Volleyball: Bundesliga Frauen
Kritische Analyse – der USC arbeitet nicht nur das Suhl-Spiel auf

Münster -

Drei Punkte aus sechs Spielen – diese Bilanz ist für den USC Münster in der Volleyball-Bundesliga die schlechteste seit einer kleinen Ewigkeit. Dabei kristallisiert sich der Angriff als die Problemzone der Unabhängigen heraus, die nach den Abgängen von Ivana Vanjak und Lina Alsmeier zwei Top-Kräfte ersetzen müssen. Kein leichtes Unterfangen, wie der Saisonstart gezeigt hat.

Montag, 16.11.2020, 18:08 Uhr
Suchen mit dem USC den Weg in die Erfolgsspur: (v.l.) Anika Brinkmann, Taylor Nelson, Nele Barber, Barbara Wezorke und Libera Linda Bock.
Suchen mit dem USC den Weg in die Erfolgsspur: (v.l.) Anika Brinkmann, Taylor Nelson, Nele Barber, Barbara Wezorke und Libera Linda Bock. Foto: Jürgen Peperhowe

Fünf Niederlagen in den ersten sechs Begegnungen, nur drei Punkte aus den Partien gegen den VC Wiesbaden (3:2) und gegen die Roten Raben Vilsbiburg. Den Auftakt in die Spielzeit 2020/21 hat der USC Münster in den Sand gesetzt, es ist lange her, dass er derart schlecht in die Volleyball-Bundesliga gestartet ist. Schwächer legten die Unabhängigen seit ihrer letzten Meisterschaft (2005) nur in den Spielzeiten 2007/08 mit sechs Niederlagen am Stück (auf den Sieg beim VCO Berlin folgten sechs weitere) und 2008/09 mit fünf Pleiten in Serie los. Ein schwacher Trost in schweren Zeiten.

Ernüchterndes 0:3 in Suhl

Der USC hinkt seinen Ansprüchen hinterher. Näher an die drei Top-Mannschaften wollte man rücken, hatte im Hinterkopf die erste Halbfinal-Teilnahme seit 2016. Doch die Realität liest sich anders. Statt sich Schwerin, Stuttgart sowie Dresden anzunähern und mit Potsdam, Aachen oder Vilsbiburg um die vorderen Platzierungen zu kämpfen, findet sich Münster nach dem bitteren wie ernüchternden 0:3 beim VfB Suhl auf dem vorletzten Rang wieder. „Enttäuschend“, sagt Lisa Thomsen, die vor knapp drei Wochen das Traineramt von Teun ­Buijs übernommen hatte.

Nach dem freien Sonntag – das Team war nach einer Sperrung auf der Autobahn erst um 5 Uhr in der Frühe zurück aus Thüringen – widmete sich Thomsen der Analyse, warum es speziell in Suhl und überhaupt in dieser Saison noch nicht funktioniert hat. Dabei verstärkte sich ihr erster Eindruck nach dem Suhl-Spiel, in dem Münsters Annahme durchaus ordentliche Werte verzeichnete und so ein gutes erstes Tempo ermöglichte. Das Problem aber war der Angriff, über Außen und die Diagonale war der USC harm- und planlos. „Die Scoringquote aus einer guten Annahme ist zu schlecht. Wir bekommen sechs direkte Blockpunkte daraus, das darf nicht sein“, moniert die Trainerin, die auch das taktische Verhalten ihrer Schützlinge ansprach. „Wir haben unseren Angriffsplan nicht so umgesetzt, wie wir wollten. Obwohl Suhl so gespielt hat, wie wir es vorbereitet hatten.“

Verletzung von Helo Lacerda wiegt schwer

Nachdem zu Saisonbeginn die neu formierte Annahme das Sorgenkind war, ist nun der Angriff die Achillesferse. Mit Ivana Vanjak (Platz zwei) und Lina Alsmeier (Platz acht) verlor der USC zwei Nationalspielerinnen, die unter den Top Ten der Topscorerinnen standen. Diese zu ersetzen, ist ein schwieriges Unterfangen, zumal mit Helo Lacerda die auserkorene Vanjak-Nachfolgerin ob ihrer anhaltenden Knieprobleme in dieser Saison noch keine Rolle spielt. „Wenn jemand wie Helo, die wir als Power-Hitterin eingeplant hatten, wegbricht, ist es natürlich schwer“, erklärt Thomsen. So trägt Liza Kastrup auf der Diagonalen den Großteil der Last, zuletzt versuchte sich die bislang unglücklich agierende Adeja Lambert auf dieser Position.

Viel Zeit, die Probleme zu lösen und für die Tabelle Zählbares mitzunehmen, bleibt nicht. Fünf Spiele stehen bis zum Jahreswechsel noch an, am Sonntag schon geht es nach Potsdam. „Wir arbeiten Suhl auf und beleuchten kritisch, was falsch läuft und warum wir gewisse Dinge nicht umgesetzt haben. Es ist wichtig, ehrlich zu sein“, sagt Thomsen, die aber „den eingeschlagenen Weg“ weitergehen will. „Wir müssen uns über unsere Trainingsleistungen Selbstvertrauen holen. Das Potenzial ist da.“ Dieses herauszukitzeln, ist dringende Aufgabe des Trainerteams.

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