzen und der Ablösung seines einstigen Chefs Achim Beierlorzer kaum verändert. Für den zum VfL Wolfsburg abgewanderten Ridle Baku, den gesperrten Moussa Niakhaté und Barreiro Martins rückten Philipp Mwene, Alexander Hack und Pierre Kunde ins Team. Die unveränderte Offensive konnte Unions solide Abwehr nicht überraschen. Für Torwart Andreas Luthe, der den Vorzug vor Liverpool-Leihgabe Loris Karius bekommen hatte, wurde es bis zur Halbzeitpause nicht einmal brenzlig.

Lange behielt Lichte seine Spieler in der Kabine. Der erhoffte Effekt verpuffte schnell. Ingvartsen konnte nach Flanke von Christopher Trimmel recht frei zum zweiten Tor einschieben. Auch Friedrich wurde bei seinem Kopfballtreffer nicht gestört. Und wenige Sekunden, nachdem Pohjanpalo für den nun erschöpften Kruse aufs Feld gekommen war, stocherte der Finne den Ball zu seinem Premierentreffer ins Tor. «Mittlerweile sind wir in der Bundesliga angekommen. Man spürt, dass mehr Erfahrung dabei ist», sagte Union-Profi Christopher Trimmel.

© dpa-infocom, dpa:201002-99-805592/3

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