So., 26.11.2017

Volleyball: DVV-Pokal Frauen USC-Drama gegen Stuttgart

Die Enttäuschung nach dem letzten Ballwechsel ist den USC-Spielerinnen ins Gesicht geschrieben.

Die Enttäuschung nach dem letzten Ballwechsel ist den USC-Spielerinnen ins Gesicht geschrieben. Foto: Jürgen Peperhowe

Münster - 

Ein unglaubliches Pokalspiel erlebten gut 1200 Besucher am Sonntagabend am Berg Fidel. 0:2 lag Außenseiter USC Münster gegen Titelverteidiger Allianz MTV Stuttgart hinten. Dann glich der Gastgeber mit neuer Power aus, lag im Tiebreak schon 11:7 vorn – und verlor den fünften Satz doch mit 11:15.

Von Wilfried Sprenger

Was für ein Drama. Nur um Haaresbreite verpassten die Damen des USC Münster am Sonntagabend das Halbfinale im DVV-Pokal. Nach packendem Schlagtausch und fulminanter Aufholjagd unterlagen sie dem amtierenden Cupsieger Allianz MTV Stuttgart unglücklich 2:3 (20:25, 19:25, 25:21, 27:25, 11:15).

Gut gefüllte Tribünen, tolle Stimmung: Münsters Volleyball-Fans waren bereit für das K.o.-Spiel. Und die Mannschaft auch. Konzentriert und mit viel Feuer nahm der Außenseiter die Herausforderung an. Stuttgart war beeindruckt und hatte Mühe ins Rollen zu kommen. Der USC führte früh 5:2, später nach 8:10-Rückstand 12:10 und dann noch einmal 17:16. Bis dahin waren die Unabhängigen im Geschäft. Biss, Spielfreude, starke Annahme und nur wenige Eigenfehler zeichneten den Gastgeber aus. Und dann ging alles binnen kurzer Zeit verloren. Die Schwaben sahen und nutzten dies humorlos, nach 25 Minuten ging Satz eins an die Gäste.

Kalt erwischt musste sich Münster schütteln, Trainer Teun Buijs wechselte im Zentrum, für Juliane Langgemach kam Juliet Lohuis. Der USC machte weiter, doch nicht mehr so unbeschwert wie zu Beginn, irgendwie fehlte die Überzeugung. Beim 6:10 nahm Zuspielerin Mareike Hindriksen das Heft in die Hand, mit zwei Stellertricks brachte sie ihr Team zurück in die Partie. Die Grünhemden waren wieder da, mit viel Herz bekämpften sie den Titelverteidiger. Als Ines Bathen den Ball nach einer beinahe Endlos-Rallye zum 14:15 auf den Boden donnerte, sprangen die Fans von den Sitzen. Doch Stuttgart blieb aufrecht, kombinierte schnell und fast fehlerfrei und setzte sich direkt wieder ab. Das hatte viel Qualität, zu viel für den USC. Nach 24 Minuten schloss der MTV um die überragende ungarische Nationalspielerin Renata Sandor das Buch im zweiten Abschnitt.

Schon die Vorentscheidung oder hatten die Westfalen da noch ein Ass im kurzen Ärmel? Aufgeben oder etwas herschenken, galt noch nie am Berg Fidel. Auch am Sonntag nicht. Die Gäste nahmen ein bisschen Dampf raus, sofort war der USC da. Führung zur ersten technischen Auszeit (8:6), Führung zur zweiten (16:14), Führung am Ende. Ein tolles Comeback des elfmaligen Cup-Gewinners.

Stuttgarts Reaktion im vierten Set? Bis zum 10:6 ziemlich cool, danach wieder wackelig, weil sich Münster einfach nicht abschütteln ließ. Nach einem feinen 4:0-Lauf waren die Kontrahenten wieder gleichauf. Dieser Pokalknüller ging allen an die Nerven. Erneut legte Stuttgart vor (18:14). Und der USC direkt wieder nach (19:19). Irre, fabelhaft. Münster wechselte auf die Überholspur und drückte unaufhaltsam. Bathen war nicht mehr zu blocken, Ivana Vanjak auch nicht. Und dann drückte Lohuis den vierten Satzball zurück auf die Seite der Gäste. Auf den Tribünen saß keiner mehr, alle standen.

Drei Fragen an USC-Trainer Teun Buijs

Vier Punkte haben im Tiebreak zur Überraschung gefehlt. Warum hat es nicht gereicht?

Teun Buijs: Wir haben in der Endphase nicht mehr die richtigen Entscheidungen getroffen. Ivana und Ines waren gut im Spiel, aber wir haben sie nicht mehr eingesetzt. Und wir haben die Chancen, die wir hatten, zum Schluss nicht mehr genutzt.

Sie betonen immer, dass Ihre Mannschaft noch im Lernprozess ist. War das Spiel gegen Stuttgart der nächste Schritt?

Buijs: Wir haben das nächste Level erreicht und haben großartiges Volleyball gespielt. Großes Kompliment an die Mannschaft, die im Spiel gelernt hat und sich auch gesteigert hat.

Wie groß ist jetzt die Enttäuschung?

Buijs: Die Enttäuschung ist riesig. Wir waren sehr nah an einer Überraschung. Aber es hat nicht gereicht. Es ist eine Schande, dass wir uns nicht belohnt haben für unsere tolle Leistung. Wir hatten die Chance.

Tiebreak. Alles. Oder nichts. So ist das im Pokal. Volles Haus im Halbfinale. Oder Trainingseinheit. Beim 11:7 hatte der USC den Gast am Haken. Doch der kam mit einem unglaublichen 8:0-Lauf zurück. Münsters Traum endete in Tränen.



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