Mo., 19.02.2018

Volleyball: Frauen-Regionalliga Die Tendenz von Meister USC II geht zur Drittklassigkeit

Glücklich nach dem Titelgewinn: Die zweite Mannschaft des USC bejubelt nach dem Sieg in Werth die Regionalliga-Meisterschaft.

Glücklich nach dem Titelgewinn: Die zweite Mannschaft des USC bejubelt nach dem Sieg in Werth die Regionalliga-Meisterschaft. Foto: USC Münster

Münster - 

Die zweite Mannschaft des USC Münster hat nicht mal ein Jahr nach dem Absturz aus der zweiten in die vierte Liga den ersten Teil des Unfalls repariert – wenn auch mit vollständig verändertem Personal. Nun ist die Frage, wie es weiter geht. Vermutlich in der Drittklassigkeit.

Von Wilfried Sprenger

Meister! Und was nun? Aufstieg in die 3. Liga? Oder doch Verbleib in der Regionalliga? Es ist eine schwierige Frage und für alle Beteiligten vielleicht ganz gut, dass noch ein wenig Zeit bleibt, um in die Lizenzierungsverfahren einzusteigen. Am vergangenen Samstag wurde erst einmal ein bisschen gefeiert. Sehr frühzeitig und sehr souverän sicherte sich die zweite Mannschaft des USC Münster den Titel in der Regionalliga.

Die Freude darüber war groß, natürlich auch bei Cheftrainer Axel Büring. Der fehlte beim 3:1 in Werth zwar, weil er seinen Verpflichtungen als Coach der Männer des TSC Gievenbeck nachging. Doch später gratuliert er natürlich. Und ein bisschen besonders könnte die Situation ja auch für den langjährigen Bundesliga-Trainer werden, wenn es denn in der 3. Liga weiter geht: Aufgestiegen ist der 50-Jährige tatsächlich noch nie. Nur einmal abgestiegen. „1983 mit den Männern des USC“, erinnert sich Büring.

Weil die Meisterschaft nicht überraschend kam, hat sich Büring, der ja auch Sportlicher Leiter der Unabhängigen ist, längst Gedanken über die Zukunft gemacht. Aktuell geht die Tendenz wohl in Richtung 3. Liga. Nur bei zwei Spielerinnen fehle noch das nötige Signal. Auch die erfahrenen Kräfte, die früher in der Bundesliga spielten, sind grundsätzlich bereit für den Sprung. Unter Beibehaltung der Spielregeln: Nur eine Trainingseinheit in der Woche und keinerlei Wettkampfverpflichtung. Büring: „Das hat in der Regionalliga funktioniert und würde auch in der 3. Liga funktionieren. „Reisetechnisch wäre das kein Problem. Und mit Aasee, Ostbevern, Senden und Emlichheim II hätten wir doch tolle Derbys.“

Die Herausforderung erscheint reizvoll, ist aber nicht ohne Tücken. Für das Unterhaus der Bundesligen müsste der USC qualitativ und quantitativ zulegen. „Da ist schon ein anderes Niveau erforderlich. Und ein Bulli mit nur sieben Spielerinnen wird für die Auswärtsfahrten auch nicht mehr genügen“, erklärt Büring.

Also wird sich die „Zweite“ wohl um Zugänge bemühen. Das geht aktuell fast nur extern, mittel- und langfristig will man es aus eigener Kraft schaffen. Büring liegt die Investition in den eigenen Nachwuchs sehr am Herzen. Sein ehrgeiziges Ziel beschreibt er wie folgt: „In fünf, sechs Jahren wollen wir die Mannschaften zwei bis fünf überwiegend mit Spielerinnen aus der eigenen Schmiede bestücken.“ Und noch etwas ist den Sportlichen Leiter wichtig: „Es muss uns daran gelegen sein, Spielerinnen aus dem Bundesliga-Kader auch nach Ablauf der Karriere einzubinden.“ So wie jetzt in der Zweiten, die von der Unterstützung ehemaliger Erstliga-Asse sehr profitierte.

Kommentar: Alternativloses Signal

In Sachen Nachwuchsarbeit hat sich der USC in den vergangenen Jahren wenig professionell verhalten. Es wurde geschludert, was mitunter kaum auffiel, weil sich der Club ja am Bundesstützpunkt bedienen konnte und das BSP-Team unter seinem Namen in der 2. Bundesliga startete. Ein Umstand, der zu Nachlässig- und Trägheit in den eigenen Reihen (ver)führte.

Mit dem Abstieg aus dem Bundesliga-Unterhaus und der Übernahme der Stützpunkt-Talente durch den neu gegründeten VC Olympia Münster haben sich die Verhältnisse und mit ihnen die Beziehung zueinander grundlegend verändert. Ja, die Verbindung ist belastet und an mancher Stelle komplett unterbrochen. Ob es da noch einen Gewinner gibt oder doch nur Verlierer, wird sich weisen.

Wenn die neue Situation für den USC etwas Gutes hat, dann die Erkenntnis, wieder mehr in die eigene Jugendarbeit investieren zu müssen und frische Anreize für Talente zu schaffen. Das geschieht gerade, es ist ein alternativloses Signal. Auch vor dem Hintergrund, dass die Zukunft des BSP Münster ungewiss ist. Wenn Bundesinnenministerium und DOSB mit der Reform der Spitzensportförderung ernst machen, könnte der Standort Ende dieses Jahres komplett gestrichen werden.  Wilfried Sprenger



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