Missbrauchsvorwürfe
Frankreichs Eissport-Verbandschef tritt zurück

Paris (dpa) - Frankreichs Eissportverband-Präsident hat mehrere Tage nach Bekanntwerden von Missbrauchsvorwürfen im Eiskunstlauf seinen Rücktritt angekündigt. Er habe die Entscheidung getroffen, mit Würde von seinem Posten als Verbandspräsident zurückzutreten, sagte Didier Gailhaguet in Paris.

Samstag, 08.02.2020, 17:43 Uhr aktualisiert: 08.02.2020, 17:46 Uhr
Als Frankreichs Eissportverband-Präsident zurückgetreten: Didier Gailhaguet.
Als Frankreichs Eissportverband-Präsident zurückgetreten: Didier Gailhaguet. Foto: Francois Mori

Er halte seinen Kopf hoch, auch angesichts der Ungerechtigkeit. Maryvonne del Torchio werde als Interimspräsidentin eingesetzt, sagte Gailhaguet. Der 66-Jährige prangerte eine «ministerielle Diktatur» an.

Sie nehme den Rücktritt zur Kenntnis, sagte Frankreichs Sportministerin Roxana Maracineanu. «Es ist ein erster Schritt. Wir sprechen über schwerwiegende Fälle.» Sie führe keinen persönliche Kampagne gegen Gailhaguet, betonte die Ministerin. Es handele sich um Funktionsstörungen in einem Verband und institutionalisiertes Schweigen, das behoben werden müsse. Die Sportministerin kündigte an, dass ab Montag im Rahmen einer Generalinspektion mit Sportlern, Trainern und Familien im Eissportverband gesprochen werde.

Maracineau hatte bereits zu Beginn der Woche den Rücktritt Gailhaguets gefordert. Dieser wehrte sich und erklärte, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Vorwürfe, er habe Fälle des Missbrauchs vertuscht, wies er zurück.

Die schweren Missbrauchsvorwürfe der ehemaligen französischen Eiskunstläuferin Sarah Abitbol gegen ihren Ex-Trainer hatten ein Beben in der französischen Sportwelt ausgelöst. Die heute 44-Jährige wirft ihrem ehemaligen Coach vor, sie Anfang der 1990er-Jahre als Jugendliche mehrfach vergewaltigt zu haben. Im Zuge dessen wurden auch Missbrauchsvorwürfe von anderen Eiskunstläuferinnen bekannt - auch Fälle aus anderen Sportarten wie Schwimmen wurden öffentlich.

Die Pariser Staatsanwaltschaft leitete inzwischen Vorermittlungen im Fall Abitbol ein. Mit den Vorermittlungen sollten auch weitere mögliche Opfer identifiziert werden.

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