Folgen des Coronavirus
Preußen, USC und WWU Baskets bangen um Austragung ihrer Heimspiele

Münster -

Drei Heimspiele an einem Wochenende – erst die Preußen, dann der USC, schließlich sonntags die WWU Baskets. Doch werden nach den Corona-Meldungen überhaupt alle Partien ausgetragen? Oder fehlen nur die Zuschauer? Abgesagt wurde bereits der Straßenlauf der LSF Münster. Und auch ein großes Boxevent steht noch an.

Montag, 09.03.2020, 16:39 Uhr aktualisiert: 11.03.2020, 07:35 Uhr
Münsters Sport und die drei Fragezeichen. Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, ist ungewiss.
Münsters Sport und die drei Fragezeichen. Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, ist ungewiss. Foto: Sabine Gudath

Selten genug haben Münsters drei prominenteste Sport-Teams an einem Wochenende alle ein Heimspiel. Am Samstag und Sonntag ist (oder wäre) es so weit. Angesetzt sind zunächst die Liga-Partien der Preußen gegen den Halleschen FC (14 Uhr) und des USC gegen den SC Potsdam (19 Uhr) sowie tags darauf der Playoffs-Auftakt der WWU Baskets gegen die Gießen 46ers Rackelos. Plötzlich aber stehen die Auftritte des Trios auf der Kippe. Weil der Coronavirus eingedämmt werden soll, empfiehlt die Politik, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern, die alle drei Mannschaften locker verbuchen, abzusagen. Die Alternative sind Begegnungen ohne Zuschauer.

„Das Schlimmste, was uns passieren kann, sind Geisterspiele“, sagte SCP-Geschäftsführer Bernhard Niewöhner. Der Fußball-Drittligist wartet die Entscheidungen der Stadt Münster ab. Der DFB erklärte, dass die Austragung von der Entscheidung der Gesundheitsbehörden abhängig gemacht werden würde. In einer Pressemitteilung vom Montag wurde keine ganz klare Linie festgezurrt, außer, dass „ ... eher Spiele verlegt werden sollten statt Geisterspiele auszutragen“. Immerhin kommen rund 21 Prozent der Saisonerträge aus dem Spielbetrieb, gemeint ist damit im Wesentlichen der Ticketverkauf. Verschiebungen der Termine seien jedenfalls besser als ein Zuschauerverzicht, „der Hintergrund dafür ist die wirtschaftliche Sensibilität in der 3. Liga“. Viele Clubs haben finanziell keinen Spielraum mehr.

Niewöhner erklärt auch: „Ein Spiel mal abzusagen ist nicht so schwer, dafür reichen drei Telefonate.“ Deutlich schwieriger dürfte eine Partie unter Ausschluss der Öffentlichkeit werden. Vor allem fehlen dann Zuschauer, bislang sahen 91 716 Besucher die 14 Partien an der Hammer Straße in dieser Saison. Im Durchschnitt würden so 6551 Gäste wegbleiben, das Einnahme-Minus würde mindestens im mittleren fünfstelligen Euro-Bereich je Heimpartie liegen. „Geisterspiele sind für uns extrem schwierig, sie verursachen nichtsdestotrotz Kosten, und einnehmen können wir nichts“, sagt Niewöhner. Für fast alle Liga-Rivalen gilt, dass die Etats „auf Kante genäht sind.“ Schlimmstenfalls, wenn die restlichen fünf Heimspiele der Preußen ohne Besucher ablaufen, dürfte sich die Fehlsumme auf mindestens 200 000 Euro summieren, in Anbetracht des Abstiegskampfes und damit zu erwartender höherer Zuschauerzahlen, ginge wohl viel mehr verloren.

Störende Ungewissheit

Bei den WWU Baskets ist die Vorfreude auf die Partie gegen Gießen riesig, die Skepsis aber nicht minder. „Wir können da im Moment nichts zu sagen, wir warten auf Fakten, mit denen wir arbeiten können“, so Manager Helge Stuckenholz. Ohnehin stehe der Club in Kontakt mit den Behörden, „das war auch schon in der vergangenen Woche so“. Fest steht, dass die 1000-Besucher-Grenze für die Baskets kein Ausweg mehr sein kann, diese Zeiten sind seit dem Umzug an den Berg Fidel passé. Aktuell haben die Baskets einen Zuschauerschnitt von 2625, das ist der Top-Wert unter allen Pro-B-Ligisten, die Halle ist zu 88 Prozent ausgelastet.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

    Foto: dpa
  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

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  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

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  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

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  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

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Telefone laufen heiß

Auch beim USC Münster gibt es noch keine Entscheidung. In Wiesbaden am Dienstag wird allerdings wohl gespielt, auch mit Zuschauern. Und am Samstag gegen Potsdam daheim? Annette Dröge aus der Geschäftsstelle des Volleyball-Bundesligisten sagt nur: „Wir sind am Ball, es ist zu früh, etwas zu kommunizieren. Die Telefone laufen heiß, konkrete Vorgaben gibt es aber nicht.“ Dass eine Partie vor leeren Rängen wirtschaftlich auch für die Grün-Weißen ein schwerer Schlag wäre, „darüber müssen wir nicht diskutieren“, sagt sie.

Bereits abgesagt wurde der für Samstag geplante Siena-Garden-Straßenlauf der Laufsportfreunde Münster, wo zur 25. Jubiläumsauflage rund 1500 Teilnehmer erwartet wurden. Der Schritt wurde bereits in der Vorwoche kommuniziert, auf den bislang entstandenen Kosten bleibt der Verein hängen. Dessen Vorsitzender Philipp Brouwer betonte Einsicht in die Notwendigkeit: „So etwas lässt sich nicht verhindern.“ Das Startgeld der bereits angemeldeten Läufer sei noch nicht eingezogen worden.

Beim BC Münster 23 begann die Woche so, als würden die Finalkämpfe um die Westfalenmeisterschaft am Sonntag in der Stadtwerke-Arena stattfinden. „Wir rechnen mit rund 300 Zuschauern“, sagt BC-Sprecher Dennis Driesen. Allerdings dürfte die Zuschauerzahl unter normalen Umständen bei 400 bis 500 liegen. 24 Kämpfe stehen an, sportlich geht es um die Qualifikation für die NRW-Meisterschaften.

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