Volleyball: Bundesliga Frauen
USC wird Ballast nicht los und unterliegt Erfurt

Münster -

Der USC Münster war die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga, führte die Rückrundentabelle. Dann kam der Tabellenvorletzte, und plötzlich ging nicht mehr viel. 1:3 unterlagen die Grün-Weißen gegen SW Erfurt, das seinen erste zweiten Sieg feierte.

Mittwoch, 29.01.2020, 22:10 Uhr aktualisiert: 30.01.2020, 11:48 Uhr
Doppelblock mit Loch: Erfurts Halli Amaro findet die Lücke zwischen Barbara Wezorke (links) und Lina Alsmeier.
Doppelblock mit Loch: Erfurts Halli Amaro findet die Lücke zwischen Barbara Wezorke (links) und Lina Alsmeier. Foto: Jürgen Peperhowe

Dämpfer, Rückschlag, Enttäuschung: Der USC Münster hat den Januar nun doch nicht vergoldet. Überraschend verlor der Bundesligist am Mittwochabend das Heimspiel gegen Kellerkind SW Erfurt. Vor 1341 Zuschauern unterlagen die Unabhängigen 1:3 (25:22, 22:25, 22:25, 27:29). „Wir haben zu viele Fehler gemacht und waren nicht frei in unserem Spiel. Glückwunsch an Erfurt, der Gegner war vor allem in der Abwehr super“, konstatierte USC-Trainer Teun Buijs.

Auch im Volleyball ist aller Anfang mitunter schwer. Oder sehr zäh. Der USC benötigte einen beträchtlichen Anlauf, um Betriebstemperatur zu erreichen. Lag es an der ungewohnten Favoritenstellung oder hatte sich nach drei Siegen in Reihe das Gefühl eingenistet, der Vorletzte der Tabelle könne doch nicht wirklich eine Gefahr sein? Sei’s drum: Münsters Probleme mit den mutigen Gästen konnte niemand übersehen.

Zuspielerin Taylor Nelson war zu Beginn nicht da, Ivana Vanjak patzte mehrfach in der Annahme, und im Angriff fehlte allen die Durchschlagskraft. Das Resultat: 7:11-Rückstand. Eigentlich ging der erste Satz nur an Münster, weil Erfurt wohl zu häufig auf die Anzeigetafel schaute und dabei den Blick und die Konzentration auf das Wesentliche verlor. Dreimal tappte der Außenseiter mit den Händen ins Netz, sechsmal flog das Service ins Aus. Der USC gewann den Abschnitt nicht, Erfurt verlor ihn.

Rückenwind durch Führung? Nein, Münster tat sich weiter schwer. Zuspiel und Annahme begleiteten den Gastgeber als Problem-Ressorts in den zweiten Satz, dazu häuften sich nach kurzem Leistungshoch die Missverständnisse. Zwischenergebnisse kaschierten die Schwierigkeiten ein wenig, beim 11:8 lag der USC drei Zähler vorn, zur zweiten technischen Auszeit noch einen (16:15). Doch der Vorsprung zerrann wie feiner Sand im Sieb. Münster hatte Druck und schaffte es nicht, den Ballast loszuwerden. Das Spiel der Unabhängigen blieb fehlerhaft und diesmal knickte Erfurt nicht ein: 22:25 – Satzausgleich.

Nun, ein 3:1 gibt auch die volle Punktzahl, noch war alles geradezubiegen. Doch ausgerechnet der Abstiegskandidat führte Münster die Zerbrechlichkeit des eigenen Schaffens vor Augen. Diese Mannschaft hat de facto enormes Potenzial, aber noch nicht die Souveränität, um es immerzu zu entfalten und in heiklen Situationen kühlen Kopf zu bewahren. Gewiss machten die Erfurterinnen, in dieser Saison bis dahin erst einmal Gewinner, ihr bestes Spiel. Doch der USC hatte erheblichen Anteil am Frohsinn auf der anderen Netzseite. Buijs reagierte, brachte erst Luisa Keller (stark) für Liza Kastrup, dann Sarah van Aalen und Juliane Langgemach anstelle von Nelson und Barbara Wezorke. Der dritte Satz war da nicht mehr zu retten, doch noch blieb die Chance auf zwei Punkte.

Münster stemmte sich mit Leidenschaft gegen die Enttäuschung. Doch an diesem Abend fehlte die Qualität für die Wende. Selbst eine 22:19-Führung und später vier Satzbälle genügten nicht, um Erfurt in den Tiebreak zu zwingen. Mit dem ersten Matchball krallten sich die Gäste verdient auch die Punkte zwei und drei.

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