Do., 22.03.2018

Skifliegen in Planica Finaler Weltcup: Weltrekordjagd bei Sonne und Volksmusik

Möchte beim Skisprung-Finale in Planica seinen zweiten Gesamtweltcup-Platz verteidigen: Richard Freitag.

Möchte beim Skisprung-Finale in Planica seinen zweiten Gesamtweltcup-Platz verteidigen: Richard Freitag. Foto: Daniel Karmann

Sie liegen acht Sekunden in der Luft und fliegen über 250 Meter: Beim Skifliegen in Planica gibt es fast keine Grenzen mehr. Das Finale des Winters ist wie ein großes Volksfest. Olympiasieger Wellinger und  Flug-Weltmeister Tande müssen bei dem Spektakel aber zuschauen.

Von dpa

Planica (dpa) - Ein Flug über 250 Meter, acht Sekunden in der Luft: Wenn im slowenischen Planica an diesem Wochenende die Saison der Skispringer zu Ende geht, ist wie immer der Skiflug-Weltrekord in Gefahr.

Einst galten 200 Meter als magische Marke, inzwischen sind die Adler einige Schritte weiter: 253,5 Meter flog der Österreicher Stefan Kraft im vergangenen Jahr in Vikersund. Eine utopisch klingende Bestmarke, die Kamil Stoch, Richard Freitag und Co. nun in Planica noch einmal toppen wollen, um sich dann selbst stolz «Skiflug-Weltrekordhalter» nennen zu dürfen.

Einen Vorgeschmack auf die spektakuläre Flug-Show lieferten die Protagonisten bereits am Donnerstag in der Qualifikation. Der krisengeplagte Weltcup-Rekordsieger Gregor Schlierenzauer egalisierte den 253,5-Meter-Weltrekord von Landsmann Kraft, griff aber nach dem Aufsprung in den Schnee. Sieger der Quali wurde Johann Andre  Forfang aus Norwegen, der mit 241 Metern überzeugte. Eine herbe  Enttäuschung erlebte Olympiasieger Andreas Wellinger, der als 56. in der Quali scheiterte und am Freitag zuschauen muss.

Seit 2005 wird die letzte Adler-Weitenjagd des Winters in der slowenischen Provinz an der Grenze zu Österreich ausgetragen. Im «Tal der Schanzen», wie Planica wegen seiner zahlreichen Anlagen häufig genannt wird, ist vieles anders. Die Wintermützen sind bei vielen wegen des meist herrlichen Sonnenscheins schon verstaut, stattdessen sind Sonnenbrillen und slowenische Fahnen die gängigen Accessoires.

Und immer, wenn ein Skispringer über 200 Meter fliegt, erklingt traditionell «Planica, Planica», ein zünftiges Volksmusiklied von Slavko Avsenik. An einem normalen Flug-Wochenende dürfen die Fans weit über 100 Mal lauschen und mitsingen. Die Sportler lieben die Faszination Skifliegen: Auf den größten Schanzen der Welt wird weder während der Saison noch im Sommer trainiert. Acht Sekunden in der Luft liegen, das dürfen sie nur bei den regulären Wettkämpfen.

Doch der letzte Weltcup nach vier Monaten Skisprung-Saison steht nicht nur für Frühling, Sonne und Volksfeststimmung. Für die Adler geht es beim Finale auch noch einmal um Wertungssiege, Prestige und Geld. DSV-Topathlet Freitag zum Beispiel möchte seinen zweiten Platz im Gesamtweltcup verteidigen. Der 26-Jährige liegt 65 Punkte vor dem norwegischen Flug-Weltmeister Daniel Andre Tande. Dieser muss wie Wellinger aber am Freitag zuschauen, weil er als 41. knapp in der Vorausscheidung scheiterte.

«Es ist eine persönliche Geschichte vom Richard, dass er sich in Szene setzt und den verdienten Lohn einfährt», sagte  Bundestrainer Werner Schuster vor dem Auftakt am Freitag (15.00 Uhr). Tournee-Sieger Kamil Stoch ist der zweite Gesamtweltcup-Sieg nach seinen jüngsten Erfolgen auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen.  Freitag will den Abschluss nach einer bewegten Saison mit Sturz bei der Tournee und erster Olympia-Medaille «einfach nur genießen».

Auf den starken Auftakt mit Weltcup-Einzelerfolgen von Freitag und Wellinger erlebte das DSV-Team in den Wochen nach Pyeongchang einen Knick. Auf den Anlagen in Finnland und Norwegen lief es zuletzt nicht mehr so wie gewünscht. «In Planica wollen wir eine erfolgreiche Saison mit vielen großartigen Momenten positiv beenden», sagte Schuster, der dabei auch auf den aufstrebenden Markus Eisenbichler setzt.

Ein «besonderes Highlight» sei der für Samstag (10.00 Uhr) angesetzte Teamwettkampf, befindet Schuster. Dort wollen die DSV-Adler unbedingt noch einmal auf das Podest klettern, nachdem es zuletzt zweimal nur für den vierten Platz gereicht hatte. Favorit ist das Quartett aus Norwegen, das in Vikersund zuletzt mit einem Vorsprung von umgerechnet über 200 Metern das Teamspringen gewann.



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