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Premiere: „Draußen vor der Tür“

Zupackender Appell gegen den Krieg

Münster

Das Theater Odos hat sich an einen Klassiker gewagt. „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert hatte jetzt in einer Inszenierung Premiere, bei der der Zuschauer die Personen des Dramas nur aus der Perspektive des Soldaten Beckmann erlebt. Ein Konzept, das erstaunlich gut funktionierte.

Von Helmut Jasny

Johan Schüling als verzweifelter Soldat Beckmann Foto: Heiko Ostendorf

Als Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ 1947 an den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt wurde, galt es als Aufschrei einer geschundenen Jugend, die von den Nazis im Krieg verheizt wurde. Es war ein beispielhaftes Stück Trümmerliteratur. Der Autor selbst erlebte den Erfolg seines Dramas nicht mehr. Er starb einen Tag vor der Uraufführung an den Folgen seiner Kriegsverletzungen.

Jetzt hatte das Stück in einer Inszenierung des Theaters Odos am Kleinen Bühnenboden Premiere. Regisseur Heiko Ostendorf hat das Personal auf die Hauptfigur eingedampft: den Soldaten Beckmann, der aus russischer Kriegsgefangenschaft in das zerstörte Hamburg zurückkehrt und dort keinen Lebenssinn mehr findet. Alle anderen Personen – Beckmanns Frau, ein Mädchen, das sich seiner annimmt, den Oberst, mit dem er abrechnen will, Gott und den Tod – bekommt der Zuschauer nur aus der Perspektive des Protagonisten mit.

Das funktioniert erstaunlich gut. Nicht zuletzt durch Johan Schüling, der seine Rolle mit großem körperlichem Einsatz auf die kleine Kammerbühne bringt. Er agiert in einem etwa zehn Quadratmeter großen, mit Wasser gefüllten Becken, das die Elbe symbolisiert, in der er sich am Ende ertränken will. Aber nicht mal der Fluss nimmt ihn auf. Es ist Beckmanns Moral, die ihn vom Suizid abhält.

Von Ostendorf an der E-Gitarre begleitet, kostet Schüling den emotionalen, teils expressionistischen Ton aus, der Borcherts Drama bestimmt. Verzweifelt schlägt er auf das Wasser ein, um seine Gasmaskenbrille zu finden, ohne die er hilflos ist. Mit Hohn stellt er seinen ehemaligen Oberst dar, der sich bereits wieder komfortabel im Zivilleben eingerichtet hat. Stark empfindet er seine eigene Schuld am Tod eines Kameraden, noch stärker die Verzweiflung über den Tod seiner Eltern.

Es ist ein deutlicher, zupackender Appell gegen den Krieg, den das Theater Odos hier auf die Bühne bringt.

Weitere Termine: 21., 22. und 23. Januar im Kleinen Bühnenboden.

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Als Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ 1947 an den Hamburger Kammerspielen uraufgeführt wurde, galt es als Aufschrei einer geschundenen Jugend, die von den Nazis im Krieg verheizt wurde. Es war ein beispielhaftes Stück Trümmerliteratur. Der Autor selbst erlebte den Erfolg seines Dramas nicht mehr. Er starb einen Tag vor der Uraufführung an den Folgen seiner Kriegsverletzungen.

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