Mo., 20.11.2017

Volleyball: Frauen-Bundesliga Der USC Münster hofft nach dem Stuttgart-Spiel auf den Lerneffekt

Lehrgeld bezahlt, Erfahrung gewonnen: Lina Alsmeier und der USC gerieten in Stuttgart im ersten Satz in Turbulenzen, krabbelten aber umgehend aus dem Leistungsloch.

Lehrgeld bezahlt, Erfahrung gewonnen: Lina Alsmeier und der USC gerieten in Stuttgart im ersten Satz in Turbulenzen, krabbelten aber umgehend aus dem Leistungsloch. Foto: Tom Bloch

Münster - 

Ein bisschen Lehrgeld hatte sich der USC Münster vor der Saison wohl weislich mit dem Wissen, eine junge und unerfahrene Mannschaft ins Rennen zu schicken, zurückgelegt. In Stuttgart zahlte das Team zumindest in Satz eins einen gehörigen Batzen davon – und hofft nun, dass es gut angelegt ist.

Von Henner Henning­

In der Volleyball-Bundesliga einen Satz einstellig zu verlieren, kommt schon fast einer Höchststrafe gleich. Am 8. Januar 2014 hatte es den USC Münster letztmals erwischt, beim 1:3 bei den Ladies in Black Aachen hieß es im vierten Durchgang 9:25. Das war fast noch erträglich im Vergleich zum vergangenen Sonntag, als den Unabhängigen in Stuttgart im Eröffnungsabschnitt nur kümmerliche fünf Zähler glückten. Eine sportliche Demütigung in 17 Minuten, eine kostenlose Vorführung in der Scharrena. „Das war unglaublich. Wir haben mit 60 Prozent gegen 100 Prozent gespielt, Stuttgart hat uns mit Druck und Power überrollt. Das war nicht schön“, sagte Münsters Coach Teun Buijs.

Ein Desaster hatte sich angedroht, der Gastgeber hatte den USC vor 1920 Zuschauern am Nasenring durch die Manege geführt. Doch diese Schmach wollte Münster nicht über sich ergehen lassen, mit Willen und Moral verwickelten die Grün-Weißen die Schwaben in einen Schlagabtausch auf Augenhöhe – und das ist die positive Erkenntnis. Denn Lehrgeld, das war allen Beteiligten vor der Saison klar, wird die junge und zum Teil unerfahrene Mannschaft hin und wieder zahlen müssen. „Wir lernen mit unserer Mannschaft weiter, das wird noch Zeit dauern“, hatte­ ­Buijs bereits nach dem 0:3 in Dresden gesagt.

Nun folgte die nächste Zahlung, aber erneut zeigte der USC „eine gute Reaktion“ (Buijs). Auf die Niederlage in Sachsen folgten drei Siege (SC Potsdam, VC Wiesbaden, VCO Berlin), auf die Ernie­drigung in Satz eins folgten zwei akzeptable Durchgänge (25:27, 22:25), in denen durchaus mehr möglich war. So hatte Münster drei Chancen zu einem möglichen Satzausgleich (24:22, 25:24) und bewies auch im Abschlussabschnitt nach zwischenzeitlichem Fünf-Punkte-Rückstand Kampfgeist. „Wir haben gezeigt, dass wir gut Volleyball spielen können. Aber wir haben auch gesehen, dass wir noch weiter lernen“, erklärte Buijs.

Test in Ostbevern

Das trifft sicher auf das Kollektiv zu, das zu Beginn der 70-minütigen Partie zu keiner Zeit Zugriff auf das Geschehen hatte. In der Annahme hatte nahezu jede Münsteranerin ihre liebe Mühe, ein geordnetes Angriffsspiel war kaum möglich. Und kam doch einmal ein Ball an die richtige ­Adresse, scheiterten Ivana Vanjak, Lena Vedder, Ines Bathen oder Lina Alsmeier in schöner Regelmäßigkeit. „Satz eins tat weh, aber das gehört dazu. Wir müssen sehen, dass jeder Ball wichtig ist“, erklärte der Niederländer, der mit seinem Team am Dienstag (19 Uhr) beim Drittligisten BSV Ostbevern testet und nach dem Freundschaftsspiel gegen Blau-Weiß Aasee weitere Nachbarschaftspflege betreibt. „Ab Dienstagmorgen ist in unseren Köpfen das neue Ziel“, der 57 Jahre alte Niederländer.

Und das lautet Pokal-Viertelfinale, ist gleichzeitig die direkte Chance auf eine Revanche. Am Sonntag (18 Uhr) kommt Stuttgart an den Berg Fidel, noch einmal derart abkochen wird sich der USC ganz sicher nicht. Das hat schon die Reaktion in den Sätzen zwei und drei bewiesen. Und wer weiß, vielleicht ist das im Schwabenland angelegte Lehrgeld ja gut angelegt.



http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5302278?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686216%2F