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Augen auf beim Autokauf

Die Qual der Wahl: Welcher Motor soll ins neue Auto?

Bischoffen/Losheim am See (dpa/tmn)

Wer heute einen Neuwagen sucht, kann zwischen mehr Marken und Modellen wählen als je zuvor. Auch unter der Haube herrscht in Zeiten des Übergangs große Vielfalt: Welcher Antrieb eignet sich für wen?

Von Thomas Geiger, dpa

Was darf's denn sein? Ein Auto mit Diesel, Benziner, Mild-, Voll,- oder Plug-in-Hybrid oder gar ein vollelektrisches? Die Auswahl an Motorkonzepten ist so groß wie wohl nie zuvor. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn

Früher war die Welt noch einfach: In der Politik gab es Ost und West. Im Fernsehen liefen das Erste oder das Zweite, Koffeinbrause kam von Coca-Cola oder Pepsi - und unter der Motorhaube gab es Benziner oder Diesel.

Doch heute ist die politische Weltkarte kunterbunt, das TV-Programm umfangreich und die Brause hat dutzende Geschmacksrichtungen und Zuckerstufen. Und die Antriebsvielfalt ist größer denn je.

Verbrenner mit Benzin oder Diesel, Elektroantrieb und Hybride

Erst recht in Zeiten wie diesen, in denen die PS-Branche mehr oder minder schnell ihren Weg in die elektrische Zukunft sucht. Es geht nicht mehr nur um Benziner oder Diesel. Sondern beide Verbrenner werden auch als Mild-, Voll- oder Plug-in-Hybrid angeboten. Und die Auswahl an rein elektrischen Alternativen wird monatlich größer.

Doch sollte man sich davon nicht verunsichern lassen. Das sagt zumindest Autohändler Andreas Ignaz aus dem hessischen Bischoffen. Für ihn gilt im Grunde auch heute noch die alte Regel: «Wer kurze Strecken fährt, ist mit einem Benziner gut bedient und auf der Langstrecke fährt man mit dem Diesel am besten.»

Die Grenze zwischen Viel- und Wenigfahrern zieht Automobilwirtschaftler Prof. Ferdinand Dudenhöffer bei etwa 25 000 Kilometern im Jahr.

Typische Eigenschaften von Benziner und Diesel

«Der Benziner ist schneller warmgefahren und deshalb der ideale Kurzstreckenmotor, während der Diesel erst nach ein paar Kilometern auf Betriebstemperatur kommt», sagt Thomas Schuster von der Sachverständigenorganisation KÜS.

Dann allerdings hat der Selbstzünder mit seiner niedrigeren Drehzahl den ruhigeren Lauf und mit seinem höheren Drehmoment mehr Kraft beim Überholen. Außerdem ist der Diesel auf Dauer haltbarer, sagt Schuster mit Blick auf sechsstellige Laufleistungen.

Dass die Treibstoffpreise so stark gestiegen seien und, ändere an dieser Regel nichts, sagt Händler Andreas Ignaz, genauso wenig wie die oft einige tausend Euro Aufpreis zum Benziner: «Weil der Diesel weniger verbraucht, fährt man am Ende immer noch günstiger. Und je mehr man fährt, desto mehr kann man sparen.»

Basismotorisierung: Für Wenigfahrer oder den Zweitwagen

Aber die Wahl geht ja weit über die Art des Kraftstoffs hinaus, sagt Dudenhöffer und geht ins Detail: Beim Benziner sei der Zweitwagen, der überwiegend in der Stadt unterwegs sei und pro Jahr vielleicht 5000 oder 8000 Kilometer fahre, am besten mit dem Einstiegsmotor ausgestattet.

Beim Familienauto, das auch mal in den Urlaub fährt, sollte man dagegen eine etwas bessere Motorisierung wählen. «Denn gerade bei längeren Autobahnfahrten mit mehreren Personen und Gepäck an Bord bringt das doch Komfort.»

Emotionen spielen auch eine Rolle

«Und dann gibt es da ja auch noch eine emotionale Komponente bei der Entscheidung», sagt Schuster und verweist auf die unterschiedlichen Klangfarben der Motoren und auf den Fahrspaß.

Dudenhöffer nennt diese «sportlichen» Fahrer die «Freaks, die gerne Gas geben und mit dem Auto auch mal stolz dem Nachbar imponieren wollen.» Da zählten dann die PS, die Zylinderzahl, der Hubraum oder das Typenschild des Werkstuners. «Das ist zwar eine Minderheit», sagt er. «Aber weil die Hersteller daran blendend verdienen, wird sie weiter bedient.»

Der Elektromotor hilft dem Verbrenner auf die Sprünge

Ist die Wahl zischen Benziner und Diesel gefallen, kann man sich oft auch für den Grad der Hybridisierung entscheiden - und kann zwischen drei Stufen wählen, sagt KÜS-Mann Schuster.

Den so genannten Mild-Hybrid kann man dabei getrost ignorieren, sagt er. Der ist nicht viel mehr als ein stärker E-Motor für den Anlasser, der beim Anfahren mit anschiebt und beim Bremsen etwas Energie zurück gewinnt. Schuster nennt ihn eine Art kostenlose Zugabe, die viele Hersteller mittlerweile von Hause aus montieren, um den CO2-Ausstoß zu senken und Strafzahlungen zu vermeiden.

Interessanter sei da schon der so genannte Voll-Hybrid, den Toyota mit dem Prius berühmt gemacht hat. Für ihn gibt es zwar keine Förderung, doch erlaubt auch er ein paar Kilometer rein elektrischer Fahrt und drückt so den Verbrauch eines Benziners auf das Niveau eines Diesels. Vor allem bei asiatischen Herstellern sei er damit zur Alternative für den Selbstzünder geworden, den viele Marken aus Fernost bereits aus dem Programm gestrichen haben.

Autos mit Verbrenner und Stecker - kontroverse Meinungen

Beim Plug-in-Hybrid gehen die Meinungen weit auseinander. Hier gesellt sich zum Verbrenner ein E-Motor, der auch über einen Stecker geladen werden und länger rein elektrisch fahren kann.

KÜS-Mann Schuster hält den Teilzeitstromer für das ideale Übergangsauto. Denn Modelle einiger Marken schaffen mittlerweile bis zu 100 Kilometer rein elektrisch.

Und vor allem in der Stadt schone ein Plug-in die Umgebung. Er ermögliche auch Menschen ohne garantierten Zugang zu einer Ladesäule daheim oder im Büro das elektrische Fahren. «Und man kann sich damit schön vorsichtig in die neue Zeit tasten». Ferdinand Dudenhöffer dagegen sieht die Technik vor dem Aus, wenn erst einmal die Förderungen auslaufen und die Kunden die vollen Kosten tragen müssen.

Autohändler Andreas Ignaz hat darauf einen sehr differenzierten Blick: Wer zuhause etwa mit Solarstrom oder kostenlos am Arbeitsplatz laden könne, für den werde sich der Plug-in-Hybrid bei den hohen Spritpreisen auch ohne Zuschuss lohnen. Aber allen anderen rät er zur reinen Lehre: «Entweder einen Verbrenner ohne Stecker oder, wenn es die Umstände erlauben, eben gleich elektrisch.»

Das rein elektrische Auto - für wen ist das was?

Aber wann erlauben es die Umstände? Da wird es sehr kleinteilig und individuell. Auf dem Land wahrscheinlich seltener als in der Stadt - weil es zwar eine höhere Eigenheimquote gibt und mir ihr mehr Möglichkeiten für private Wallboxen. Dafür stehen aber in der Regel weniger öffentliche Lademöglichkeiten bereit.

Und je höher die Fahrleistung, desto schwerer der Umstieg aufs E-Auto. Denn wer die maximale Reichweite oft ausreizt oder überschreitet, muss auch unterwegs nach- oder vollladen. «Wer keinen reinen Zweitwagen für die alltäglichen Kurzstrecken sucht, sondern mit einem Auto alle Erfordernisse abdecken muss, der sollte mit dem Umstieg vielleicht noch ein bisschen warten», sagt Ignaz.

Beim täglichen Betrieb mögen die Unterschiede gewaltig sein. Aber wer bei der Wahl seines Autos bereits an den Wiederverkauf denkt, muss den Antrieb zumindest dabei kaum berücksichtigen, sagt Thomas Schuster. Zwar gebe es nach wie vor bei hohen Laufleistungen eine Präferenz für den Diesel, während junge Gebrauchte eher als Benziner gesucht seien.

Doch angesichts der Lieferkettenprobleme und der entsprechend langen Wartezeiten auf Neuwagen seien alle Regeln auf dem Gebrauchtwagenmarkt außer Kraft gesetzt. «Da ist im Augenblick für fast jedes brauchbare Auto ein guter Preis zu erzielen», sagt er.

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