Mi., 16.05.2018

Volleyball: Frauen-Bundesliga Nach der Ausbildung zieht es Münsters große Talente in die Fremde

Volleyball: Frauen-Bundesliga: Nach der Ausbildung zieht es Münsters große Talente in die Fremde

Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

Münster - 

Der USC Münster hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als Ausbildungsverein Meriten erworben. Wenn alle hoch talentierten Eigengewächse am Berg Fidel Wurzeln geschlagen hätten, könnte der Club in diesen Tagen sogar der Nationalmannschaft Konkurrenz machen. Nicht weniger als sechs Spielerinnen, die in der jüngeren Vergangenheit im hiesigen Volleyball-Internat groß wurden und sich hübsch verteilen auf die Feld-Positionen (Ausnahme Libero), schafften den Sprung ins Auswahlteam. Münster war ihnen offenbar eine gute Schule – aber kein Ort für große Träume. Ein Problem.

Von Wilfried Sprenger

Louisa Lippmann ging im Sommer 2014. 19 war sie, als sie die Seite wechselte und sich Meister Dresden anschloss. Hinter vorgehaltener Hand hieß es, dass der Spielerin in Münster der Wohlfühl-Faktor fehlte. Ein Juwel wie die Angreiferin hatte der USC lange nicht mehr. Lippmann machte Karriere – erst in Dresden, dann in Schwerin, bald in Italien. Sie ist inzwischen das Gesicht des deutschen Frauenvolleyballs.

Wechsel nach Italien

Das Gesicht des USC hätte Hanna Orthmann werden können. Die Lüdinghausenerin kam als 15-Jährige ins Internat und zum USC. Mit 18 war sie dann schon wieder weg. Orthmann reagierte auf eine Anfrage des italienischen Erstligisten Monza. Der USC, der auf Einhaltung eines noch gültigen Vertrages hätte pochen können, ließ sie für eine Ablöse in Höhe von 20 000 Euro ziehen. Die Italiener haben ihr Geld offenbar gut angelegt: Wie Lippmann zählt Orthmann zum deutschen Team, das zum Auftakt der Nations League am Dienstag Gastgeber Brasilien unerwartet 3:1 in die Knie zwang.

Im Lauf der internationalen Serie wird auch Leonie Schwertmann noch Einsätze bekommen. Die 24-Jährige stieß 2010 zum USC und wurde dort A-Nationalspielerin. Im vergangenen Jahr beendete sie das Kapitel in Münster und wechselte nach Vilsbiburg, „um mich weiterzuentwickeln“.

Silge überrascht

Schwertmanns Abschied traf den USC nicht gänzlich überraschend, der von Wiebke Silge zwei Jahre zuvor schon. „Wiebke zu verlieren, gehörte nicht zum Plan“, sagte Trainer Andreas Vollmer, als der Transfer der damals 18-jährigen Jungnationalspielerin zum Liga-Konkurrenten Potsdam bekannt wurde. Silges Management nannte den „Wunsch nach einer Veränderung“ als Grund. Inzwischen hat sich Silge vom Leistungssport verabschiedet und spielt wieder für ihren Heimatclub BSV Ostbevern.

Irina Kemmsies war gerade 15, als der USC sie entdeckte. Die Zuspielerin wurde immerzu als Top-Talent beschrieben, nachhaltiges Vertrauen schenkte ihr der Club allerdings nicht. 2016 zog sie die Konsequenzen, schloss sich dem 1. VC Wiesbaden an, blühte dort richtig auf und wurde Nationalspielerin. Nun verabschiedet sich Kemmsies auch bei den Hessen mit noch unbekanntem Ziel.

Grozer zwei Jahre am Berg Fidel

Und dann war da Dora Grozer, die kleine Schwester vom großen „Hammer-Schorsch junior“. Sie spielte zwei Jahre im Zweitligateam des USC, hatte Knieprobleme und offenbar nicht die Geduld, um in Münster auf den Durchbruch zu warten. Nationalspielerin ist sie erst später in Aachen geworden.

Münster ist eine gute Schmiede für Talente. Aber offenbar keine Adresse, die als Bleibe überzeugt – aus welchen Gründen auch immer. Immerhin bekommt der USC bald wieder eine Nationalspielerin. Ivana Vanjak ist auf dem Sprung. Ein Eigengewächs ist die 23-Jährige allerdings nicht.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5744959?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686137%2F2686216%2F