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Die wichtigsten Quellensteuern in Deutschland

Quellensteuer - wenn der deutsche Fiskus direkt an die Wurzeln von Erträgen greift

Aschendorff Medien

Foto: Aschendorff Medien

Quellensteuern haben bei Steuerpflichtigen nicht immer einen guten Ruf. Es werden dabei Steuern direkt von der Quelle einbehalten, in der die steuerbaren Erträge entstehen. Die Steuer fließt an den Fiskus und das Geld ist erst einmal weg.
Wenn die Steuer einbehalten wird, werden nicht alle individuellen Voraussetzungen für die Besteuerung berücksichtigt. Die Quellensteuer ist immer pauschaliert. Spannend wird das Thema Quellensteuer besonders dann, wenn von mehreren Ländern gleichzeitig Quellensteuern erhoben werden.

Welche Arten von Quellensteuern gibt es?

Alle Formen der Quellensteuer haben gemeinsam, dass sie direkt dort abgeführt werden, wo die Erträge anfallen. Was ihre Wirkung angeht, sind sie unterschiedlich gestaltet. Dabei kommt es insbesondere darauf an, ob der Steuerschuldner beschränkt oder unbeschränkt steuerpflichtig in Deutschland ist.

Die verschiedenen Varianten der Steuerpflicht beziehen sich auf die Frage, auf welche Einkünfte eine Person in einem Land Steuern zahlt.

Wer in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtig ist, zahlt im Rahmen der Steuergesetzgebung auf alle seine Einkünfte in Deutschland Steuern.

Für beschränkt Steuerpflichtige gilt das nicht. Bei ihnen sind Einkünfte steuerpflichtig, die in Deutschland erzielt werden.

Für Quellensteuern ist grundsätzlich zu unterscheiden:

Bei unbeschränkt Steuerpflichtigen haben Quellensteuern wie etwa bei der Lohnsteuer den Charakter einer Steuervorauszahlung.

Bei beschränkt Steuerpflichtigen nimmt die Quellensteuer häufig die Wirkung einer Abgeltungssteuer an. Das ist beispielsweise bei der Kapitalertragsteuer der Fall. Bei dieser Variante kann unter Voraussetzungen abgeführte ausländische Quellensteuer angerechnet werden.

Was Sie noch zum Thema Quellensteuer wissen sollten

Kennzeichnend für Quellensteuern ist es, dass der Steuerschuldner und der Steuerzahler auseinanderfallen. Beispielsweise führt bei der Lohnsteuer der Arbeitgeber den Zahlbetrag an den Fiskus ab. Steuerschuldner bleibt nach wie vor der Arbeitnehmer, da die Lohnsteuer auf seinen Arbeitslohn entfällt. Bei der Kapitalertragsteuer ist der Steuerzahler eine Bank oder ein Kreditinstitut, Steuerschuldner derjenige, der Kapitalerträge erzielt.

Bei einigen Quellensteuern hat jeder Steuerpflichtige Freibeträge. Das gilt beispielsweise bei der Kapitalertragsteuer. Über einen Freistellungsauftrag machen Steuerpflichtige den Freibetrag geltend.

Die wichtigsten Quellensteuern in Deutschland

Zu den Quellensteuern zählen nicht nur die Lohnsteuer und die Kapitalertragsteuer. Mit einer Quellensteuer besteuert werden auch Aufsichtsratsvergütungen beschränkt steuerpflichtiger Personen in Deutschland.

Ebenso unterliegt der Werklohn für gewerbliche Bauleistungen an Unternehmer der Besteuerung an der Quelle. Diese Steuer heißt Bauabzugsteuer.

Honorare für sportliche, künstlerische und andere Tätigkeiten beschränkt Steuerpflichtige sind ebenfalls eine Abzugsteuer unterworfen.

Rechtliche Grundlagen der Quellensteuer

Vorschriften zu den Quellensteuern finden sich im Einkommensteuergesetz (EstG). Beispielsweise regelt § 41a EStG die Lohnsteuer.
In § 43 EStG geht es um die Besteuerung auf Kapitalerträge.
§ 50a Abs. 1 EStG definiert die Besteuerung für beschränkt Steuerpflichtige in bestimmten Fällen. Hier ist etwa in Nr. 1 die Besteuerung für künstlerische und andere Darbietungen direkt beim Veranstalter geregelt.

Typische Rechtsstreitigkeiten rund um die Quellensteuer

Gerade § 50a Abs. 1 Einkommensteuergesetz ist häufig Aufhänger für Rechtsstreitigkeiten. 2019 ging es beispielsweise um die Besteuerung bei Online Werbung über Google. Betriebsprüfer hatten hier einen Fall von § 50a Abs. 1 Nr. 3 EStG angenommen und Aufwendungen für diese Werbung im Netz mit einer 15-prozentigen Quellensteuer belegt. Hintergrund ist, dass diese Vorschrift unter anderem die Überlassung von Rechten zum Gegenstand hat. Klarheit brachte am Ende erst eine Klärung auf Bund-Länder-Ebene. Danach müssen inländische Werbetreibende keine Quellensteuer für die Online Werbung einbehalten.

Die Quellensteuer und ihre Bedeutung im internationalen Rechtskontakt

Die Quellensteuern verhindern unter anderem, dass Steuerpflichtige nationale Steuern umgehen, weil sich steuerlich relevante Vorgänge in verschiedenen Ländern abspielen.

Viele Staaten kämpfen gemeinsam gegen die Bildung von Steueroasen. Sie wollen nicht auf Steuereinkünfte verzichten, weil ihre Bürger und internationale Unternehmen Steuerschlupflöcher zu ihrem Vorteil nutzen.
Andererseits sollen Quellensteuern regelmäßig nicht dazu führen, dass Menschen in verschiedenen Ländern mehrfach besteuert werden. Hier bestehen in den meisten Fällen Doppelbesteuerungsabkommen, die eine solche Doppelbesteuerung unterbinden helfen. Bei den Quellensteuern wie besteht neben der Verpflichtung der Steuerzahler, die Steuer an der Quelle abzuführen eine Anmeldungspflicht. Eingebunden in die Abwicklung der Quellensteuer ist dabei das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt).

Bei der Abführung von Quellensteuern für beschränkt steuerpflichtige Personen in Deutschland sind die abgeführten Steuerbeträge durch die Steuerzahler beim BZSt anzumelden. Ebenso kann ein inländischer Anleger, der Zinsen oder Dividenden von einem Unternehmen mit Sitz im Ausland bezieht, den erfolgten Steuerabzug im Ausland beim Fiskus in Deutschland geltend machen.
Auf internationaler Ebene bedienen sich die Länder eines einheitlichen Standards im Berichtswesen, um Informationen unter anderem über Zinserträge auszutauschen. Dieses Standardformat heißt Common Reporting Standard (CRS). Viele Länder kennen inzwischen das Prinzip der Quellensteuer und setzen dieses insbesondere für beschränkt Steuerpflichtige ein.

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