Volleyball: Frauen-Bundesliga
Sensationssieg über den Meister: USC Münster schlägt MTV Stuttgart

Münster -

Ja, das ist in der Tat eine Sensation. Der USC Münster setzte sich am Mittwochabend im ersten Spiel 2020 mit 3:2 beim Meister aus Stuttgart durch. Der Gast wirkte spielfreudig wie selten in dieser Serie und wuchs über sich hinaus. Jetzt muss gegen Aachen am Sonntag nachgelegt werden.

Mittwoch, 15.01.2020, 22:46 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 15:30 Uhr
Was für ein Auftakt 2020: Nationalspielerin Ivana Vanjak (rechts) und der USC sind perfekt ins Jahr gestartet.
Was für ein Auftakt 2020: Nationalspielerin Ivana Vanjak (rechts) und der USC sind perfekt ins Jahr gestartet. Foto: Sandy Dinkelacker / masterpress

Bauchgefühl? Intuition? Innere Stimme? Vielleicht ein bisschen von allem, was Matthias Fell, Ehrenpräsident des USC Münster, am Mittwoch bei einem Anruf in der Sportredaktion veranlasste, seine Unabhängigen vor dem eigentlich aussichtslosen Duell am Abend beim MTV Stuttgart nicht gänzlich in die Rolle des David gegen den übermächtigen Goliath einzunorden. Dabei wollte der 80-Jährige eigentlich nur kundtun, dass der Club an diesem 15. Januar sein 59. Wiegenfest feiert – ohne großes Brimborium.

Fell wäre nicht Fell, wenn er nicht eine kleine Anekdote zum Besten geben würde. „Wir haben schon mal an einem Geburtstag als Außenseiter in Vilsbiburg gewonnen. Ich traue der Mannschaft alles zu.“ Mehr als eine Dekade muss das her sein. Länger? Egal. Geschichte wiederholt sich manchmal. Diesmal an eben einem Mittwoch im Januar. Münster holte sensationell zwei Punkte in der Stuttgarter Scharrena beim Deutschen Meister – 3:2 (22:25, 25:18, 25:21, 16:25, 15:13). Das hatte so niemand auf der Rechnung. Was für ein Start in das neue Jahr.

„Wir haben endlich unser Potenzial mal abgerufen. Ich bin so stolz auf dieses Team“, so Trainer Teun Buijs – der innerlich feierte. Mit Vulkanausbrüchen hat es der Niederländer nicht so. Dabei hätte er nach diesem Erfolg mächtig einen raushauen können. Gegen die Großen der Branche sah der USC in den vergangenen Jahren immer alt aus. Nur in Schwerin beim 2:3 war er einst knapp dran – jetzt ist der Bann gebrochen. Der Wahnsinn. Ein Triumph, der den „Heldinnen“ einen freien Donnerstag beschert.

Wenn schon der Coach nicht so recht wollte, ließen sich die Protagonisten des Siegers nicht lange bitten. Nationalspielerin Ivana Vanjak stimmte ein Tänzchen an – Barbara Wezorke klinkte sich ebenso wie Linda Bock und Co. ein. Selten genug so ein Moment. Münster im Genussmodus.

Es war eine Energieleistung, die der Gast auf das Parkett brachte. Allein im vierten Abschnitt hatte Münster keine „Schnitte“. Nach zwei Satzgewinnen in Serie wirkten Liza Kastrup und ihre Kolleginnen um sie herum müde. „Da haben wir den Faden verloren“, gab Buijs zu. „Vielleicht“, und das räumte er in der Stunde des Hochgefühls ein, „haben wir auch etwas Glück gehabt“ – und spielte darauf an, dass die amerikanische Nationalspielerin Simone Lee beim MTV noch nicht im Kader stand. Den Wechsel der 23-Jährigen vom japanischen Club Kurobe AquaFairies hypte der Top-Club. Auf der vereinseigenen Seite im Netz war gar die Rede vom „vermutlich größten Coup in der Vereinsgeschichte“.

Selbst mit dem „Wunderkind“ hätte Stuttgart sich die Zähne am dynamischen USC ausgebissen – der im abschließenden fünften Satz nochmals über sich hinauswuchs. Immer wieder angeführt über die Nationalspielerinnen Vanjak und Bock wirkte Münster vital wie selten. Und wach. Vanjak war es auch, die das 15:13 erzielte – Sonntag kommt Aachen.

Und Fell? Der dürfte sich abends eins ins Fäustchen gelacht haben. Vielleicht ruft er ja noch mal durch in dieser Woche. Es könnte helfen.

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