So., 08.01.2012

Eisschnelllauf Pechsteins 56. Medaille: Silber bei Wind-Lotterie

Budapest (dpa) - Völlig ausgepumpt fiel sie ihrem Freund in die Arme und strahlte vor Glück: Claudia Pechstein hat bei der Wind-Lotterie das silberne Los gezogen und ihre elfte Medaille bei Eisschnelllauf-Europameisterschaften erkämpft.

Von dpa

Zum Abschluss der Titelkämpfe auf dem gefrorenen See des Budapester Stadtparks stürmte die Berlinerin auf ihrer Spezialstrecke über 5000 Meter von Platz vier doch noch auf das Siegerpodest. Es war in ihrer mehr als 20-jährigen Karriere ihre 56. Medaille bei Olympia oder internationalen Titelkämpfen (14 Gold/28 Silber/14 Bronze).

Ihren vierten EM-Titel - den dritten in Serie - sicherte sich die Tschechin Martina Sablikova, die in 7:22,38 Minuten souverän auch die 5000 Meter gewann, den Bahnrekord der Berliner Rivalin aber knapp verfehlte. Pechstein wurde sechs Wochen vor ihrem 40. Geburtstag in einem perfekten Rennen gegen die Uhr in 7:34,51 Zweite und verdrängte die nach drei Strecken noch 7,66 Sekunden vor ihr liegende Olympiasiegerin Ireen Wüst aus den Niederlanden noch um 0,14 Punkte vom Silberplatz.

«Ich habe eine Medaille und die Ü 39-Kategorie gewonnen. Silber freut mich riesig, denn ich hatte immer nur auf Bronze spekuliert, sagte die fünfmalige Olympiasiegerin. «Ich habe mich nur auf die Zeit von Wüst konzentriert und bin auch auf dem weichen Eis nie unruhig geworden, dass es heute schief gehen könnte. Ich wusste: Ich bin die bessere 5000-Meter-Läuferin», meinte Pechstein strahlend, während Wüst mit starrem Blick das Rennen der Gegnerin verfolgte und schon drei Runden vor Schluss mit langem Gesicht die Kabine aufsuchte.

Zuvor hatte Pechstein angemerkt, sie habe das Gefühl, dem Weltverband ISU mit jedem Gang auf das Podest «eine schallende Ohrfeige zu verpassen». Vor genau drei Jahren war sie nur vier Wochen nach dem Gewinn ihres dritten EM-Titels von der ISU wegen schwankender Blutwerte für zwei Jahre gesperrt worden und kämpft seitdem um ihre Reputation. Hämatologen hatten ihr eine Blutanomalie als Grund für ihre Werte bescheinigt. Ihre Aussage, ISU-Vizepräsident Jan Dijkema habe eingeräumt, dass ihm die Sperre leidtue, wurde von dem Niederländer dementiert. «Das ist Blödsinn. Mehr sage ich dazu nicht», erklärte Dijkema in Budapest der Nachrichtenagentur dpa.

Heftig diskutiert wurde vor der Traumkulisse des Vajdahunyad-Schlosses der Sinn weiterer Open-Air-Veranstaltungen. «Ich bin sicher, wir haben hier die letzten Titelkämpfe unter freiem Himmel erlebt», prophezeite Bundestrainer Stephan Gneupel angesichts der irregulären Bedingungen mit ständig wechselnden Böen, die auf einigen Strecken für ungewöhnliche Ergebnisse sorgten.

Profitieren konnte davon ein wenig die Berlinerin Isabell Ost, die sich dank eines sechsten Platzes über 3000 Meter erstmals in das Finale kämpfte. Nach Rang sieben über 5000 Meter wurde sie am Ende Zehnte. Damit dürfen die deutschen Damen bei der WM in Moskau Mitte Februar zwei Startplätze beanspruchen.

Bei den Herren kehrte Rekordweltmeister Sven Kramer nach einjähriger Verletzungspause mit einem Paukenschlag zurück aufs Eis und erkämpfte mit drei Streckensiegen seinen fünften EM-Titel. Silber ging an seinen Landsmann Jan Blokhuijsen, Bronze holte der Norweger Havard Bökko. Patrick Beckert vergab als 17. über 1500 Meter die Chance, das Rennen der zwölf Besten über 10 000 Meter zu bestreiten. Dank Rang 14 nach drei Strecken sicherte der Erfurter aber ein Ticket für die Moskauer WM, während der Inzeller Moritz Geisreiter als 21. enttäuschte.



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