Titelkämpfe in Pokljuka
Herrmann mit viel Optimismus zur Biathlon-WM

In Pokljuka hat Denise Herrmann schon gewonnen, auch Weltmeisterin war die Sächsin in der Vergangenheit bereits. Vor der WM in Pokljuka erinnert sich die 32-Jährige am liebsten an das Positive. Denn die letzten Monaten verliefen nicht wie geplant.

Sonntag, 07.02.2021, 13:17 Uhr aktualisiert: 07.02.2021, 13:20 Uhr
Denise Herrmann liegt mit Platz zwölf im Gesamtweltcup hinter ihren Erwartungen zurück.
Denise Herrmann liegt mit Platz zwölf im Gesamtweltcup hinter ihren Erwartungen zurück. Foto: Matthias Schrader

Pokljuka (dpa) - Es gibt Rennen, die Biathletinnen nie vergessen. Vor allem dann, wenn zum ersten Mal alle 20 Schüsse im Ziel landen.

«Ich hoffe, das ist ein gutes Omen», sagte Denise Herrmann und dachte an den 24. Januar 2020 zurück. Vor gut einem Jahr gewann die Sächsin das Weltcup-Einzel in Pokljuka überlegen. Ohne Schießfehler, mit einer Minute Vorsprung. Es war ein «Meilenstein» für die Ex-Langläuferin - und nun geht es nach Slowenien zurück. Bei der WM ab Mittwoch will Herrmann mindestens wieder eine Medaille gewinnen. Die Vorzeichen sind für die 32-Jährige aber andere als in den vergangenen Jahren.

Nach dem letzten Weltcup in Antholz brauchte Herrmann erstmal eine Pause. Eine Woche habe sie die «Waffe in die Ecke gestellt» und «gar nicht angefasst», sagte die Ex-Weltmeisterin in der Verfolgung der Deutschen Presse-Agentur. «Man verlernt das grundsätzlich ja nicht und muss auch mal wieder auf das Vertrauen, was man eigentlich kann», sagte sie zu ihren Schießleistungen und ergänzte: «So ein kleiner Reset und das Formatieren der Festplatte ist da manchmal ganz gut.»

Denn am Schießstand lief es in diesem Winter ziemlich durchwachsen. Ihre Trefferquote von 79 Prozent (84 liegend, 75 stehend) ist nur Mittelmaß. Einem zweiten Platz zum Saisonauftakt folgten zu viele Enttäuschungen. Sie wollte um den Sieg im Gesamtweltcup mitkämpfen, liegt als Zwölfte aber weit zurück. Ein Fehler war es nicht, diesen Anspruch offensiv zu formulieren. «Wenn man Dritte im Gesamtweltcup war, muss es das Ziel sein, das zu bestätigen oder besser zu sein», sagte sie. Ihr seien aber «ein paar zu viele Patzer passiert», sagte Herrmann und hofft nun, «dass die Zeit, die ich mir gerade gegeben habe, ausreicht, damit ich wieder mental frisch bin.»

Auf der Hochebene Pokljuka gab Herrmann im Dezember 2016 ihr Debüt bei den Skijägerinnen. Erst mit 27 Jahren war sie zum Biathlon gewechselt - und schaffte trotzdem schnell den Durchbruch. Drei Medaillen bei der WM 2019, zwei im Vorjahr - und jetzt? «Klar ist der Wunsch, mit Edelmetall nach Hause zu fahren», sagte sie. Als deutsche Nummer eins kommt jedoch Franziska Preuß zur Weltmeisterschaft. «Das ist schon schön zu sehen, dass im Team so starke Mädels dabei sind», sagte Herrmann vom WSC Erzgebirge Oberwiesenthal ohne Neid. Denn so steht die siebenmalige Weltcupsiegerin nicht ganz so stark im Fokus.

«Viel» sei trotzdem von ihr zu erwarten, sagte Bundestrainer Mark Kirchner und ergänzte: «Auf einem hohen Leistungsniveau ist das manchmal ein Tanz auf der Rasierklinge.» Wenn Kleinigkeiten nicht stimmen, so wie bei Herrmanns Auftritten am Schießstand, «muss man hart ringen um seine Leistungen», sagte der dreimalige Olympiasieger, der kein bisschen an seiner erfahrensten Athletin zweifelt: «Dass sie es draufhat, weiß sie. Und das wissen auch wir als Trainer.»

Noch ist offen, ob Herrmann schon am Mittwoch (15.00 Uhr/ARD und Eurosport) zum WM-Auftakt in der Mixedstaffel dabei ist oder erst am Samstag im ersten Einzelrennen, dem Sprint, startet. Die Vorfreude ist jedenfalls groß. «Die Strecken liegen mir ziemlich gut. Ich bin froh, dass sie noch mal verschärft wurden», sagte die 1,75 Meter große Sportsoldatin, die in der Loipe das Tempo vorgeben kann. Und auch um ihre Auftritte am Schießstand sorgt sie sich nicht mehr: «Das System sollte jetzt passen und man sollte darauf vertrauen.»

© dpa-infocom, dpa:210206-99-331165/3

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