Neuer Trainer des 1. FC Köln
Heißsporn statt Spaziergänger: Rentner Funkel gibt Comeback

Eigentlich wollte Friedhelm Funkel jetzt zehn Wochen mit dem Wohnmobil durch Neuseeland reisen. Oder nach Namibia oder Botswana. Corona machte dem Rentner einen Strich durch die Rechnung. Also sitzt er wieder auf der Trainer-Bank.

Freitag, 16.04.2021, 15:29 Uhr aktualisiert: 16.04.2021, 15:32 Uhr
Friedhelm Funkel, der neue Trainer des 1. FC Köln.
Friedhelm Funkel, der neue Trainer des 1. FC Köln. Foto: Federico Gambarini

Köln (dpa) - Friedhelm Funkels Programm im selbst gewählten Ruhestand klang nicht sehr aufregend: «Ich bin viel gelaufen, habe ausgiebig gefrühstückt, viel gelesen, mich mit meinem Bruder getroffen und zwei Mal die Woche meine Mutter besucht.»

«Ab und zu war ich mit meiner Frau spazieren und habe viel Fußball geschaut. Ich wusste mich schon zu beschäftigen, aber manchmal kam ein Stück Langeweile auf», erzählte der 67-Jährige in einem Interview mit Sport1.

Es war wegen der Pandemie eben nicht der Ruhestand, den sich Funkel nach fast 50 Jahren im Profi-Fußball vorgestellt hatte. So war er beim Hilferuf des 1. FC Köln, einem seiner zehn Ex-Vereine als Trainer, Feuer und Flamme. Er widerrief sein Karriere-Ende. Und gibt am Samstag sein Comeback dort, wo eigentlich alles hätte aufhören sollen: In einem rheinischen Derby bei Bayer Leverkusen. Nach einem solchen und einer 0:3-Niederlage war er 2020 bei Fortuna Düsseldorf beurlaubt worden. «Solche Geschichten schreibt der Fußball», sagte Funkel dazu lachend.

Und der Friedhelm Funkel, den man vom 17. April (15.30 Uhr/Sky) an der Seitenlinie erleben wird, wird mit einem gemächlichen Rentner wenig gemeinsam haben. Dass er nach über 1000 Profi-Spielen als Spieler und Trainer erstmals ein Geisterspiel erleben wird, verunsichert den während der 90 Minuten als Heißsporn bekannten Coach deshalb durchaus ein wenig. «Ich bin ein Trainer, der an der Seitenlinie sehr impulsiv agiert und auch viele Dinge rein ruft, die man besser nicht hören sollte», sagte er der «Kölnischen Rundschau»: «Wenn ein Mikrofon zu nah an der Coachingzone stand, habe ich mir rausgenommen, es einfach weiter wegzustellen. Jetzt muss ich mir meine Wortwahl genau überlegen. Das wird eine riesige Umstellung für mich.»

Doch genau diese Emotionalität des abseits des Spielfeldes so gelassen daherkommenden Funkel hält Kölns Club-Ikone Lukas Podolski für die nun entscheidende Eigenschaft im Abstiegskampf. «Der ganze Club braucht es: Feuer, Mut und Leidenschaft. Das hat die letzten Monate gefehlt, das muss Funkel wecken», sagte der ehemalige Weltmeister, der insgesamt 14 Jahre für den FC spielte, dem «Express».

«Mir plätschert das alles so die letzten Wochen zu sehr Richtung Untergang hin, ohne dass man sich richtig wehrt», sagte Podolski, der sein Profi-Debüt für Köln 2003 einen Monat nach dem Ende von Funkels erster Amtszeit bestritt. Der neue alte Trainer sei «jetzt der richtige Typ, um das zu ändern». Schon in Leverkusen sieht Podolski eine Chance für den Tabellenvorletzten. «Leverkusen spielt doch auch seit Wochen Driss», sagte der 35-Jährige in rheinischem Slang.

Auch Karneval-Fan Funkel («2020 war ich drei Tage in Köln, von Karnevalssamstag bis -montag»), der sich durchaus vorstellen könnte, nach der Sechs-Spiele-Mission als Berater im Verein zu bleiben, will am Samstag gleich punkten. Denn die Zeit drängt. Dennoch habe er es gut gefunden, dass Heldt nach dem ersten vorsichtigen Kontakt im Januar lange an Vorgänger Markus Gisdol festhielt. «Auch wenn das jetzt bedeutet, dass ich jetzt weniger Zeit habe, mit der Mannschaft zu arbeiten», wie er dem «Geissblog» sagte. Eines sei für ihn angesichts von drei Punkten Rückstand auf Rang 16 klar: «Ich könnte mit dem Relegationsplatz nach 34 Spieltagen leben.»

Das Spiel in Leverkusen bezeichnet er jedenfalls nicht als Derby. «Für mich ist es mehr ein rheinisches Duell», sagte Funkel: «Aus der Entfernung und aus meiner damaliger Zeit stieg immer gegen Borussia Mönchengladbach das eigentliche Derby. Das habe ich noch so in Erinnerung.» Die Fans werden diese Aussage feiern. Viele verweigern den Begriff «Derby» für das Duell mit dem Werksclub, obwohl die beiden Stadien mit 14,66 Luftlinie sogar näher beieinander liegen als die Arenen der beiden Berliner Vereine Hertha BSC und Union (23,09).

© dpa-infocom, dpa:210415-99-221997/6

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