Volleyball: Bundesliga Frauen
USC-Libera Thomsen im Interview: „Mein Entschluss steht fest“

Münster -

Mit dem USC Münster spielt Lisa Thomsen eine gute Saison, auch wenn es zuletzt einige Niederlagen gab. Für die Libera ist es definitiv ihre letzte im Leistungssport. Wie ihre Pläne aussehen und vieles mehr, verrät sie im Interview.

Montag, 11.02.2019, 16:10 Uhr aktualisiert: 11.02.2019, 20:58 Uhr
Lisa Thomsen beendet im Sommer ihre Karriere, will vorher aber noch einmal mit dem USC in den Playoffs für Furore sorgen.
Lisa Thomsen beendet im Sommer ihre Karriere, will vorher aber noch einmal mit dem USC in den Playoffs für Furore sorgen. Foto: Jürgen Peperhowe

Im Sommer 2006 heuerte Lisa Thomsen erstmals beim USC Münster an, und blieb drei Jahre am Berg Fidel. Bis zu ihrer Rückkehr im Sommer 2017 feierte die 33-Jährige große Erfolge, wurde Deutsche Meisterin, Pokalsiegerin, Vize-Europameisterin und gewann mit Azerrail Baku die Europaliga. Beim USC ist die Libera nun eine Führungskraft und Persönlichkeit, die mit ihrer Erfahrung und Routine die junge Mannschaft mit anführt. Im Gespräch mit ­Redaktionsmitglied Henner Henning spricht Thomsen über die aktuelle sportliche Situation, die Stimmung im Team sowie über ihren Entschluss, im Sommer ihre Laufbahn zu beenden.

Der USC ist am Wochen­ende auf den siebten Platz gerutscht, kassierte 2019 in acht Spielen schon fünf Niederlagen. Ist Ihrer Mannschaft die Leichtigkeit der Hinrunde abhandengekommen?

Thomsen: Das wirkt vielleicht so. Sowohl bei uns als auch in der öffentlichen Wahrnehmung sind die Ansprüche nach den guten Leistungen gewachsen. Dabei haben wir vielleicht im Dezember etwas über unserem Niveau gespielt. Aber ganz so weit sind wir in der Entwicklung noch nicht, sind noch nicht so konstant und clever. Wir haben in Stuttgart beim 0:3 gar nicht so schlecht gespielt, auch wenn wir einen Satz so hoch verloren haben. Das lag jedoch an Stuttgart, die müssen dieses Jahr Meister werden. Da ist so viel Qualität.

Das Team schwächelt aktuell ein bisschen. Ist das aber nicht normal für eine so junge Mannschaft?

Thomsen: Wir müssen uns vor Augen führen und ins Bewusstsein rufen, dass es immer mal vorkommt, dass es wellenförmig und damit auch bergab läuft. Das passiert auch Top-Mannschaften, die dann in der ­Liga vielleicht noch ihre Spiele gewinnen. Aber solange unsere grundsätzliche Entwicklungstendenz nach oben zeigt, ist alles gut. Und das tut sie. Wir haben gerade eine Phase, in der nichts von selber geht und wir uns durchbeißen müssen. Das kann man als erfahrene Mannschaft sicher leichter wegstecken, für die jungen Spielerinnen ist dies aber eine unglaublich wichtige Phase für ihre weitere Entwicklung. Und ich bin mir sicher, dass wir uns jetzt wieder steigern und mehrere gute Spiele am Stück machen sowie in den Playoffs unsere Top-Leistung abrufen werden.

Fünf Partien stehen

Thomsen: Die Situation im Tabellenmittelfeld von Platz vier bis neun ist eng, alles ist zusammengerückt, und jeder kann da jeden schlagen. Kleinigkeiten wie Verletzungen oder Erkrankungen können da den Ausschlag geben. Für uns ist es wichtig, dass wir uns auf uns konzentrieren, dann ist alles möglich. Das haben wir in der Hinserie gezeigt. Wir wollen vermeiden, als Siebter oder Achter die Hauptrunde zu beenden und wollen so Stuttgart und Schwerin aus dem Weg gehen.

Der Slogan Ihrer Mannschaft lautet „one team“. Wie ist die innerbetrieb­liche Stimmung in dieser nicht leichten Phase?

Thomsen: Die ist weiterhin sehr gut. Wir haben einfach eine unfassbar tolle Mannschaft, in der wir für­einander da sind und uns unterstützen. Das könnte nicht besser sein und hilft uns auch, diese kleine Schwächephase besser abzufangen und durchzustehen. Jede bringt sich ein. So ein Teamgefühl habe ich in meiner Karriere erst einmal erlebt. Das war bei der Nationalmannschaft. Ansonsten ist das Mannschaftsgefühl in diesem Ausmaß einmalig.

Sie haben angekündigt, Ihre Karriere nach dieser Saison zu beenden. Steht Ihr Entschluss noch?

Thomsen: Der Entschluss steht zu 100 Prozent fest, es werden meine letzten Spiele und meine letzte Saison sein. Ich habe für mich das Gefühl, dass es reicht. Die Partien und die Atmosphäre in der Halle, gerade zu Hause am Berg Fidel, geben mir immer noch so viel. Ich ge­nieße es, in den Spielen Gas zu geben und unterstützt zu werden. Das sind supertolle Momente. Aber ich merke, dass der Aufwand für mich körperlich immer höher wird – und die Erholungszeit länger. Die Balance zu finden, wie viel ich meinem Körper in den Einheiten zumuten kann und wie viel Training ich für das Ball­gefühl brauche, ist nicht leicht zu halten. Und wenn ich dann mal ein Training auslasse, fühlt es sich für mich als Teamplayer auch nicht gut an. Das ist dann eine Gratwanderung.

Was kommt im Sommer nach Ihrer Karriere? Gibt es eine Zukunft beim USC Münster?

Thomsen: Ich fühle mich in der Stadt und beim USC superwohl, kann mir eine weitere Zusammenarbeit gut vorstellen. Der Verein und ich befinden uns in guten Gesprächen.

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