Volleyball: Bundesliga Frauen
Ein Abend, der dem USC Hoffnung macht

Münster -

Vorher hatte niemand damit gerechnet, hinterher waren alle stolz. Der USC Münster hat mit dem völlig überraschenden 3:1 gegen den SSC Palmberg Schwerin neue Hoffnung im Rennen um die Playoffs geschöpft. Was blieb, war die Frage: warum nicht immer so?

Donnerstag, 18.02.2021, 12:40 Uhr aktualisiert: 18.02.2021, 17:02 Uhr
Nele Barber (l.) hatte großen Anteil am Erfolg.
Nele Barber (l.) hatte großen Anteil am Erfolg. Foto: Jürgen Peperhowe

Es ehrt Ralph Bergmann, dass er wenige Augenblicke nach dem emotionalen, weil so überraschenden 3:1-Erfolg gegen den SSC Palmberg Schwerin erst einmal eine Entschuldigung loswerden wollte. „Es tut mir leid, das macht man nicht“, sagte der Trainer des USC Münster. Im dritten Satz beim Stand von 15:10 hatte er bei einer Abwehraktion seiner Kapitänin Barbara Wezorke hineingerufen und so für ein bisschen Verwirrung auf Schweriner Seite gesorgt – sehr zum Unmut seines Gegenübers Felix Koslowski, der ohnehin keinen erfreulichen Abend am Berg Fidel erlebte. Weil der USC seine beste Saisonleistung ablieferte und zeigte, was in dieser Mannschaft steckt. Da sie aber bislang meist ihre Qualitäten verborgen hielt, bleibt die Playoff-Qualifikation weiter eine Zitterpartie – trotz des Coups, der allerdings den Unabhängigen Rückenwind für die letzten beiden Hauptrunden-Spiele in Aachen und gegen Erfurt geben sollte.

Ein Abend, an dem alles passte

Es war so ein Abend, an dem alles passte. Münster als klarer Außenseiter trumpfte frei von der Leber weg auf, warf alle Zwänge über Bord. „In so einem Nichts-zu-verlieren-Ding spielt es sich einfacher“, erklärte Bergmann. Es war seinen Schützlingen vom ersten Ballwechsel an anzumerken, dass sie Spaß hatten an diesem Vergleich. „Wir hatten ja nichts zu verlieren und haben versucht, uns das Momentum zu ergattern“, sagte Nele Barber. Münsters Berlinerin avancierte mit 18 Punkten zur Top-Scorerin, stand sinnbildlich für den USC vom Mittwoch. Im ersten Satz missglückten ihr gleich mal drei Annahmen, dazu blieb die Außenangreiferin im Block ein paarmal hängen. Doch entmutigen ließ sich die 26-Jährige nicht, sie kam gestärkt nach ihrer kurzzeitigen Auswechslung zurück auf das Feld. „Am Anfang habe ich im Aufschlag ganz schön Druck bekommen, bin ein bisschen abgeschossen worden. Da tat mir die Pause mental und physisch ganz gut“, meinte Barber, die sich mit ihren Teamkolleginnen auch nach dem verlorenen ersten Satz (23:25) nicht den Schneid abkaufen ließ und sich weiter behauptete gegen den Rekordmeister, bei dem die langjährige USC-Spielerin Lina Alsmeier mit 14 Zählern Top-Scorerin war. „Nele war das Paradebeispiel. Aber auch Anika Brinkmann ist schwer ins Spiel gekommen und hat sich gesteigert. Es waren alle klar im Kopf“, sagte Bergmann, der diesmal einen gerade in knappen Situationen starken USC sah.

Natürlich ist es nicht cool, wenn man so einen Vorsprung verspielt. Aber so ein gutes Team wie Schwerin kann immer mal ein paar Punkte in Serie machen, dafür hatten wir uns ja den Puffer aufgebaut.

Nele Barber

Wie etwa im zweiten Durchgang (25:22), als sich Münster auch nach dem SSC-Anschluss zum 23:22 nicht aus der Ruhe bringen ließ. Oder wie im dritten Abschnitt (25:20) beim 3:6, das die Unabhängigen kurzerhand in ein 16:10 ummünzten. Und ganz besonders nicht im vierten Satz (25:23), als das Bergmann-Team nach einem 6:1, 9:4, 12:5 und 14:8 beim 14:14 den Favoriten plötzlich wieder neben sich hatte. „Natürlich ist es nicht cool, wenn man so einen Vorsprung verspielt. Aber so ein gutes Team wie Schwerin kann immer mal ein paar Punkte in Serie machen, dafür hatten wir uns ja den Puffer aufgebaut“, meinte Barber, die diesen überraschenden Sieg mit ihrer sympathischen Berliner Schnauze als „fluffig“ und „knorke“ bezeichnete. Mit Recht: Block, Abwehr, Angriff, Wille und Kopf – alles war in sich stimmig.

Bleibt die Frage, warum es dem USC bislang nicht gelungen ist, so eine „durchgehend konstante Leistung“ (Zuspielerin Taylor Nelson) öfter und besonders gegen Mitbewerber um die Playoff-Plätze abzurufen? „Vielleicht machen wir uns zu viel Druck. Wir wissen, was wir können, haben aber manchmal zu viel Stress und schöpfen dann unser Potenzial nicht aus. Dieser Sieg sollte uns Selbstvertrauen geben“, sagte Nelson. Und mit dem im Rücken will der USC in Aachen und gegen Erfurt auf den letzten Drücker das Playoff-Ticket lösen.

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