Volleyball: Interview mit Bundestrainer Felix Koslowski
DVV-Coach Felix Koslowski hat große Träume

Münster -

Er hat eine wahnsinnige Karriere hinter sich – und wohl auch noch vor sich. Felix Koslowski, Bundestrainer der Volleyballerinnen, will seine Mädels auf WM-Kurs bringen und träumt von Olympia. Am Freitagabend weilt er mit der DVV-Auswahl in Münster.

Donnerstag, 18.05.2017, 16:23 Uhr
Im Dialog: Bundestrainer Felix Koslowski (33/links) und sein 17 Jahre älterer Assistent Andreas Vollmer. Der 50-Jährige coachte in den beiden vergangenen Jahren den Bundesligisten USC Münster.
Im Dialog: Bundestrainer Felix Koslowski (33/links) und sein 17 Jahre älterer Assistent Andreas Vollmer. Der 50-Jährige coachte in den beiden vergangenen Jahren den Bundesligisten USC Münster. Foto: imago sportfotodienst

2004 in Athen haben Deutschlands Volleyballerinnen letztmals an Olympischen Spielen teilgenommen. Felix Koslowski war damals 20 und Co-Trainer beim Bundesligisten Schweriner SC. Der junge und ehrgeizige Mann hat seine Karriere seitdem konsequent vorangetrieben. Am 9. November 2015 übernahm er zusätzlich zur Chefcoach-Anstellung in Schwerin das Amt des Bundestrainers. Aktuell bereitet er die DVV-Auswahl auf die WM-Qualifikation (31. Mai bis 4. Juni) in Portugal vor. Das Länderspiel gegen Ungarn an diesem Freitagabend in Münster (Anpfiff 19 Uhr/Sporthalle Berg Fidel) ist der vorletzte Test vor der Abreise.

Herr Koslowski, dürfen wir noch gratulieren...

Koslowski: Zur Meisterschaft mit Schwerin?

Ja natürlich, aber auch zur Hochzeit mit Ihrer langjährigen Freundin...

Koslowski: Ja, vielen Dank.

Sie haben nur wenige Tage nach der Meisterschaft geheiratet. An einem weißen Strand in Florida. Ein Traum?

Koslowski: Meine Frau hat sich das so gewünscht. Es war tatsächlich super schön und sehr spontan.

Spontan?

Koslowski: Es gab ja nur ein kleines Zeitfenster zwischen Saisonende und dem Start mit der Nationalmannschaft. Und ich stand bei meiner Frau im Wort für den Fall, dass wir den Titel in drei Spielen klarmachen. Das hat funktioniert. Mittwochs sind wir Meister geworden, Freitags haben wir die Flüge gebucht und Samstags waren wir in Key Biscayne und haben direkt die Formalitäten geregelt.

Dann trifft es also wirklich zu, dass sich das Leben Ihrer Familie, zu der ja auch zwei Mädchen gehören, am Spielplan ausrichtet...

Koslowski: Ja, das ist wohl so. Meine Familie hat da unglaubliches Verständnis.

Volleyball bestimmt Ihr Leben, haben Sie tatsächlich schon mit 18 oder 19 den Wunsch gehabt, ein erfolgreicher Trainer zu werden?

Koslowski: Den Wunsch schon. Aber neben Einsatz und Eifer muss man auch Glück haben. Das hatte ich.

Sie hatten einige prominente Ausbilder. Von wem haben Sie am meisten gelernt?

Koslowski: Vom ehemaligen Bundestrainer Giovanni Guidetti. Er hat mich geprägt, wir hatten fast ein Vater-Sohn-Verhältnis und sind heute noch Freunde.

Ihre Vorgänger waren in Vollzeit beschäftigt, Sie arbeiten auf Honorarbasis, weil der Verband finanziell klamm ist. Sind Sie ein Idealist?

Koslowski: Fragen sie mal meine Frau, die ist Beamtin. Aber im Ernst: Wenn man den ganzen Aufwand sieht, kommt finanziell zu wenig dabei rum. Aber ich habe Spaß an dieser Aufgabe, viel Spaß. Und das spüre ich auch in meinem Umfeld hier und bei den Spielerinnen. Wenn das nicht so wäre, würde ich es wahrscheinlich nicht machen.

Im aktuellen 18er Kader stehen sechs Spielerinnen aus Schwerin, nur eine vom Vizemeister Stuttgart und keine vom Dritten Dresden. Als Bundestrainer muss es Sie stören, wenn in anderen Spitzenclubs deutsche Spielerinnen kaum zum Zuge kommen...

Koslowski: Grundsätzlich würde es mich freuen, wenn dort mehr deutsche Spielerinnen auffallen würden. Andererseits kann ich mich nicht in Vereinspolitik einmischen. Jeder Verein sucht den größtmöglichen Erfolg auf seine Art und Weise. Und das ist sein Recht.

Wie sehen Sie die Entwicklung am Traditionsstandort Münster? Da ist der Etat deutlich zurückgefahren worden und nun droht auch noch die Schließung des Bundesstützpunktes für den Nachwuchs...

Koslowski: Münster ist in einer schwierigen Situation. Wenn ich mir unseren A-Kader anschaue und sehe, wie viele Spielerinnen schon in Münster trainiert und gespielt haben, dann muss eine Lösung gefunden werden. NRW ist das größte Bundesland, wir dürfen die Talente dort nicht verlieren, auf keinen Fall.

In der EM-Qualifikation sind Slowenien, Estland, Finnland, Portugal und Frankreich die deutschen Gegner. Mannschaften, die in der Weltrangliste deutlich hinter ihnen stehen. Was soll da schiefgehen?

Koslowski: Nur der Erste kommt durch, da darfst du dir keinen Patzer erlauben. Der Druck ist enorm, aber natürlich wollen wir 2018 in Japan dabei sein.

Japan richtet 2020 auch die Olympischen Spiele aus...

Koslowski: Das ist die Bühne, auf die wir doch alle wollen. Es wäre der nächste große Traum.

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