Fr., 27.07.2018

Chiara Hoenhorst Bei Amokfahrt verletzte USC-Spielerin plant Comeback

Chiara Hoenhorst: Bei Amokfahrt verletzte USC-Spielerin plant Comeback

Schneller als erwartet kann Chiara Hoenhorst, die bei der Amokfahrt im April schwer am Kopf verletzt wurde, in der Reha schuften. Beim Auftakt der Volleyball-Bundesliga im Oktober will sie fit sein. Foto: ZaR

Münster - 

„Mir geht es tatsächlich echt gut.“ Es ist eine erstaunlich positive Nachricht, die USC-Spielerin Chiara Hoenhorst verkündet, knapp vier Monate nachdem sie bei der Amokfahrt am Kiepenkerl in Münster schwer verletzt wurde. Jetzt plant sie sogar schon ihr Comeback.

Von Henner Henning

Den 31. Oktober, wenn der USC Münster zum Auftakt der Saison 2018/19 den Dresdner SC empfängt, hat sich Chiara Hoenhorst in ihrem Kalender markiert. Dann will die Bundesliga-Volleyballerin wieder Teil ihres Teams sein. „Ich hoffe, dass ich es schaffe. Das wäre mega“, sagt sie.

Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches. Doch es ist mehr als erstaunlich, wenn man die Uhr zurück in das Frühjahr dreht und auf ihre Geschichte schaut: Der 7. April war ein Tag wie aus dem Bilderbuch. 25 Grad, blauer Himmel, Sonnenstrahlen.

Die Menschen zog es an diesem Frühlingssamstag hinaus ins Freie, Münster war bevölkert mit gut gelaunten Menschen, die vor Restaurants und Eiscafés das Wetter genossen und es sich einfach gut gehen ließen.

Amokfahrt am Kiepenkerl

Doch schlagartig endete diese Idylle in der Altstadt: Ein Amokfahrer steuerte seinen Bulli auf den Platz am Kiepenkerl, tötete mit seiner Tat drei Menschen und verletzte über 20 schwer. Unter ihnen war auch Chiara Hoen­horst. 21 Jahre jung, BWL-Studentin und Angreiferin beim USC Münster.

Mit schweren Kopfverletzungen rang sie lange um ihr Leben. Doch nun, knapp vier Monate später, kann sie auf die Frage, wie es ihr gehe, antworten: „Mir geht es tatsächlich echt gut. Ich bin schmerzfrei, habe keine Kopfschmerzen mehr.“

Ein kleines Wunder

Eine gute Nachricht, die Chiara Hoenhorst da verkündet. Und ein kleines Wunder, dass der Heilungsprozess so zügig voranschreitet. „Die Ärzte sind teilweise erstaunt, dass ich so schnell wieder auf die Beine gekommen bin“, sagt die gebürtige Albersloherin. Denn eine Selbstverständlichkeit ist dies angesichts der Schwere ihrer Verletzungen nicht.

Blutungen im Kopf ließen den Druck auf das Gehirn so stark werden, dass ihr ein Teil der Schädeldecke entfernt werden musste. Für drei Tage lag Hoenhorst, die zudem Kieferbrüche erlitten hatte, im Uniklinikum Münster im künstlichen Koma, eine lange Zeit im Krankenbett folgte.

„Ich war zunächst nicht in der Lage zu gehen“, sagt ­Chiara Hoenhorst, die von den Geschehnissen des Tattages keinerlei Bilder mehr vor Augen hat. „Ich kann mich an nichts erinnern, vom Unfall weiß ich überhaupt nichts. Und auch meinen Krankenhaus-Aufenthalt habe ich nur äußerst schwammig in Erinnerung.“

Aufarbeitung der Lücken

Lücken, die sie schließen wollte – und mittlerweile geschlossen hat. Über die Amokfahrt und den Hergang hat sich Hoenhorst informiert, die Unwissenheit ließ ihr keine Ruhe.

„Der Anspruch war da, genau zu wissen, was überhaupt passiert ist. Was war das für ein Mensch? Das interessierte mich einfach, ich habe mir viel erzählen lassen und habe mich auch selber schlau gemacht. Denn es ist so, wie es ist. Ändern kann ich es ja eh nicht mehr.“

Fotostrecke: Chronologie der Amokfahrt in Bildern

Rückkehr in den Sport

Diese Aufarbeitung ist eine Teiletappe auf ihrem Weg zurück in den Alltag. „Und ich bin für die Kürze der Zeit auf einem sehr guten Weg“, erklärt Hoenhorst, die sich derzeit in ihrer zweiten Reha befindet. Im „Zentrum für ambulante Rehabilitation“ in Münster arbeitet sie fünf Tage in der Woche nicht nur im neurologischen Bereich, auch körperlich schuftet die Volleyballerin für eine Rückkehr in den Sport.

„Ich bin im Kraft- und Leistungsaufbau. Aber ich starte ja praktisch bei null, das ist jetzt viel Arbeit“, sagt die Außenangreiferin, die nach ihrer Jugendzeit bei der SG Sendenhorst im Sommer 2015 vom Drittligisten Moerser SC zum USC gewechselt und im Sommer 2017 in den Bundesliga-Kader aufgerückt war.

Zuspruch nach Amokfahrt

Und dorthin will sie zurück, am liebsten schon zum Start der neuen Saison. „Aber der Verein und der Trainer machen mir keinen Druck und geben mir alle Zeit. Das ist so viel wert“, sagt Hoenhorst, die in den ersten Tagen nach der Amokfahrt viel Zuspruch besonders aus dem Volleyball-Lager erhalten hat – nicht nur vom USC, von Coach Teun Buijs oder der kompletten Mannschaft, aus dem ganzen Land gingen Genesungswünsche ein.

„Das hat mir super viel bedeutet und ich bin unheimlich dankbar dafür. Es gibt mir die Kraft weiterzumachen. Auch wenn es ein langer Weg zurück ist.“

Einen beachtlich großen Teil davon hat Hoenhorst, die im Wintersemester zudem ihr BWL-Studium im dann siebten Semester fortsetzen wird, bereits hinter sich gelassen.



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