Kicken in den Niederlanden
Mehr Wertschätzung? Götze vor Neuanfang in Eindhoven

Nach zuletzt unbefriedigenden Jahren in München und Dortmund nimmt Mario Götze einen neuen Anlauf. Unter der Regie von Trainer Roger Schmidt soll es für den WM-Helden von 2014 in Eindhoven aufwärts gehen. Damit nimmt er vorerst Abschied von der großen Bühne.

Mittwoch, 07.10.2020, 14:44 Uhr aktualisiert: 07.10.2020, 14:46 Uhr
Mario Götze hat beim PSV Eindhoven unterschrieben.
Mario Götze hat beim PSV Eindhoven unterschrieben. Foto: Daniel Karmann

Dortmund (dpa) - Eindhoven statt Berlin, Eredivisie statt Bundesliga, niederländische Beschaulichkeit statt Big-City-Rummel. Auf der langen Suche nach einem neuen Impuls für seine ins Stocken geratene Karriere ist Mario Götze fündig geworden.

In der Hoffnung auf mehr Spielanteile und Wertschätzung unterschrieb der zuletzt vereinslose Weltmeister von 2014 einen Zweijahresvertrag bei der PSV Eindhoven - und nicht wie zuletzt erwartet bei Hertha BSC. «Es ist sehr überraschend, dass es so gekommen ist», kommentierte Götze. «Ich fühle mich bereit für eine ganz andere Herausforderung und bin zuversichtlich, dass dies ein sehr angenehmer Übergang für mich sein wird.»

Nach monatelangen Spekulationen über einen Wechsel zur AS Monaco, einer Rückkehr zum FC Bayern und dem Interesse aus Berlin gab der vom ehemaligen Leverkusener Trainer Roger Schmidt gecoachte Tabellenzweite der niederländischen Liga am späten Dienstag den Coup bekannt. «Ich hatte viele Angebote diesen Sommer, aber ich bin ein Gefühlsmensch und treffe meine eigenen Entscheidungen», sagte der Siegtorschütze des WM-Finales von Rio. Gespräche mit seinem neuen Coach gaben nach eigenem Bekunden den Ausschlag: «Roger Schmidt, das Team, das passt. Ich bin am richtigen Ort, um meinen Fußball spielen zu können. Ich will dem Team helfen zu wachsen»

Das triste Dasein als Edelreservist, das dem 28-Jährigen zuletzt in Dortmund zu schaffen machte, soll ein Ende haben. Sein während der jüngsten Vereinssuche geäußerter Wunsch, einmal die Champions League gewinnen zu wollen, dürfte in Eindhoven jedoch kaum in Erfüllung gehen. Nach Stationen bei den Branchengrößen aus Dortmund und München muss sich Götze in Eindhoven fürs erste mit der Europa League begnügen. Die Unterschrift von Götze schürt beim einstigen Europapokalsieger der Landesmeister (1988) und UEFA-Pokal-Sieger (1978) die Hoffnung auf bessere Zeiten: «Wir sind sehr stolz», sagte PSV-Direktor John de Jong.

Für solch positive Signale ist der zuletzt leidgeprüfte Götze derzeit extrem empfänglich. Nach ersten Profi-Jahren mit steiler Erfolgskurve, zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg in Dortmund begann sein Stern mit dem Wechsel 2013 zum FC Bayern zu sinken. Diesen Trend konnte auch der historische WM-Treffer von Rio nicht umkehren. In München wurde Götze zwar dreimal Meister, aber nie wirklich glücklich. Und auch die Rückkehr 2016 nach Dortmund trug nicht zur erhofften Wende bei. Eine Stoffwechselstörung brachte ihn früh aus dem Tritt. Deshalb fehlte er den Dortmundern fast die komplette erste Jahreshälfte 2017.

Zuletzt war für Götze im System von Trainer Lucien Favre kein Platz mehr. Dennoch wurde mit beim BVB lange über eine Verlängerung des bis 2020 datierten Vertrages verhandelt. Weil der einstige Superstar in der Gehaltsliste weiter oben stand, als es seine sportliche Bedeutung für das Team widerspiegelte, verliefen diese Gespräche jedoch erfolglos.

Anders als seine einstigen WM-Kollegen André Schürrle und Benedikt Höwedes, die ihre Karrieren überraschend früh beendeten, wagt der Mittelfeldspieler einen Neuanfang. Ein Foto auf der Homepage seines neuen Clubs zeigt ihn in kämpferischer Pose mit geballten Fäusten. Entscheidend für den Erfolg von Götze dürfte sein, wie er sich mit dem von Schmidt favorisierten sehr laufintensiven Fußball arrangiert.

Obwohl er als vereinsloser Spieler nicht an Transferfristen gebunden war, drängte die Zeit. Denn alle Europapokal-Teilnehmer mussten bis Dienstag noch ihre Spieler-Meldelisten für die Champions League und die Europa League an die UEFA übermitteln. «Mario war sofort interessiert, nachdem unser Cheftrainer Roger Schmidt Kontakt mit ihm aufgenommen hatte. Und am Ende erwies er sich als der Glücksfall, auf den wir gehofft hatten», sagte de Jong.

Begleitet wird der Götze-Transfer von guten Wünschen aus Berlin. «Ich wünsche ihm nur das Beste, dass er wieder zu alter Stärke findet. Es ist ein verdienter Spieler in der Bundesliga gewesen, der noch jung genug ist», befand Hertha-Coach Bruno Labbadia. Ähnlich wohlwollend äußerte sich Manager Michael Preetz: «Ich wünsche ihm viel Erfolg und dass er in der Lage ist, seinen besten Fußball zu spielen in den nächsten Jahren.»

© dpa-infocom, dpa:201007-99-856659/3

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7621266?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686210%2F2686767%2F
Nachrichten-Ticker