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Vor- und Nachteile digitaler Weiterbildungen

Vorteile digitaler Bildungsangebote

Auch in diesem Jahr leiden die Schulen und Hochschulen unter einem zunehmenden Lehrermangel. Immer häufiger werden Angebote digitaler Bildung in Betracht gezogen. Solche Lernformen weisen große Potenziale auf, haben jedoch auch ihre Tücken.

von Aschendorff Medien

Foto: Colourbox.de

Das Lernen vom eigenen Schreibtisch aus ermöglicht in vielen Fällen eine größere Unabhängigkeit. Je nach Bildungsangebot können Inhalte zeitlich flexibel bearbeitet werden. Digitale Aufzeichnungen und ein vielseitig aufbereitetes Bildungsangebot verschaffen dem Lernenden zeitliche Unabhängig.

Der Aufenthaltsort ist nicht fest vorgegeben. Das spart Fahrkosten und ermöglicht spontane Reisen und Umzüge. Zudem erhalten auch motorisch eingeschränkte Personen auf diesem Weg einen unkomplizierten Zugang zu Bildungsveranstaltungen.

Die Vorteile der Barrierefreiheit können auch für Menschen mit Sinnesbehinderungen gelten. Für Blinde entfallen komplexe Anforderungen an die räumliche Orientierung, taube Menschen können technisch aufbereiteten Veranstaltungen häufig leichter Folgen als Gesprächen in überfüllten Hörsälen.

Auch ökologisch wären einige Vorteile zu nennen – vorrangig durch den verringerten Papierbedarf. Skripte, Arbeitsblätter, Bücher, Belegungslisten, Anträge werden in diesem Sektor konsequent digital bewältigt.

Lange Anfahrten mit Bus und Bahn sind überflüssig oder nur für seltene Präsensveranstaltungen notwendig. Das Lernen erfolgt auf verschiedenen Ebenen und kann durch umfangreiche multimediale Aufbereitung sehr umfangreich gestaltet werden.

Gelernt wird mit Menschen aus vielen verschiedenen Regionen. Dadurch kommen vielfältige Erfahrungen zusammen, die in Diskussionen und Feedbackrunden zu umfangreichen Erkenntnissen führen können.

Viele Menschen sind im digitalen Übungsraum auch eher in der Lage, aus sich selbst herauszukommen. Sie halten kompetente Vorträge und melden sich in Vorlesungen häufiger zu Wort.

Gerade jüngere Lernende profitieren stark vom spielerischen Charakter einer gut aufbereiteten Lehrveranstaltung. Wie in einen Augmented Reality Game können sie sich in das Geschehen einbringen, Umfrageergebnisse können direkt bildlich dargestellt werden, geteilte Arbeitsflächen erlauben geteilte Projekte. Schon jetzt wird im Unterricht viel mit Filmen gearbeitet, Mathematik wir über simulierte Lottoziehungen erklärt und Experimente werden digital verdeutlicht.

Informationsveranstaltungen oder Fortbildungen können dort, wo es gewünscht ist, den umgekehrten Weg gehen: Ohne Kamerabeteiligung ermöglichen digitale Formate absolute Anonymität.

Erwachsene, die neben einer Fortbildung oder einem Studium noch weitere Pflichten zu bewältigen haben, erhalten die Möglichkeit dieses Vorhaben am späten Abend oder in den frühen Morgenstunden umzusetzen. Dies fördert die Vereinbarkeit von Lehre und Familie und hilft auch Berufsgruppen im Schicht- oder Notdienst, ein Studium aufnehmen zu können.

Probleme entstehen durch Unwissen und unausgereifte Umsetzungsstrategien

Um diese Vorteile in Anspruch nehmen zu können, müssen entsprechend günstige Bedingungen vorliegen. Ganz allgemein muss jeder Lernende über die entsprechende technische Ausrüstung verfügen und diese zudem noch bedienen können.

Dann empfinden einige Menschen eine gewissen Scheu davor, sich längere Zeit einer Kamera ausgesetzt zu sehen, zumal die Aufzeichnungen immer ein Stück weit in den privaten Bereich hineinragen- spätestens dann, wenn das Arbeitszimmer im Gruppenchat zu sehen ist.

Andere Seminarteilnehmer schrecken vor den noch uneindeutigen digitalen Konventionen zurück. Sie wissen nicht, wie sie sich im Rahmen des digitalen Kontaktes verhalten sollen und fürchten die Folgen möglichen Fehler. Auch die Angst vor unangekündigten Aufzeichnungen scheint berechtigt.

Wieder andere können sich zwar mit all diesen Komponenten sehr gut arrangieren, stoßen aber an qualitative Hürden. Übertragungen werden unterbrochen, die Tonqualität ist schlecht oder die aufbereiteten Inhalte erreichen die Lernenden nur unzureichend, was für den Lehrenden nur schwer nachzuvollziehen ist.

Potentiale müssen ausgebaut werden

Überhaupt sind die Lehrkräfte meist unzureichend eingearbeitet und können von ihrer Seite her selbst kein professionelles digitales Verhalten vorleben. Hier liegt vermutlich der Kern der möglichen Kritik.

Die digitale Lehre bietet eine Vielzahl an Möglichkeiten, steckt aber noch in den Kinderschuhen und kämpft häufig mit Problemen, die zu Lasten der inhaltlichen Vermittlung gehen. Ein Punkt der derzeit eventuell gegen einen flächendeckenden Einsatz spricht, der in Zukunft jedoch an Bedeutung verlieren könnte.

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