Weltmeisterschaft in Aspen
Snowboard-Artisten um Höflich wollen bei WM verblüffen

Etliche Jahre standen die Freestyle-Snowboarder in Deutschland ganz klar im Schatten der Raceboarder. Auch wenn sie die Erfolge ihrer Teamkollegen noch nicht erreichen, ist das Potenzial riesig.

Montag, 08.03.2021, 13:36 Uhr aktualisiert: 08.03.2021, 13:38 Uhr
André Höflich ist einer der besten Halfpipe-Snowboarder der Welt.
André Höflich ist einer der besten Halfpipe-Snowboarder der Welt. Foto: Matthias Balk

Aspen (dpa) - André Höflich schießt aus der Halfpipe hoch, drei Meter, vier Meter, fünf Meter, streckt sich wie ein Bogen durch, greift mit einer Hand hinter dem Rücken sein Snowboard und scheint für einen Moment in der Luft stehen zu bleiben.

Dieser technischen Höchstschwierigkeit folgen weitere atemberaubende Tricks, Salti, Drehungen, ehe der Sportler aus Kempten am Fuße der halben Röhre zufrieden abschwingt. Und selbst die ganz Großen staunen.

Der 23-Jährige aus Kempten ist einer der besten Halfpipe-Snowboarder der Welt. Bei den Weltmeisterschaften in dieser Woche in Aspen will der Allgäuer ebenso für Furore sorgen wie seine Teamkollegen Annika Morgan und Leon Vockensperger. Nach Jahren, in denen deutsche Freestyle-Snowboarder den Weltstars zumeist weit hinterher fuhren, hat das Trio Snowboard Germany wieder heiß ins Gespräch gebracht.

Die Leute in der Szene «freuen sich mega», dass mal wieder ein Deutscher am Start ist, erzählt Höflich der Deutschen Presse-Agentur. Seit der vorigen Saison schafft es der trainingsfleißige Youngster regelmäßig in die großen Halfpipe-Finals. In der Königsdisziplin mit ihren Stars wie US-Ikone Shaun White waren letztmals in den Nullerjahren schwarz-rot-goldene Farben zu sehen.

Beim einzigen Weltcup in diesem Corona-Winter, den prestigeträchtigen Laax Open in der Schweiz, kam Höflich auf Platz vier. Auch wenn er sein erstes Podest knapp verpasste, sorgte er mit seinem ersten Trick für Aufsehen unter den Snowboardern. Diesen sogenannten «Switch Backside Air Method» hat kein anderer Halfpipe-Artist aktuell im Repertoire. «Das ist meine Unterschrift», schildert Höflich stolz.

Seine Signatur will der Allgäuer dauerhaft bei den wichtigsten Events anbringen - dabei geht Langfristigkeit vor schnellem Erfolg. «Ich muss mich selber bremsen», sagt er. «Ich muss konstant werden, damit ich das dann in der Olympia-Saison nutzen kann.» Höflich ist kein unvernünftiger Draufgänger wie manch anderer, der für einen Coup Kopf und Kragen riskiert. «Ich werde keine Dummheiten und Tricks probieren, die ich nicht wirklich kann», schildert er.

Michael Dammert hört so etwas gern, der deutsche Freestyle-Chefcoach ist da ganz bei seinem Vorzeigesportler. Dieser könne «auf jeden Fall» Medaillen bei WM und Olympia gewinnen. Aber «ich mache ihm keinen Druck. Die Strategie ist, ihn über die Winterspiele 2022 in Peking hinaus aufzubauen. «Der André ist extrem fokussiert und extrem motiviert. Er hat seine Ziele klar im Blick und arbeitet konstant darauf hin.» Mit aktuell erst 23 Jahren könne er «auch in sechs Jahren bei Olympia noch ganz oben stehen», sagt Dammert der dpa.

Davon hatte Höflich schon geträumt, als er noch als kleiner Bub von seinen Eltern von Wettkampf zu Wettkampf, von Training zu Training gefahren wurde. Als Freestyle-Snowboarder hat man in Deutschland einen Wettbewerbsnachteil, gibt es doch keine adäquaten Skigebiete mit Halfpipes. Also musste und muss Höflich immer nach Österreich oder in die Schweiz. «Ohne meine Family wäre ich nie dahin gekommen, wo ich jetzt bin», sagt er. «Ihre Unterstützung war und ist riesig.»

Von ihrer Familie profitiert auch Annika Morgan - schließlich führte sie ihr Bruder Ethan als ehemaliger Weltcup-Starter in die Welt des Freestyle-Snowboardens ein. Anders als der eifrige und eher kalkulierende Höflich verkörpert die 19-Jährige mehr das Freigeistige der Sportart. «Sie geht ganz unbeschwert und mit einer Riesenfreude an die Sache heran», schildert Coach Dammert. «Sie nimmt die Erfolge mit, klar. Aber eigentlich macht sie es, weil sie Bock hat.»

Die Mittenwalderin ist in Aspen für die Disziplinen Slopestyle - also dem Mix aus Sprüngen und Geländern zum Rutschen - sowie Big Air über eine riesige Rampe vorgesehen. In Laax war sie 2020 Weltcup-Vierte geworden, in diesem Winter in Kreischberg kam sie auf Platz sechs.

Für den einzigen deutschen Podestrang hatte in dieser Saison sensationell Leon Vockensperger gesorgt, der Slopestyle-Zweiter in Laax wurde. «Was passiert hier gerade?!», hatte der Rosenheimer (21) im Januar nach seinem Erfolg immer wieder gestammelt. Obwohl er sich zuletzt im Training an der Schulter verletzte, will er bei der WM antreten - und wie Höflich und Morgan mit seinen Tricks verblüffen.

© dpa-infocom, dpa:210308-99-736028/2

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