Hans Hellwich kontrolliert den Spielereingang und sieht fast kein Spiel
Der etwas andere Torhüter: Hans Hellwich – Mittendrin und nie dabei

Münster -

Hans Hellwich hat seit Ewigkeiten keine Stadtmeisterschaft in der Halle verpasst – und dabei so gut wie kein Spiel gesehen. Hellwich ist der Mann – nein, nicht im sondern am Tor. Am Spielereingang ist der Gievenbecker der freundliche Zerberus, der jeden durchlässt, der durch darf. Wer nicht durch darf, der bleibt auch draußen ...

Freitag, 27.12.2019, 20:42 Uhr aktualisiert: 29.12.2019, 16:08 Uhr
Packt mit an: Hans Hellwich, die gute Seele am Spielereingang
Packt mit an: Hans Hellwich, die gute Seele am Spielereingang Foto: Peter Leßmann

Als die Stadtmeisterschaften noch in der Unihalle stattfanden, war er Zuschauer. Mit dem Umzug in die Halle Münsterland und später zum Berg Fidel hatte Hans Hellwich seinen Platz gefunden. Er wurde der Kontrolleur am Spielereingang. „Seit 1980 stehe ich da und sehe zu, dass alles reibungslos vonstatten geht.“ Inzwischen ist Hellwich 67 und seit eineinhalb Jahren Rentner. Vorher hat er 50 Jahre bei Winkhaus gearbeitet. In welcher Funktion? „Vom Fegen bis zum Programmieren alles.“

Es gab Zeiten, da war der Job am Spielereingang nicht unbedingt angenehm. „Da flogen schon mal die Klamotten“, erinnert sich Hellwich, dass so manch ungebetener Gast auf unkonventionelle Art und Weise Einlass erhalten wollte. Aber nicht mit Hans Hellwich. „Man muss einstecken, aber auch austeilen können“, sagt er mit einem verschmitzten Lächeln.

Inzwischen sieht es aber anders aus. Man kennt sich, geht respektvoll miteinander um, bleibt ruhig. „Es ist alles in Ordnung“, stellt Hellwich fest und lässt die nächsten Spieler rein. Gibt es denn nicht die Nassauer, die rasch „für lau“ reinrutschen wollen? Hellwich schüttelt den Kopf.

Wie er an den wenig attraktiven Job gekommen ist, weiß Hellwich selbst nicht genau. „Ich habe das einfach so übernommen. Alles zum Wohle des Vereins.“ Und dass er kaum ein Spiel sehen kann? „Das stört mich nicht.“ Stand heute ist davon auszugehen, dass der gute Geist am Nebeneingang auch bei der nächsten Auflage genau dort seinen Mann stehen wird. Da wo es zieht, wo ständig jemand durchläuft, wo Siege gefeiert und Niederlagen verkraftet werden. Dass irgendwann mal eine Ablösung für ihn fällig ist, das sollte jedem klar sein. Aber wenn man niemanden findet? „Man muss.“

Ehrenamt ist etwas, das Hans Hellwich lebt. 40 Jahre hat er im Verein die Jugend trainiert, auf Asche am Arnheimweg ging alles los. Dass der 1. FC Gievenbeck inzwischen in höheren sportlichen Sphären angekommen ist, das freut ihn sehr und macht ihn auch ein wenig stolz.

Für Hans Hellwich ist es selbstverständlich, dass er im Verein ehrenamtlich tätig ist. So wie ganz viele andere. Im Übrigen beschränkt sich sein Job beim Turnier nicht nur auf den Kontrolleur an der Tür, auch beim Auf- und Abbau packt er mit an. „Dabei verbessern wir uns von Jahr zu Jahr. Man lernt halt nie aus.“ Nach den Titelkämpfen gibt es für alle Helfer ein Essen, das war es. Für Hellwich völlig okay. „Du brauchst die Veranstaltung nicht durchzuführen, wenn du Geld zahlst.“

Was ihm Sorgen bereitet? „Der Stellenwert des Ehrenamtes ist bei der jungen Generation nicht unbedingt ganz oben angesiedelt.“ Das macht er nicht nur daran fest, dass auch in Gievenbeck die fleißigen Helfer nicht auf dem Baum wachsen. Auch beim Spielbetrieb hat so mancher Akteur die Prioritäten anders verteilt. Training und Spiel sind nicht unbedingt unumstößliche Termine. „Und leider ziehen auch die Eltern nicht immer mit.“ Gut, dass es Männer wie Hans Hellwich gibt.

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